Für Gott und die Welt

Förderkreis zum Wiederaufbau der St.-Marien-Andreas-Kirche ist seit einem Jahr im Internet

RATHENOW - Wer immer es auch möchte auf der großen weiten Welt, kann sich über die St.-Marien-Andreas-Kirche von Rathenow und ihren Wiederaufbau informieren, der im Oktober 1999 mit der Sanierung des Turmstumpfes begann. Denn seit einem Jahr hat der Förderkreis zum Wiederaufbau der Kirche seinen eigenen Internet-Auftritt. Unter www.rathenow.org ist schier alles zu finden, was Christen und Heiden über das Rathenower Wahrzeichen wissen wollen könnten.

Ein Internetauftritt ist aber nur richtig nützlich, wenn er stets auf dem neusten Stand ist. Was den Förderkreis angeht, kann keiner meckern, denn seine Netzpräsentation wird täglich aktualisiert. Der Mann, der das macht, ist Heinz-Walter Knackmuß, der Vorsitzende des Förderkreises. "Das ist Arbeit ohne Ende", stöhnt er und lächelt, "aber die Leute freuen sich darüber, und darum freue ich mich auch und mache es gern." Vor gut einem Jahr, so berichtet er, als der Vorstand des Förderkreises sich einigte, dass ein Internetauftritt wünschenswert ist, war schon weitgehend klar, dass er es sein würde, der diesen mit Informationen füttern müsste. Schließlich macht er auch die Pressearbeit.

War es Zufall oder hatte eine höhere Macht die Hand im Spiel? Es fügte sich, dass für Heinz-Walter Knackmuß (jetzt 63 Jahre), weithin als Amtsarzt des Landkreises Havelland bekannt, im Dezember 2006 mit der Freizeitphase seiner Altersteilzeit begann. Da hatte er plötzlich reichlich Raum für sein tägliches Tete-a-tete mit dem PC. Außer sonntags natürlich, weil der Mensch da ruhen soll. Das Layout, also die Rahmenstruktur der Internetpräsentation, hat Marcus Neidler geschaffen. Er ließ sich aber vorher umreißen, wie der Doktor es haben wollte. Förderkreis, Geschichte, ein Rundgang durch die Kirche und Ausstellungen geben die Vierfach-Gliederung der Homepage vor. Mal hier, mal da stopft Heinz-Walter Knackmuß alles mit Infos aus.

"Es ist ein Glück, dass ich schon sehr viel über die Kirche geschrieben und alles aufgehoben habe", teilt er mit, deshalb müsse er viele Texte halt nur in das Internet eingeben. Am Anfang musste er das Technische auch erst lernen, aber jetzt, nach einem Jahr, ist er firm in all diesen Dingen. Die Geschichte der Glocken steht schon drin, die Geschichte des Turmes muss noch hinein. Die Geschichte des Kirchenschiffes ist gerade in Arbeit. Besonders hat sich Heinz-Walter Knackmuß da gefreut, dass ihm der Apotheker Hans Herrmann Schultze mit einer Postkarte von 1907 die erste farbige Innenansicht der Kirche zur Verfügung stellte. Eine Liste der Mitglieder des Förderkreises steht natürlich auch im Internet, einige davon mit Foto und Biographie. Alle Details der Präsentation hier aufzuzählen würde glatt den Rahmen sprengen. Nur auf eines soll noch hingewiesen werden: die Dachsteinaktion. Der Förderkreis verkauft symbolisch Ziegel für die Sanierung des Kirchendaches, die im nächsten Jahr beginnt. Wer zehn Euro spendet, hat einen Dachstein bezahlt. Diese Aktion läuft jetzt ungefähr genauso lange, wie es den Internetauftritt gibt und hat vermutlich gerade durch die tagesaktuelle Wiedergabe der Spender im Netz einen mächtigen Schwung entwickelt. Insgesamt 1687 Dachsteine waren bis gestern verkauft. Zusammen mit vorbestellten (und bezahlten) 37 Ziegeln, die bestimmte Wunsch-Nummern haben, sind 17240 Euro eingeworben worden.

Heinz-Walter Knackmuß hat schon viele anerkennende Worte für sein Internet-Engagement hören dürfen. Wie genau manche Leute seine wirklich umfangreichen Berichte über die Kirche lesen, zeigte ihm der Anruf eines ehemaligen Schulkameraden aus Brasilien. Als der ihn so schön lobte, merkte der Doktor kurz an, die Texte seien ja alle von ihm. Doch der alte Kamerad hatte aufgepasst und korrigierte: "Na, die zehn Gebote wohl nicht." (Von Bernd Geske)

Märkische Allgemeine vom 15. Februar 2008

   Zur Artikelübersicht