Sprüche auf den Balken

Besucher schauten sich den restaurierten Sternenhimmel in der Kirche an

UTA SCHMIDT

GROß KÖRIS Theologie-Student Christian Ritter aus Wildau hatte am Samstag die Kamera im Gepäck, um jedes Detail der Ornamentik an der Tonnendecke der Dorfkirche in Groß Köris zu fotografieren. "Das sieht ja wirklich wieder sehr schön aus", so der junge Mann zum renovierten Innenraum des Gotteshauses.

Ritter beschäftigt sich gerade mit der Chronik der Kirche in Wildau und dem königlichen Baurat Georg Büttner, der die Kirchen in Groß Köris und Wildau entwarf. "Büttner hat in wenigen Jahren vor dem ersten Weltkrieg 23 Kirchen in Brandenburg entworfen", so der Student, der am Samstag das Gespräch über die Wiederherstellung der Kirchenmalerei mit Pfarrerin Brigitte Müller-Krebs und Gemeinderkirchenrat Jörg Stiehl suchte. Büttners Markenzeichen waren das Holztonnengewölbe, ein runder Altarraum und eine reiche Ornamentik. Er starb im Ersten Weltkrieg.

Knapp 30 Besucher nutzten an diesem Tag die Chance, zwischen 10 und 12 Uhr einen Blick in das frisch renovierte Kirchenschiff des 1916 geweihten Gebäudes zu werfen. Seit August haben hier die Restauratorinnen Dagmar Rothen-Nitsche aus Zernsdorf und Annett März (MAZ berichtete) die Deckenmalerie nach den Originalentwürfen Büttners wiederhergestellt. "Die Motive wirken so froh, leicht und hoffnungsvoll, dass sie gerade in diesen Tagen viel Kraft spenden können", freute sich Pfarrerin Brigitte Müller-Krebs über die Arbeit. Sie verwies auch auf den Spruch auf einem Deckenbalken: "Die mit Tränen säen, werden mit Freude ernten". Dieser werde gerade zum Totensonntag Hoffnung vermitteln und die Gläubigen während des Gottesdienstes ansprechen.

Viele Fragen über die wechselvolle Geschichte der Kirche und deren Ausmalung beantwortete ebenso Jörg Stiehl. Zur 50. Jahrfeier der Kirche 1966 sei das damals bereits renovierungsbedürftige Kirchenschiff in einem schlichten Hellgelb überstrichen worden. "Seit Jahren sammelt unsere Kirchengemeinde Geld für die Wiederherstellung der Deckenmalerei, die uns bisher 37 000 Euro kostete. Viel muss aber noch getan werden." So soll in den kommenden Monaten auch der Altarraum wieder in alter Schönheit entstehen. Hier kann der Besucher derzeit einen Eindruck erhalten, wie die Jugendstilmalerei unter Farbschichten wieder zum Vorschein gebracht werden kann. 40 000 Euro sind für die Restaurierung nötig. Förderanträge wurden bei der Sparkasse und beim Denkmalschutz gestellt. "Jetzt stimmt auch die Farbe der Wände und der Bänke nicht mehr. Auch hier müssen wir Hand anlegen", sagte die Pfarrerin.

Unter den Besuchern war auch Gudrun Jörg aus dem Schwarzwald, die mit Angehörigen das Gotteshaus aufsuchte. "Es fasziniert mich, wie lange die alten Farben auch bei Übermalung noch auf den Gemäuern sichtbar sind. Die Ausmalung der Kirche finde ich sehr gelungen".

Märkische Allgemeine vom 26. November 2007

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