In der Kanzel ist der Wurm

Göriker Gotteshaus muss dringend restauriert werden / 3000 Euro Eigenanteil bereits gesichert

GÖRIKE - Die wuchtige Göriker Feldsteinkirche aus dem 13.Jahrhundert ist ein Schmuckstück. Aber auch an ihr nagt der Zahn der Zeit. Betroffen sind zum Beispiel die Fenster und die zum Teil kostbare Innenausstattung.

Das Gotteshaus liegt am Pilgerweg zwischen Berlin und Bad Wilsnack. Pilger kommen reichlich, um die schöne Kirche zu bewundern. Ihr Herzstück ist der farbenprächtige, spätgotische Marien-Flügelaltar aus der zweiten Hälfte des 15.Jahrhunderts. Hauptdarstellung ist die gekrönte Mutter Maria mit dem Jesuskind auf dem Schoß. Eine Taube beißt dem Kind in die Hand, aber der Vogel ist das Zeichen des heiligen Geistes und der Reinheit. Über Maria fliegen kleine Engel, zwei knien zu ihren Füßen. Zum Altar gehören ebenfalls weitere Heilige.

Der Baumeister und die Werkstatt sind nicht bekannt. Restauriert wurde der Altar von Maler Anton Rudolph Hugo Reich im Jahr 1871 in Berlin und von 1985 bis 1987 im Berliner Atelier für Denkmalpflege. Aktuelle Restaurierungs- und Sanierungsvorhaben konzentrieren sich vorerst auf die sechs großen Spitzbogenfenster rechts und links des Kirchenschiffes und auf die drei etwas kleineren am Ostgiebel. Wenn die vielen defekten und fehlenden kleinen Scheiben nicht so sorgsam durch Folienstücke ersetzt worden wären, würde es heute Durchzug in der Kirche geben. Auf den ersten Blick sind die Schäden an den Fenstern nicht sichtbar, die an der Kanzel von 1719 schon. Der Wurm ist drin.

Jetzt sollen alle Fenster erneuert werden. 16000Euro sind dafür veranschlagt. Man hofft auf Fördermittel von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, vom Konsistorium der Evangelischen Kirche und vom Kirchenkreis. "Sonst sterben unsere Hoffnungen", sagt Kerstin Leppin, die von Pfarrer Christian Thomas als Baubeauftragte des Gemeindekirchenrats bezeichnet wird. Kerstin Leppin hat in Sachen Finanzierung und Restaurierung Kontakte geknüpft. Kürzlich erklärte sie: "3000Euro als Eigenanteil sind schon gesichert. Und wenn es die Finanzen hergeben, soll auch die Kanzel restauriert werden." Wie der Eigenanteil zusammenkam, dazu will Kerstin Leppin nicht viel sagen. Sie lobte aber die hochmotivierten Göriker. Da sind die vielen Haushalte, die gespendet haben. Darunter auch konfessionslose Göriker, die ebenso gerne zu Konzerten der örtlichen Kulturgruppe kamen. Etwas Geld stammt auch aus dem Haushalt des Gemeindekirchenrates. Im vergangenen Jahr standen anfangs nur 200Euro im Finanzierungsplan für die Restauration. Kerstin Leppin hat vorgeschlagen, eine Tafel mit den Namen der Sponsoren und privaten Spendern anzubringen, wenn alles wie geplant klappt.

Erika Gläske kennt die Geschichte der Kirche ganz genau. Die Sanierung ist für sie eine Herzensangelegenheit. "Joachim Scheel, Rüdiger Leppin und andere gute Leute werden sich weiter dafür stark machen. Es kommen ja auch so viele Touristen mit Interesse an der Kirche und an der dicken Chronik." Die 70-Jährige freut sich immer noch darüber, dass die Kirchenorgel im Jahr 2006 einen Motor bekam. Allerdings weiß sie auch, dass es rings um das Gotteshaus noch viel zu tun gibt. Das Dach sei zwar noch dicht, aber am Kirchengemäuer und am Kriegerdenkmal wären schon Arbeiten notwendig und die Kirchhofmauer habe auch schon Schäden, so Erika Gläske.

Märkische Allgemeine vom 09. Februar 2008

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