Die Glaswerkstatt in der Altlandsberger Schlosskirche

Altlandsberg Wer sich durch die schwere Holztür in die barocke Schlosskirche von Altlandsberg (Märkisch-Oderland) gekämpft hat, reagiert meist verblüfft: Statt Kirchenbänken, Altar und Kanzel sieht er sich hohen Regalen mit Glasscheiben in allen Farben und riesigen Lichttischen gegenüber. Bereits seit knapp 30 Jahren haben Bleiglaser Kurt Stugis und Glasrestauratorin Gisela Stugis hier ihre Werkstatt.

Vor dem Verfall gerettet

Was Außenstehende zunächst verwundert, ist in Wahrheit ein Glücksumstand. Die beiden Berliner haben die 1768 aus dem Material des elf Jahre zuvor abgebrannten, barocken Hohenzollern-Schlosses Altlandsberg erbaute Schlosskirche vor dem Verfall gerettet. "1979 stand ich hier erstmals mit dem Besen", erinnert sich der 66-jährige Handwerker, "das Dach fehlte, es regnete rein, die Stuckdecke drohte abzustürzen." Sämtliche Fenster seien eingeworfen gewesen, da hätten sie auch mir ihren Fertigkeiten nichts mehr retten können.

Aufgeräumt und gesichert hat das Ehepaar Stugis ein ganzes Jahr lang in dem ramponierten Gotteshaus. Dafür erlaubte ihnen die Abteilung Kultur der Bezirksverwaltung Frankfurt, hier ihre Werkstatt einzurichten. "Wir fanden das passt zu einander. In einer Kirche arbeiten wir unter anderem auch an gläsernen Kirchenfenstern", sagt Gisela Stugis. Zwölf Handwerker schufen monumentale Glas-Mosaiken sowie dekorative Betonglas-Konstruktion hauptsächlich für Gaststätten, Ferienheime und Betriebe, einige von ihnen restaurierten jedoch auch zerbrechliche Bleiglas-Kunstwerke.

Das historisch wertvolle Ambiente ihrer Werkstatt war Familie Stugis schließlich so ans Herz gewachsen, dass sie es 1991 der Treuhand abkauften. "Dafür mussten wir eine Hypothek auf unser Einfamilienhaus aufnehmen. Den Bankkredit haben wir noch bis zum vergangenen Jahr abbezahlt", erzählt der Bleiglaser. Nun aber wollen sie raus aus der Altlandsberger Schlosskirche, einem quadratischen Putzbau mit den drei charakteristischen Sandsteinportalen, die einst das benachbarte Lustschloss von Preußenkönig Friedrich I. geziert hatten.

Rückgabe stand außer Frage

Von dem dreiflügligen Bauwerk stehen nur noch ein paar Grundmauern, die Kirche jedoch soll erneut gerettet und dafür dringend saniert werden. Grobschätzungen gehen von einem Kostenaufwand in Höhe von 1,5 Millionen Euro aus. "Das können wir als kleine Firma mit nur noch zwei Angestellten einfach nicht leisten", sagt Stugis, dessen Angaben nach es für ihn und seine Frau stets außer Frage gestanden habe, die Schlosskirche an die Stadt Altlandsberg zurückzugeben, sobald ihre weitere Nutzung geklärt ist. Bereits seit Jahren sei ihnen die Werkstatt viel zu groß, die Kommune habe jedoch zunächst wenig Interesse bekundet.

Erst im vergangenen Jahr fassten die Stadtparlamentarier den Beschluss zum Rückkauf des historisch wertvollen Gemäuers, vor wenigen Tagen fiel auch die Entscheidung für eine Sanierung. Fördermittel aus dem Bund-Länder-Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" seien beantragt, sagt die Altlandsberger Sanierungsbeauftragte Grit Burkhardt. Rüchenwind bekommt die Kommune von der Brandenburger Arbeitsgemeinschaft "Städte mit historischen Stadtkernen", deren Gründungsmitglied Altlandsberg ist. Die AG initiierte zu Jahresbeginn gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die Aktion "Bürger retten ihre Denkmale" und sammelt seit dem Spenden für ausgewählte Objekte. Eines davon ist die Schlosskirche von Altlandsberg.

Nutzungskonzept fehlt noch

Was allerdings noch fehlt, ist ein Nutzungskonzept. "Wir suchen eine professionellen Betreiber", sagt Bürgermeister Arno Jeschke, die den Rückkauf für das "II. Quartal dieses Jahres" anvisiert. Sehr zur Freude von Gisela und Kurt Stugis, die Zwischendecke, Glasregale und andres Arbeitsgerät so behutsam in die Kirche eingebaut haben, das sie jederzeit problemlos wieder abzumontieren sind. Beide wollen der Stadt vor den Toren Berlins jedoch nicht den Rücken kehren, sondern möglicherweise im alten Altlandsberger Feuerwehrgebäude ihre Werkstatt einrichten.

von jeanette bederke

Lausitzer Rundschau vom 01. April 2008

   Zur Artikelübersicht