Neuer Glanz für ein barockes Schmuckstück

Krügersdorf - Kanzelaltar

Krügersdorf (GMD) Der Kanzelaltar der Krügersdorfer Kirche erstrahlt wieder in neuem Glanz. Der Frankfurter Restaurator Bernhard Klemm hat mit dem Künstler Rostislaw Woronko das barocke Ensemble in den vergangenen zwei Monaten mit viel Liebe zum Detail rekonstruiert.

Nicht nur das Gold auf den Schmuckbändern, auch die Engel leuchten wieder in der Kirche hinein. Ihre Aufarbeitung hat viel Zeit gekostet. "Erst kam der Staubsauger zum Einsatz, dann der Pinsel und zum Schluss die Reinigungslösung. Da war Staub mehrerer Jahrhunderte drauf", erklärt Rostislaw Woronko, der die Putti demontierte und in seinem Atelier auf der Burg wieder hübsch machte. Mit einer klassischen Kreidegrundierung wurden die Figuren wieder geglättet. Die Farbe stand nach mehreren Proben des Restaurators Bernhard Klemm fest: Steingrau wurde schon bei der Rekonstruktion im Jahr 1885 verwendet.

In diesem Jahr war die Kirche schon komplett erneuert worden. Eingebaut wurden Glasmalereien und die Patronatsloge. Auch die Orgel wurde in dieser Zeit gebaut - ungewöhnlicherweise direkt neben dem Altar. In den meisten Sakralbauten wurden die Orgeln gegenüber auf der Westempore errichtet.

Aber auch die anderen Details des hölzernen Kanzelaltars, der zur Erbauungszeit der Kirche um 1720 errichtet wurde, erforderten von Klemm und Woronko viel Fingerspitzengefühl. Bei der Restaurierung kamen auch Bibelzitate aus der Barockzeit in den Feldern der Kanzel zum Vorschein, die Klemm in aufwändiger Arbeit wieder zu Schriftzügen vereinen konnte. In frischen Farben erscheint nun auch die Malerei im Mittelfeld der Kanzel, die den auferstandenen Christus darstellt. Das Gemälde unter der Kanzel zeigt zudem die Berufung des Propheten Jesaja, der vor dem thronenden Gott kniet. "Ein Motiv, das in der Region selten in Kirchen gemalt wurde", so Pfarrerin Marianne Tiedeke. Ein schöner Abschluss des Altars ist jetzt auch wieder die Monstranz, die fast an die Decke stößt. "Früher war in der ovalen Fläche ein Glasbild, was Bleireste und Splitter belegen. Jetzt ist das Motiv auf einem Holzgrund gemalt.

Zwei Monate intensive Arbeit liegen jetzt hinter den beiden Fachleuten. "Es waren oft lange Tage, manchmal ging es auch bis Mitternacht im Atelier. Es ist aber sehr interessant, wieder die historische Oberfläche sichtbar zu machen", sagt Woronko, der vor allem für den künstlerischen Teil zuständig war. Im kommenden Frühjahr geht es für beide weiter: Dann wird die Westempore mit der Patronatsloge aufgearbeitet. Zudem kümmert sich Bernhard Klemm in den kommenden Monaten auch um den Taufengel, der bereits demontiert wurde und bald wieder seiner Bestimmung übergeben werden soll.

Die Krügersdorfer werden den Altar zur Christvesper an Heiligabend bewundern können. Denn die Wintergottesdienste finden derzeit im Gemeinderaum statt. "Eine Feier findet dann am Ende des nächsten Sommers statt, wenn auch die Westempore fertig ist", sagt Marianne Tiedeke.

Märkische Oderzeitung vom 16. November 2007

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