Neue Töne für altes Instrument

Orgel in Niebeler Gotteshaus soll in diesem Jahr saniert werden / Spendengeld aus dem Ort

NIEBEL - Anlauf genommen hatte die heute rund 60 Glieder zählende Kirchengemeinde in Niebel bereits seit der Wende. In 2008 soll die Sanierung der maroden, nunmehr 110 Jahre alten Orgel nun aber Realität werden.

Hatten bislang immer andere wichtigere Arbeiten an dem neu erbauten und 1896 geweihten Gotteshaus Vorrang erhalten, ist Pfarrer Gunther Seidel nun optimistisch, die Sanierung der Orgel zum Jahresende beginnen zu können. Immerhin haben Gemeindeglieder und Niebeler Bürger bereits mehr als 1000 Euro Spendengeld auf ein Konto eingezahlt, das ausschließlich der Orgel vorbehalten ist. "Der Spenderwille ist heilig", verspricht der für Niebel zuständige Treuenbrietzener Pfarrer. Er hat inzwischen mehrere Angebote von Orgelbaufirmen eingeholt. Deren Schätzungen liegen je nach Umfang und Qualität der auszuführenden Arbeiten zwischen 15000 und 33000 Euro.

Das Instrument war ursprünglich im Jahr 1895 von dem Niemegker Orgelbaumeister Friedrich Wilhelm Lobbes erbaut worden. "Bereits 20 Jahre später erfolgte offenbar auf Einfluss eines für Kirchenmusik engagierten Lehrers schon ein massiver Umbau", erzählt der Pfarrer im Ruhestand Jürgen Lüdersdorf. Er bedient das Instrument ab und an noch als Aushilfe und kennt die Tücken. "Damals ist die Orgel auf den modernsten Stand der Zeit gebracht, aber leider auch die robustere Mechanik gegen eine anfälligere Pneumatik getauscht worden", so Lüdersdorf. Deren Leitungen, Ventile und Ledersäckchen sind nun zum Teil verschlissen, Töne und einzelne Register fehlen an der Orgel, die seit dem Umbau über zwei Manuale verfügt. Zudem ging das einstmals romantisch geprägte Klangbild durch weitere Umbauten fast verloren.

"Sowohl die Kirche mit drei Glocken im Turm, als auch die Orgel sind eigentlich zu groß für ein Dorf wie Niebel mit seinen 156 Einwohner", sagt Gunther Seidel. Was ein Zeichen früheren Wohlstandes im Ort gewesen sein mag, "macht die Gemeinde heute arm", so der Pfarrer. Gespielt wird die Orgel heute vor allem zu besonderen Anlässen und Gottesdiensten. Die einstige Treuenbrietzener Kirchenmusikerin Ilse Waschau, Pfarrer Jürgen Lüdersdorf oder die im Dorf lebende Pfarrerin Eva-Marie Wunderlich entlocken ihr mühevoll dann die noch verfügbaren Töne.

Gelingt es dem jeweiligen Organisten bei Trauerfeiern, die im Winter stets in der Kirche stattfinden, nicht, die Mängel des Instrumentes mit Erfahrung geschickt zu überspielen, "mischt sich in die Trauer um Verstorbene manchmal auch Mitleid für die peinlichen Klänge der Orgel", erzählt Pfarrer Gunther Seidel.

Das soll nach der Sanierung, die nun in Angriff genommen werden könnte, dann nicht mehr der Fall sein. Bis dahin jedoch muss die Orgel zunächst komplett gereinigt und grundlegend technisch überholt werden. (Von Thomas Wachs)

Märkische Allgemeine vom 11. Januar 2008

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