Unverhüllter Blick

Informationsabend über den Stand der Bauarbeiten in der Stadtpfarrkirche St. Marien

TREBBIN - "Das hält alles nur noch aus Gewohnheit", so die Meinung der Baufachleute, als sie die dringend sanierungsbedürftige Stadtpfarrkirche St. Marien in Trebbin genauer unter die Lupe nahmen. Pfarrer Clemens Liepe musste danach eine Hiobsbotschaft nach der anderen verkraften. "Der Zustand der Kirche war viel schlimmer als ursprünglich gedacht", erklärte er am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung der Evangelischen Kirchengemeinde zum Stand der Bauarbeiten im verhüllten Gotteshaus.

Clemens Liepe begrüßte dazu im gut besuchten Clauerthaus den zuständigen Architekten Klaus Block aus Berlin sowie Manfred Guder, Baubeauftragter des Evangelischen Kirchenkreisverbandes Süd.

Die Marienkirche direkt am Rathaus prägt das Zentrum der Stadt. Das denkmalgeschützte Gebäude soll sich auch in den nächsten Jahrzehnten stabil, sicher und schön präsentieren. Für die Sanierung sind drei Bauabschnitte geplant. Das bezieht sich auf Dach und Sockel, Turm und Fassade und drittens Innenraum nebst Ausstattung.

Klaus Block zeigte am Mittwochabend anhand von Fotos das ganze Ausmaß der Zerstörung. "Hausschwamm, Feuchtigkeit und Fäulnis haben den Balken, Dachsparren und dem Mauerwerk erheblich zugesetzt", erzählte er. Gut zu erkennen sind auf den Fotos noch die Sanierungsbemühungen Mitte der 70er- Jahre, als Hilfskonstruktionen eingebaut wurden.

Inzwischen wurden aus der Kirche 54 Tonnen verseuchter Schutt abgefahren. Für die mit Schutzanzügen ausgerüsteten Bauarbeiter und das Material wurde eine Schleuse eingerichtet. "Von Anfang an war uns bewusst, dass es sich hier um ein wertvolles Baudenkmal handelt", erklärte der Architekt. So arbeiten die Zimmerleute nach alter Handwerkskunst. Das sei Präzisionsarbeit, so der Architekt. Für die Dachrekonstruktion wurden bisher 48 Kubikmeter Holz verarbeitet. Die unvermutet aufgetretenen Schäden haben die Kosten für die Sanierung erhöht. Klaus Block benannte die Summen. So kostet der erste Bauabschnitt insgesamt 660 000 Euro, für den zweiten sind 289 000 Euro veranschlagt und für den dritten Abschnitt sind 161 000 Euro geplant. Somit erhöht sich die benötigte Gesamtsumme auf 1 110 000 Euro. Ursprünglich rechnete die Kirchengemeinde mit Kosten von rund einer Million Euro.

"Das bringt uns in eine schwierige finanzielle Situation", sagte Manfred Guder. Zwar haben Kirchenkreis, Kirchengemeinde, Stadt Trebbin und acht verschiedene Fördertöpfe für einen finanziellen Grundstock gesorgt, aber "wir müssen schon rechnen und nach weiteren Möglichkeiten suchen", so Manfred Guder. "Wir planen in diesem Jahr zum Beispiel die Gründung eines Fördervereins", teilte Pfarrer Liepe mit. Für Trebbins Bürgermeister Thomas Berger (CDU) trägt die Kirchensanierung zur Komplettierung des neuen Stadtbildes bei. Er erinnerte am Mittwochabend auch an die alte Kirchturmuhr, die viele Trebbiner gern wieder hätten. "Das würde noch einmal rund 10 000 Euro erfordern", so Pfarrer Liepe. (Von Uta Franke)

Märkische Allgemeine vom 15. Februar 2008

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