Die Fermerswalder Kirche hatte über die Zeit schon viele Gesichter

Mindestens drei Türme

Bis heute streiten sich die Historiker, wie alt die Fermerswalder Kirche tatsächlich ist – ob sie gleichzeitig mit der Siedlung entstand, die bereits im Jahr 1380 urkundlich erwähnt wird, oder aber doch erst später errichtet wurde. Eines steht jedoch fest: Mindestens schon drei verschiedene Türme hat sie bis heute gehabt und viele Sanierungsmaßnahmen erlebt. Wenn’s nach der Fermerswalder Kirchengemeinde geht, steht ihr eine weitere in Kürze bevor.

Siegbert Lieske am Altar der Fermerwalder Dorfkirche 
Gemeindekirchenrat Siegbert Lieske am Altar der Fermerwalder Dorfkirche. Taufstein und Epitaph von 1542 ge-spendet von der Familie von Falcken.

Ein großes Anliegen für die Fermerswalder sei die Sanierung des Kircheninneren, sagt Siegbert Lieske, seit 1987 Mitglied des Gemeindekirchenrates und seit fünf Jahren auch in der Stadtverordnetenversammlung. «Als unsere Kirche im Rahmen der Dorferneuerung im Jahr 1992 Landesmittel für die Turmsanierung bekam, hat es für den Rest nicht mehr gereicht» , erklärt er. Laut Lieske haben die Bauarbeiten damals 100 000 DM gekostet, wovon die Hälfte durch Eigenmittel gedeckt werden mussten. «Kurz nach der Wende waren die Töpfe des Landes noch etwas voller für solche Vorhaben» , resümiert er. Nur dadurch konnte der bereits stark durch die Witterung angegriffene Fachwerkturm erneuert werden. Entstanden ist er in den 50er Jahren, als der alte Turm von 1932 vom Blitz getroffen wurde. Der älteste bekannte Kirchenturm stammte laut Lieskes Aktenlage aus dem 18. Jahrhundert. Für die Sanierung 1992 diente er als architektonische Vorlage.

Heute steht eine goldene Wetterfahne mit der neuen Jahreszahl auf der Turmspitze, und die in die neue Bekrönung hineingelegten Schriftstücke dokumentieren die Bauarbeiten der Fermerswalder Kirche für die Nachwelt. Der Rest des Gebäudes passe jedoch nicht mehr richtig dazu, denn das Kirchenschiff sei seit langem nicht mehr restauriert worden, fügt Siegbert Lieske an.

Zu den Schätzen der kleinen Dorfkirche zählen vor allem der Taufstein und das Epitaph von 1542. Nach Lieskes Meinung spendete den Taufstein Hedewigk von Falcken vor der Geburt ihres Kindes. Als sie und das Kind im Wochenbett starben, ließ die Familie den Grabstein aufstellen. Das sei jedoch nicht alles Erhaltenswerte, betont der Kirchenälteste, der sich gemeinsam mit den Kirchenratsmitgliedern Fred Kuhring, Johanna Schulze, Heidelind Weiß und dem neuesten Mitglied Siegfried Warten burger am meisten für das örtliche Gotteshaus einsetzt. Doch Lieske ist zuversichtlich. Schließlich sei der Beschluss, das Herzberger Architektenbüro «Angelis+Partner» mit der Bestandserfassung zu beauftragen, im Gemeindekirchenrat bereits gefallen, sagt er. Im ersten oder zweiten Jahresquartal werde das Konzept erwartet. Nur noch die Kostenfrage sei ungeklärt. Die Sanierung jedoch müsse sein, so Lieske.

Der gebürtige Buckauer, der seit mehr als 20 Jahren mit seiner Familie in Fermerswalde lebt, fühle sich der Kirche, ebenso wie die rund 150 Fermerswalder, sehr verbunden. Selbst, wenn sich die hellen Holzbänke nur noch am Heiligabend richtig füllen, die Orgel schon lange nicht mehr spielt und das Krippenspiel seit mehr als 15 Jahren aufgrund von Kindermangel nicht stattfinden kann, kämpft die Gemeinde um das Herzstück ihres Dorfes. «Meine Enkeltochter wurde als einziges Kind in diesem Jahr von Pfarrer Martin Miech aus Rehfeld in der Dorfkirche getauft, obwohl meine Tochter inzwischen in Leipzig lebt» , sagt Lieske. Ohne die Kirche könne man sich den Ort nicht vorstellen.

Lausitzer Rundschau vom 17. Dezember 2007

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