KIRCHE: Dem Bau die Krone aufgesetzt

Der neue Dachstuhl für die alte Marienkirche ist fertig / 120 000 Euro fehlen noch für die Sanierung

 

TREBBIN - Nur wenige der 1000 Gemeindeglieder kamen gestern zum Richtfest der Stadtpfarrkirche St. Marien in Trebbin. Christa Schräpler ließ sich vom kühlen Wind nicht abhalten. "Ich wohne gleich hier. Da will ich mir das doch ansehen", sagte die ältere Dame. Auch Philipp Keck kam nach Schulschluss zum Gotteshaus, in dessen Gemeinde er Christenlehre hat.

Punkt 12 läuteten die Glocken. Doch die Zimmerleute mussten sich erst noch in Schale werfen. Denn sie setzen ja dem Bau die Krone auf. Benjamin Böhme hatte sogar einen Richtspruch nur für dieses Haus gedichtet und erhob das erste Glas auf den Pfarrer und die Kirche, das zweite Glas galt denen, die das Dach finanziert hatten und das dritte der gesamten Gemeinde.

Auf die Spender ging natürlich auch Pfarrer Clemens Liepe ein. Aber auch die Schwierigkeiten, ein fast 300 Jahre altes Bauwerk mit Fantasie und Trickserei zu erhalten, schilderte er. Jetzt sei es höchste Zeit für die Grundsanierung gewesen. Als die begonnen wurde, war erst das ganze Ausmaß der Schäden zu sehen. 120 000 Euro mehr müssen aufgebracht werden.

Das schrieb auch Manfred Guder, Baubeauftragter des Kirchenkreises Zossen, der wie Kirchenbaurat Helmut Kruse gestern nicht dabei sein konnte.

Beide hatten sich sehr für die Sanierung eingesetzt, die nun mit Hilfe der Städtebauförderung, der Stiftung Kirchenbau, der Sparkassenstiftung, der Landeskirche, der Kirche der Union, dem Kirchenkreis Zossen und den vielen Einzelspendern angepackt werden konnte. Immerhin werden 1,11 Millionen Euro veranschlagt. Angesichts der Summe ist auch das Gewusel auf der Baustelle klar. Deshalb zitierte der Pfarrer, der gestern keinen Talar, sondern Helm mit Kirchenlogo drauf und Jacke in Signalfarbe anhatte, Manfred Guder: "So eine Großbaustelle ist nichts für Harmoniesüchtige."

Harmonie vermittelte der letzte Redner. Bürgermeister Thomas Berger sagte, dass es bei den 150 000 Euro aus der Städtbauförderung für die Kirche nicht bleiben werde. Der Bauhof werde im April beim Abklopfen des Putzes helfen. Er ist auch zuversichtlich, dass die Kirchturmuhr, die nicht Bestandteil der Sanierung ist, am Ende wieder richtig ticken wird. "Geld muss gesammelt werden." Seine Amtskollegin in Thyrow feiere demnächst ihren 60. Geburtstag. Sie starte die erste Initiative, um für die Uhr zu sammeln. Ob er das verraten durfte, sagte er nicht.

Bevor es zum Eisbeinessen ging, musste der Pfarrer schnell noch das Gerüst erklimmen und den letzten Nagel ins Gebälk schlagen. Die Arbeit bereitete ihm so viel Freude, dass er gar nicht aufhören wollte.(Von Gertraud Behrendt)

AUF EIN WORT: Vertraut

Gertraud Behrendt zur Sanierung der Trebbiner Stadtpfarrkirche

Insgesamt soll die Sanierung der Kirche St. Marien in Trebbin nun 1,1 Millionen Euro kosten. 120 000 Euro fehlen davon noch, das ist eine stolze Summe. Aber es sind nicht mal elf Prozent des Gesamtbetrags, deren Herkunft noch ungewiss ist; das stimmt zuversichtlich.

In Trebbin hat sich vieles zum Positiven verändert. Gerade im Zentrum. Angesichts sanierter Flächen fällt ein heruntergekommenes Gotteshaus natürlich besonders auf.

Eine Kirche ist aber nicht nur ein Gebäude, das Christen mehr oder weniger regelmäßig nutzen und das gemeinhin nur zu Weihnachten überfüllt ist. Es ist in den meisten Orten das größte Denkmal. Damit prägt es das Ortsbild und vermittelt so auch Identität und Heimatgefühl. Wer nach einer langen Fahrt seine Kirchturmspitze sieht, weiß, dass er gleich zu Hause ist.

Sicher auch deshalb haben bisher einige Helfer keine Rechnung geschrieben. Andere haben aus dem gleichen Grund Bares gespendet. Denn Reparaturen sind mit Geld zu bezahlen. Das Gefühl von Vertrautheit, das eben auch die Kirche im Ort vermittelt, ist dagegen unbezahlbar. In der heutigen Zeit, in der sich so vieles ändert, in der sich jeder ständig auf Fremdes und Neues einstellen muss, ist das Vertraute besonders wichtig.

Märkische Allgemeine vom 15. März 2008

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