Turm soll wieder bronzene Glocken erhalten

Die Teltower St.-Andreaskirche ist von außen saniert innen bleibt einiges zu tun / Erweiterte Führung durch Altstadt

Die Glocken im Kirchhof rosten 
Die Glocken im Kirchhof rosten, weil sie aus Eisen sind.
Foto: Streuber

TELTOW - Für die Innensanierung der St.-Andreaskirche fehlt den Teltowern noch Geld.

Vom Fortgang der Arbeiten an der Teltower St.-Andreaskirche konnten sich am Samstag Teilnehmer einer erweiterten Führung überzeugen, die einmal im Monat stattfinden soll. Quintessenz: Arm ist die Kirchenmaus, und deshalb erfolgt die Wiederherstellung des Gotteshauses in kleinen Schritten wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden, ist derzeit nicht abzusehen.

Im September 2006 wurde die Sanierung des Gotteshause begonnen, die voraussichtlich 900000Euro kosten wird. Die Finanzierung teilen sich Stadt, Kirchengemeinde und Landeskirche. Hinzu kommen Lottomittel und Spenden.

Die Sanierung des Turms, die die Erneuerung des Gebälkes und des Glockenstuhles sowie die Neueindeckung mit Kupferblech beinhaltete, wurde bereits abgeschlossen. Dabei wurden auch die drei eisernen Glocken, die 1924 als Ersatz für das im Ersten Weltkrieg eingeschmolzene Bronzegeläut in den Turm kamen, entfernt. An ihrer Stelle sollen wieder Bronzeglocken erklingen. Das Kirchendach wurde neu gedeckt. Dazu mussten rund 90 Prozent des Gebälkes erneuert werden. Nun sind nur noch einige Blecharbeiten erforderlich. Die Außensanierung, die noch Putzarbeiten an den Fenstern und dem Portal beinhaltet, soll bis Juni 2008 abgeschlosen sein. Bis dahin ist die Finanzierung auch gesichert.

Für die notwendige Innensanierung, die den Einbau einer neuen Heizung und die Restaurierung der Schuke-Orgel beinhaltet, fehlen die finaziellen Mittel noch. Auch für zwei neue Bronzeglocken muss noch kräftig gesammelt werden. Die Turmuhr soll im Rahmen eines Schülerprojektes instandgesetzt werden.

Um den nahezu einmaligen Schmuck der Kirchturmspitze der Teltower St. Andreas-Kirche, die eine Krone anstelle des üblichen Kreuzes ziert, ranken sich mehrere Geschichten. Die sicherlich glaubwürdigste das erfuhren die Teilnehmer der Führung vom Vorsitzenden des Heimatvereins, Peter Jaeckel hängt mit der Geburt eines Sohnes Kaiser Karl IV. während einer Reise mit seiner Frau Elisabeth im 14. Jahrhundert nach Teltow zusammen. Glücklich über dieses freudige Ereignis, stiftetete er der Kirche die Krone.

Diese Geschichte war ein Bruchstück einer sehr interessanten über zweistündigen Führung durch die Altstadt. Seit dem Tag der offenen Höfe im August des vergangenen Jahres finden diese Wanderungen durch die Teltower Historie, die in der Zehlendorfer/Ecke Berliner Straße um 10 Uhr beginnen, jeden ersten Samstag im Monat statt.

1810 bis 1812 wurde das brandgeschädigte Gotteshaus nach Entwürfen von Karl-Friedrich Schinkel in seiner heutigen Gestalt aufgebaut. 1910 bis 1912 wurde die Kirche renoviert. Dabei wurde die Innenausstattung verändert. Der vom Bodensee nach Teltow übersiedelte Bildhauer August Mattausch gestaltete das Kircheninnere mit Schnitzereien in Tiroler Gotik. Auf der Empore wurde eine Schuke-Orgel installiert. Der Außenputz, der auf der Feldsteinverkleidung der Kirche nicht gut hielt, wurde entfernt.

Teltow, das insbesondere durch den Kanal weit über die Region hinaus bekannt wurde, hätte noch berühmter werden können, wusste Hermann Lamprecht, der in seiner Freizeit in der Rolle des Alten Fritz schlüpft, zu berichten. Wenn der Hauptmann von Köpenick, alias Schuster Wilhelm Voigt, besser informiert gewesen wäre, hätte er am 16. Oktober 1906 das Landratgebäude in Teltow, in dem sich das Passamt des Landkreises befand, aufgesucht. Richtiger verhielten sich die Erbauer des Panamakanals. Sie reisten nach Teltow, um von den Erfahrungen der Baumeister des von Landrat von Stubenrauch initiierten Teltowkanals zu profitieren. Die nächste Führung startet am 2. Februar um 10 Uhr. (Von Dietmar Streuber)

Märkische Allgemeine vom 07. Januar 2008

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