Flaschenpost in der Turmkapsel

Kirche Langerwisch feiert morgen die erfolgreiche Sanierung des Gotteshauses

LANGERWISCH - Mit einem Festgottesdienst wird morgen die gelungene Sanierung der Langerwischer Dorfkirche gefeiert.

Die Erneuerung einer Kirche kann eine spannende Sache sein. Wird der Kirchturm wie im Fall von Langerwisch auf Vordermann gebracht, ist es üblich, einen Blick in die Turmkapsel zu werfen. Die Sanierer des Langerwischer Turms entdeckten darin Flaschenpost mit Nachrichten aus den Jahren 1901 und 1957. So berichtete der Lehrer König schon damals, am 26. Januar 1901, dass der obere Teil des Kirchturmes repariert wurde und man zu diesem Zwecke Kugel und Wetterfahne heruntergeholt hat. Leider war die Kugel aber leer, bedauerte der Lehrer. Auf das Papier, dass er in die Turmkapsel legte, schrieb er: "Der jetzige Pfarrer heißt Vorberg, der Lehrer König, der Ortsschulze August Käthe II." Und: Die Reparaturarbeiten führte unter anderem der Zimmermeister Schlehan aus Bergholz und ein Klempnermeister aus Saarmund durch.

Nicht alle Namen sind heute noch lesbar. Der Korken auf der weißen Flasche hatte nicht verhindern können, dass Feuchtigkeit eindrang und die historischen Dokumente beschädigte. Die Originale liegen nun im Kirchenarchiv. Morgen zum Festgottesdienst werden aber Abschriften erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, kündigt Pfarrerin Steffi Gopp-Wiechel an.

Ansonsten soll die neue Herrlichkeit der Langerwischer Kirche gefeiert werden. Vor ihrer Sanierung war sie in keinem guten Zustand. "Die Holzbalken im Turm waren voll von Pilzen, Würmern und Hausschwamm", so die Pastorin. Die Erneuerung des Turms war der letzte Akt des Sanierungswerkes, das Mitte der 1990er Jahre mit der Reparatur des Kirchendaches begann. Schon da machten die Sanierer die Erfahrung, dass die 1772 errichtete Kirche eigentlich mit einer Hypothek auf die Welt kam Baufehler von damals führten über 200 Jahre nach der Weihe dazu, dass die Standsicherheit nicht mehr gewährleitet war, erzählt Thomas Drachenberg, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates.

Langerwisch war da keine Ausnahme. Nach dem Dreißigjährigen Krieg muss die Erfahrung der Bauleute verloren gegangen sein, vermutet Drachenberg. "Sie wussten nicht mehr, wie man Holzbalken auf eine Mauerlatte auflegt, ohne dass sich der echte Hausschwamm bilden kann." Für die einst vergessene "Luftumspülung der Hölzer" ist nun nach der Sanierung gesorgt. Auch deshalb hofft Drachenberg, dass das Gotteshaus nach der schrittweisen Großreparatur länger hält als in der Vergangenheit, in der alle 50 Jahre eine Instandsetzung notwendig wurde.

Die Turmsanierung war auch ein finanzieller Kraftakt. Knapp 200 000 Euro kostete es, den Turm auf Vordermann zu bringen, verrottete Balken auszutauschen und die Bekrönung zu erneuern. 40 Prozent der Summe kamen von der Kommune und der Städtebauförderung, die Landeskirche Berlin-Brandenburg gab 30 000 Euro und die Kirchengemeinde selbst nahm ein Darlehen auf, um den Kampf gegen den Hausschwamm aufzunehmen. Und 14 000 Euro spendeten die Langerwischer Kirchenmitglieder. (Von Jens Steglich)

Märkische Allgemeine vom 08. Dezember 2007

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