Schnitzwerk wieder eingeschwebt

Die Holzhausener Dorfkirche hat ihren Taufengel wieder / Weitere Arbeit für Restauratorin

Etwa so würde der Engel von der Decke hängen
Etwa so würde der Engel von der Decke hängen.
Foto: Beckmann

ALEXANDER BECKMANN

HOLZHAUSEN Schon zum 2. Advent soll er wieder fliegen, der Holzhausener Taufengel. Gestern ist die rund 300 Jahre alte Holzfigur nach ihrer Restaurierung in die Dorfkirche zurückgekehrt.

Restauratorin Annett Schulz hatte das gute Stück gestern Vormittag mitgebracht, nachdem es ein ganzes Jahr in ihrer Berliner Werkstatt bearbeitet worden war.

Nach schätzungsweise einem Jahrhundert auf dem Dachboden der Kirche stand beinahe eine Komplettbehandlung an, um den Verfall zu stoppen. Schulz reinigte die Holzoberfläche, verschloss Risse, festigte morsche Teile und rückte vor allem dem unermüdlichen Holzwurm zu Leibe. Zudem fehlten einige Teile: Finger, ein kompletter Unterarm, ein Fuß. Sie wurden im Stil der Zeit, des Barock, nachgeschnitzt und fugenlos eingepasst.

Vorausgegangen war eine gründliche Untersuchung des Taufengels. Fest steht offenbar, dass er aus der Werkstatt des Havelberger Holzbildhauers Heinrich Joachim Schultz stammt, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine ganze Reihe von Kirchen der Gegend ausstattete. Schon deshalb habe sich der Aufwand für die Restaurierung gelohnt, versichert Annett Schulz: "Schultz, das ist einer der besseren Künstler der Region." Eine dendrochronologische Analyse (Altersbestimmung anhand der Jahresringe des Holzes) wies allerdings auch nach, dass die Flügel des Engels Jahrzehnte nach ihm entstanden. Vermutlich handelt es sich um eine Reparatur aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Annett Schulz fand auch Spuren der einstigen Bemalung, die mit dem bloßen Auge nicht mehr zu erkennen sind. Bunt war der Engel, eben richtig barock – und das soll er irgendwann auch wieder werden.

Ganz so weit ist es in Holzhausen aber noch nicht. Zuerst einmal wollen der Gemeindekirchenrat unter Ronald Jüngling und Ortsbürgermeister Andreas Lange dafür sorgen, dass der Taufengel wieder so wie einst in der Kirche schwebt – an einem Seil von der Decke.

Und dann gibt es noch dringendere Aufgaben zu erledigen: Der Altar und die Kanzel, ebenfalls 300 Jahre alt, bedürfen ebenfalls dringend einer Gesundheitskur. Die 3500 Euro für den Engel hatte die Kirchengemeinde gerade noch in der Rücklage gehabt. Die Kosten allein für die Restaurierung des Altars schätzt Annett Schulz aber auf 25 000 Euro. "Und dann ist da ja noch die Kanzel. Vorher denken wir über die Farbe für den Engel gar nicht nach."

In Holzhausen denkt man in dem Zusammenhang auch eher ans Geld. Der Gemeindekirchenrat will bei Kulturstiftungen, vielleicht bei der Sparkassenstiftung, eine Förderung beantragen. Bliebe noch der Eigenanteil: "Da hoffen wir, dass wir unsere Windkraftanlage bekommen", sagt Ronald Jüngling. Einer der bei Holzhausen geplanten Rotoren soll nämlich auf Kirchenland stehen. Für die Gemeinde würde das Einnahmen bringen. Und vielleicht wird man auch wieder zu einer Spendenaktion aufrufen wie schon fürs Kirchendach.So oder so: Mit dem Taufengel ist schon ein Stück Holzhausener Kirchengeschichte gerettet. Ortsbürgermeister Andreas Lange sieht ihn schon am Seil vor sich: "Wenn dann ’ne Taufe ist – hoffentlich häufig – wird er runtergelassen."

Märkische Allgemeine vom 20. November 2007

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