DORFENTWICKLUNG: Im Notfall plattmachen

Kleinwudicke diskutiert über Zukunft von Kirche und Kapelle

KLEINWUDICKE - "Mit diesem Ergebnis bin ich zufrieden", sagte Ursula Wulsch. Wie die 86-jährige Rentnerin gingen wohl die meisten Kleinwudicker am Freitagabend von einer Einwohnerversammlung in der Gasstätte "Jägerheim" mit der Gewissheit nach Hause, dass auch in Zukunft auf ihrem Friedhof würdevolle Beisetzungen möglich sein werden.

Der Friedhof ist in einem sehr ordentlichen Zustand. Dafür sorgen die Kleinwudicker schon selbst. Aber die Friedhofskapelle und die kleine Kirche müssen dringend saniert werden. Eigentümerin beider Bauten sowie auch des Friedhofes ist die Kommune. Doch die Ge-meinde Milower Land muss sich um viele Einrichtungen und Friedhöfe in ihren zehn Ortsteilen kümmern. In Großwudicke mit seinen drei Gemeindeteilen gibt es gleich drei Friedhöfe. Der Sanierungsbedarf ist überall hoch, doch die finanziellen Mittel in der Gemeindekasse sind sehr begrenzt.

Können deshalb auch in den kleinen Gemeindeteilen in Zukunft die Friedhöfe, Kirchen und Friedhofskapellen erhalten werden? Diese Frage bewegt viele Einwohner schon seit geraumer Zeit. Aus diesem Grund hatte Ortsbürgermeister Bernd Schnelle am Freitagabend zu der Einwohnerversammlung eingeladen. Auch Gemeindebürgermeister Peter Wittstock und Mitglieder des Gemeindekirchenrates waren gekommen.

Die Kleinwudicker hielten sich nicht lange bei der Vorrede auf, sondern kamen gleich zum Kern der Problematik: Als erstes müsse die Friedhofskapelle saniert werden, so der einheitliche Tenor. Vor allem für die Beschaffung der erforderlichen Baumaterialien werde der Ortsbeirat der Gemeinde vorschlagen, 2009 die erforderlichen finanziellen Mittel im Haushalt einzustellen, sagte Bernd Schnelle.

Bei den Sanierungsarbeiten sollten dann auch die Kleinwudicker selbst mit Hand anlegen, so sein Vorschlag, der positiv von den anwesenden Einwohnern aufgenommen wurde. Bei zehn Ortsteilen und lediglich 3,5 Gemeindearbeiterstellen sei man insgesamt auf das Engagement der Bürger angewiesen, sagte auch Peter Wittstock.

Zur Zukunft der Kirche in Keinwudicke reichten die Meinungen am Freitag von "sanieren" bis "plattmachen". Fürs "Plattmachen" plädierten einige Einwohner, weil aus ihrer Sicht die Kirche nicht mehr gebraucht wird und eine Friedhofkapelle vollkommen ausreicht. Das Haus ist nicht kirchlich gewidmet. Rainer Schirrmacher machte seitens des Gemeindekirchenrates deutlich, dass man angesichts des enormen Sanierungsbedarfs anderer Gotteshäuser finanziell nicht helfen könne. Aber man sei für den Erhalt der Kirche, so Schirrmacher. Dafür plädierte auch Brigitte Hohenstädter. "Wir haben eine Kirche, die auch für Touristen sehenswert ist", meinte die Kleinwudickerin. Die Fachwerkkirche ist mehr als 200 Jahre alt.

In der Einwohnerversammlung erzielte man am Ende der Diskussion doch noch Einigkeit: In nächster Zeit soll erst einmal ermittelt werden, wie groß der Sanierungsbedarf und die dafür notwendigen Kosten sind. Sollte sich zeigen, dass ein Erhalt der Kirche im Bereich des Machbaren liegt, wollen die Kleinwudicker Schnelles Vorschlag aufgreifen und einen Förderverein gründen, der sich dann um die Beschaffung der nötigen Mittel kümmern soll. Sollten jedoch die zu ermittelnden Sanierungskosten für Kleinwudicker Verhältnisse utopische Dimensionen annehmen, machte die Einwohnerdiskussion deutlich, dass man sich schweren Herzens auch fürs "Plattmachen" entscheiden würde.(Von Norbert Stein)

Märkische Allgemeine vom 17. März 2008

   Zur Artikelübersicht