Niederjesars neue Chorfenster sind da

Von Ines Rath

Handwerkskunst 
Handwerkskunst: Jörn Straßmann von der Firma Derix aus Taunusstein bei Wiesbaden baut eines der neuen Kirchenfenster in der Kirche Nieder-jesar ein.
Foto: Johann Müller

Niederjesar (MOZ) In der Kirche des Fichtenhöher Ortsteils sind in den vergangenen Tagen die fünf neuen Chorfenster eingebaut worden, deren Gestaltung im vorigen Jahr ausgeschrieben worden war. Die vom international bekannten Glaskünstler Tobias Kammerer gestalteten Fenster setzen besondere farbige Akzente. Der Wunsch der Kirchengemeinde, die Fenster zum Oster-Gottesdienst einzuweihen, kann jedoch nicht erfüllt werden, weil das Gesamt-Kunstwerk noch nicht fertig ist. Die Kreuz-Darstellung an der Altarwand fehlt. Finanziert werden die Arbeiten vom Förderverein der Niederjesarer Kirche.

Im zentralen Chorfenster, dem in der Altarwand, dominiert die Farbe Violett, die Farbe des Leidens und damit der Passionszeit. "Wir hatten als Kirchengemeinde für den Gestaltungs-Wettbewerb das Thema ,Passion und Auferstehung' vorgegeben", erklärt der Mallnower Pfarrer Martin Müller den Hintergrund. Für dieses Thema hatten sich die Niederjesarer Christen auch mit Blick auf die Geschichte ihrer zum Kriegsende zerstörten und zwischen 1997 und 2002 wieder aufgebauten Kirchen entschieden.

Den Zuschlag für die Gestaltung der neuen Niederjesarer Kirchenfenster hatte Tobias Kammerer aus dem süddeutschen Rottweil bekommen. Seine Entwürfe mit abstrakten Motiven auf mehrschichtigem farbigen Glas überzeugten die Jury.

Zurecht, wie sich jetzt zeigt. Die fünf neuen Chorfenster setzen Akzente. Wenn die Sonne scheint, wird der Chorraum von einem warmen Leuchten erfüllt. Dafür sorgen neben dem Violett auch Gelb-, Orange- und Rottöne in der Malerei. "Tobias Kammerer hinterlässt bei uns erstmals in Brandenburg seine Spuren", sagt Martin Müller nicht ohne Stolz. Immerhin habe der Glasgestalter schon für den Vatikan und für Kirchen in ganz Deutschland und darüber hinaus gearbeitet, weiß der Pfarrer.

Vor allem wohl deshalb sieht er dem Künstler nach, dass der den vereinbarten Termin nicht eingehalten hat. "Eigentlich sollte der Chorraum am 16. März fertig sein", sagt Pfarrer Müller. Doch haben zwar seit Montag zwei Handwerker vom Derix Glas Studio aus Taunusstein bei Wiesbaden die fünf Fenster eingebaut. Doch das Kreuz an der Altarwand fehlt noch. Es soll von Kammerer gemalt werden. Und zwar in Bezug zu den Fenstern. Auf denen gehören schwarze Linien zum künftigen Altarkreuz.

Neben der besonders kräftigen Farbgestaltung fällt das Fenster in der Altarwand übrigens noch durch eine andere Besonderheit auf: Anders als die weiteren vier Chorfenster hat es nicht die ursprüngliche, vom Schinkel-Schüler August Friedrich Stüler geplante neoromanische Rundbogenform, sondern ist rechteckig gestaltet.

"Bei der Planung des Wiederaufbaus der Kirche hat der Architekt in Abstimmung mit der Denkmalbehörde entschieden, dieses Fenster nicht originalgetreu wiederherzustellen", erklärt Martin Müller. Damit soll an die Zerstörung der Kirche erinnert werden.

In der Tat war ausgerechnet das Fenster in der Altarwand bei der barbarischen Aktion der deutschen Wehrmacht, als der Niederjesarer Kirchturm im Frühjahr 1945 gesprengt und das Kirchenschiff bis auf die Außenmauern zerstört wurden, am stärksten beschädigt worden. Zu sehen ist das übrigens am besten von außen, wo sich die neuen Backsteine hell von den alten abheben. Pfarrer Müller verschweigt nicht, dass die Kirchengemeinde und die engagierten Mitglieder des Vereins zum Wiederaufbau und zur Förderung der Kirche Niederjesar mit der Entscheidung des Architekten dennoch "nicht ganz glücklich" waren. Denn der Stilbruch bleibt.

Die etwa 15 000 Euro, die die neuen Chorfenster kosten, bringt der Förderverein der Kirche aus Spenden und Beiträgen auf. Wie es mit der Gestaltung der großen Fenster im Kirchenschiff weitergeht, hänge einzig und allein von der Finanzierung ab, sagt Martin Müller. "Wir gehen abschnittsweise vor, wie wir wieder Geld haben", so der Pfarrer. Die Entwürfe auch für diese Fenster liegen vor. Sie sind zum Teil in der Kirche ausgestellt.

Die für den Oster-Gottesdienst ursprünglich geplante Einweihung des neu gestalteten Chorraumes wird Pfarrer Müller bis zur Fertigstellung des "Gesamt-Kunstwerkes" verschieben. Tobias Kammerer habe sich zum Malen des Kreuzes für unmittelbar nach Ostern angekündigt, berichtet Müller.

Die Christen aus Niederjesar, dem gesamten Pfarrsprengel Mallnow und Interessenten darüber hinaus dürfen sich dennoch freuen: Die neuen Chorfenster sind eine Entdeckung wert! Und sie sind ein weiterer Meilenstein bei der Rekonstruktion der Kirche. Für die dabei vollbrachte Leistung hatte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg die Niederjesarer Kirche im Februar zur "Kirche des Monats" erklärt.

Märkische Oderzeitung vom 13. März 2008

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