Nie mit so vielen Spenden gerechnet

Mertensdorfer Gotteshaus restauriert / Weitere folgen

MERTENSDORF - Man beiße ab vom Mettwurstbrot, lasse einen Bierschluck die Kehle herabfließen und lächele anschließend glückseelig fertig ist die Kirche. Zumindest für Pfarrer Volker Gebhardt. Erst mit seinem jüngsten Dankes-Essen für die Handwerker, die von nun an nicht mehr mit ihren Baufahrzeugen im Dorf auftauchen werden, ist für ihn wirklich Schluss mit den Renovierungsarbeiten.

Wiedereingeweiht wurde die Kirche zwar schon im Oktober des vergangenen Jahres. Da waren das Mauerwerk längst erneuert, das Dach neu gedeckt und ein Kreuz samt Taube obendrauf gesetzt, die behindertengerechte Rampe vor dem Eingang aber war noch nicht fertig und die Wände im Inneren noch nicht gestrichen. Wegen letzterem lässt jetzt sogar noch ein Schmuckband auf sich warten, die letzten Pinselstriche, die demnächst von der Restauratorin Marlies Genßler gesetzt werden sollen. Das Band zieht sich also noch etwas in die Länge. Dass es überhaupt realisierbar ist, sei dem Landkreis zu verdanken, der dafür kurzfristig Geld gab: "Wir wurden mehr unterstützt, als wir uns je zuvor dachten, nicht nur vom Landkreis", sagt Pfarrer Volker Gebhard. Beim Spendensammeln kamen rund 7500 Euro zusammen. Nicht nur Kreuz und Taube, sondern auch Arbeiten am Fußboden und die Rampe vor dem Eingang wurden damit erst Wirklichkeit.

"Es wird mir fehlen, jeden Tag vom Pfarrhaus herüber zu laufen, um zu schauen, was gerade gemacht wird", sagte Pfarrer Gebhard nun vor den Mitarbeitern der am Bau beteiligten Betriebe. Der stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenkreises, Burkhard Schmidt, beruhigte ihn indes: "Es gibt ja noch genug andere Kirchen bei uns, wo wir weitermachen können." Von sieben Gotteshäusern der im Jahr 2002 fusionierten Kirchengemeinden gehe es laut Volkmar Gebhard vor allem dreien baulich "nicht so gut" wie Mertensdorf: Buckow, Mansfeld und Grabow. In Buckow (Amt Meyenburg) gab es bereits eine Eichenbalken-Sägeaktion, um den Glockenstuhl der kleinen Fachwerkkirche zu retten (MAZ berichtete). Mit ehrenamtlicher Hilfe, ohne die dieser Schritt nicht denkbar gewesen wäre wie in Mertensdorf die Kirchensanierung.

Bis zu 40 Einwohner und weitere Helfer packten seit dem vergangenen Sommer mit an. Sie werden, so Pfarrer Gebhard, demnächst zu einer gesonderten Dankesfeier eingeladen. Mit einer Bauwoche hatten sie im Juni die Renovierung begonnen. Etwa 9000Euro, so schätzt der Pfarrer, wurden in Eigenleistung der Helfer erbracht. Dazu kamen unter anderem 93000 Euro aus einem Förderprogramm für Kirchensanierungen des Landes Brandenburg, 37200Euro von der Berlin Brandenburger-Landeskirche und 13 000 Euro vom Kirchenkreis. Damit konnten die Handwerker also loslegen, allen voran der Mertensdorfer Heizungs- und Sanitärunternehmer Herbert Klinger. "Kirchen mit Heizung und Toilette gibt es in der Prignitz nur sehr wenige", sagte Gebhard.

Gespeist wurde dennoch im Pfarrhaus. An der Tafel nahmen des weiteren Platz: der Pritzwalker Dachdeckermeister Jens Hildebrandt, die Firma Dr. Ritter Gerüstbau, die Treskower Dachdecker GmbH, der Pritzwalker Schmiedemeister Willi Wüst und der Planer Andreas Nisse. Sie alle bissen ab vom Mettwurstbrot, ließen den Bierschluck die Kehle herabfließen und waren glückseelig. (Von Matthias Anke)

Märkische Allgemeine vom 25. Januar 2008

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