Kirchen als Zeugnisse der Geschichte

Von Doris Steinkraus

Norbert Trebeß mit Besucherin Kirsten Gläß 
Norbert Trebeß mit Besucherin Kirsten Gläß. Sie interessierte sich auch als Mitarbeiterin des Abfallentsorgungsbe-triebes für die Bilder. Sie möchte gern, dass eines der Bilder des einstigen Chemikers den nächsten Abfallkalender ziert.
Foto: M. Märker

Seelow (MOZ) Rund 1400 Kirchen gibt es in Brandenburg. In ihrer Vielfalt stellen sie ein einzigartiges Kulturerbe dar. Der Rüdersdorfer Hobbyfotograf Norbert Trebeß hat 500 bisher im Bild festgehalten. Eine Ausstellung in der Kleinen Galerie des Seelower Kreiskulturhauses zeigt Ausschnitte aus seiner Fotodokumentation.

"Diesen Altar kenne ich noch gut. In dieser Kirche in Niemitz habe ich während meiner Pfarrzeit in Lübben oft gepredigt." Superintendent Roland Kühne entdeckt bei der Fotoschau Bilder von Kirchen und Altären aus Dahme-Spreewald. Dass mit dem 68-jährigen Norbert Trebeß ein Atheist die ungewöhnliche Fotodokumentation erstellt hat, freut ihn. Macht es doch einmal mehr deutlich, dass sich nach Jahrzehnten des Desinteresses eines großen Teils der der Gesellschaft in Ostdeutschland die Menschen um den einmaligen architektonischen und kulturhistorischen Wert ihrer Gotteshäuser immer mehr bewusst werden. "Kirchen gehören dazu. Sie sind vielfach ortsbildprägend", sieht es Norbert Trebeß. "Man braucht sich nur selbst beobachten. Das Gefühl, gleich zu Hause zu sein, haben doch viele, wenn sie von weitem den Turm ihrer Kirche sehen."

Trebeß ist Mitglied im Förderkreis Alte Kirchen. Vor allem für den ist er seit fünf Jahren auf Tour, fährt kreuz und quer durchs Land, um Gotteshäuser zu entdecken, die baulichen Besonderheiten oder auch Details wie Altäre, Taufengel, Verzierungen und sogar Beschläge im Bild festzuhalten. In 500 war er bereits. "Und ich habe noch zu tun", sagt er schmunzelnd.

Der Rüdersdorfer gibt nach Ausstellungen in seiner Heimatgemeinde, in Grünheide, Fredersdorf-Vogelsdorf und Altlandsberg nun auch in der Kreisstadt Einblick in seine aufwändige dokumentarische Arbeit. Sein Wunsch: "Ich möchte die Vielfalt und die Einzigartigkeit der märkischen Dorfkirchen vorstellen und Menschen anregen, sich für ihren Erhalt einzusetzen."

In der Kleinen Galerie kann nur ein Bruchteil seiner Arbeit gezeigt werden. Kirchen aus Granitsteinen, Ziegeln, Fachwerk sind zu sehen. Die einen groß und imposant, mit vielen schmückenden Türmen, andere schlicht und einfach. Keine gleicht der anderen. jeder erzählt von der speziellen Geschichte der jeweiligen Region. Von wohlhabenden Kirchenpatronen, die ihren Reichtum auch in Gotteshäusern dokumentierten, von schlichteren Bauten, von wieder aufgebauten und auch von durch den Krieg beschädigte. Der Kirchenkreis Oderbruch ist wie kaum ein anderer von dieser Zerstörung betroffen. So gehören auch Kirchenruinen wie die in Dolgelin zur Dokumentation. Die Ausstellung wird von einer DVD-Show ergänzt, die rund 150 Gotteshäuser zeigt.

"Kirchen waren oft die ersten steinernen Bauten", so Kulturhausleiterin Kerstin Niebsch bei der Eröffnung. "Sie waren Schutzburg für die Menschen und sie faszinieren bis heute durch ihre bauliche Vielfalt." In ihnen könne jeder, ob Christ oder Atheist das Gefühl großer Freiheit verspüren. Konzerte in Kirchen seien immer ein besonderes Erlebnis, warb Kerstin Niebsch für die traditionellen Kirchenkonzertreihen.

Ausstellung "Alte Kirchen", Kreiskulturhaus, bis 30. April, geöffnet Die und Do 10 bis 18 Uhr, Mi 10 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung, 03346 278

Förderkreis Alte Kirchen

Er wurde 1990 als gemeinnütziger, politisch und kirchlich unabhängiger Verein gegründet. Ziel ist es, die Instandsetzung, Erhaltung und Nutzung von Dorfkirchen zu fördern. Mit Vorträgen, Ausstellungen, Exkursionen und Publikationen macht er auf Probleme der Kirchenerhaltung aufmerksam. Der Verein gibt die Jahreszeitschrift "Offene Kirchen" heraus und unterstützt Sanierungsvorhaben, steuerte z.B. für Arbeiten an der Kirche in Küstrinchen in der Uckermark 25 000 Euro bei. 2002 wurde er mit dem Brandenburgischen Denkmalpflegepreis und 2003 mit einem Diplom der EU für sein Wirken geehrt. Die Mitgliedschaft kostet 40 Euro im Jahr.

Infos unter Tel 030 4493051, im Internet unter www.altekirchen.de, Spendenkonto 5199767, BLZ 10090000, Berliner Volksbank

Märkische Oderzeitung vom 23. Februar 2008

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