KIRCHENSANIERUNG: Einfälle gegen den Einfall

Grabows neugotischer Feldsteinbau soll gerettet werden / Feuerwehr will mithelfen

GRABOW - Zwei hübsche, kleine Pforten hat Jörg Dallmann in diesen Tagen zwischen die frisch geschnittenen Hecken gesetzt. Sie führen nicht zum Himmel und auch nicht in die Hölle. Sie führen zu einer Dorfkirche und damit wie heutzutage noch zu oft zu einem sehr irdischen Problemfall.

"Es könnte mehr getan werden. Nein, es muss endlich richtig was passieren", sagt Jörg Dallmann, der gelernte Maurer, der neben diesem "Problem" wohnt und sich hin und wieder darum kümmert: Der Dorfkirche von Grabow (Amt Meyenburg, Prignitz) fehlen Teile der Fenster, sie sind nur notdürftig gesichert. Und die funktionierende Turmuhr des recht standfest wirkenden neugotischen Feldsteingebäudes oder der saftige, gepflegte Rasen drumherum werden beim Anblick des Innenraums sofort vergessen.

"Ich war schockiert", sagt selbst die Ortsbürgermeisterin Ute Rossner, die am Mittwochabend nach Jahren wieder in die Kirche kam. Rund 20 Grabower trafen sich dort, um nachzudenken, ob sie Willens sind, beim Erhalt des Gebäudes mitzumachen. Am Ende kam es zu einem "klaren Votum für die Kirche", sagt Ute Rossner. Sogar Unterstützung durch die Feuerwehr bei den zu leistenden Eigenanteilen der bevorstehenden Sanierung stellte Ortswehrführer Michael Malcherczyk in Aussicht.

"Das hat uns gereicht", sagt der für den Sprengel zuständige Pfarrer Volker Gebhard. Der Gemeindekirchenrat habe sehen wollen, ob die Grabower hinter einem solchen Vorhaben steht. Sobald der Rat nun auf seiner Sitzung abgestimmt hat, könne ein Ingenieurbüro beauftragt werden, das die Kosten für die Sanierung ermittelt soweit klappte es auch im zum Pfarrsprengel gehörenden Mansfeld (Amt Putlitz-Berge). Mehr passierte dort allerdings nicht. "Das ist nicht vergleichbar, in Grabow finden ja noch Gottesdienste statt", erklärt Gebhard. In Mansfeld nicht, doch irgendwann gehe es auch dort weiter, der Gottfried-Benn-Verein sei sehr rührig. Nicht nur "einfache" Gottesdienste gibt es in Grabow. Weihnachten war viel los, auch kamen Leute, die sich sonst nicht in der Kirche blicken lassen. Ebenso kamen viele vergangenes Jahr zum Konzert des Putlitzer Kirchenchors dorthin. So sei bei der Kirche auch von einem "Wahrzeichen" zu sprechen, sagt Ute Rossner: "Es wäre eine Schande, es nicht zu erhalten."

Damit die Schäden im Mauerwerk das ansehnliche Gebäude nicht irgendwann einfallen lassen, sollen sie behoben werden. Der Innenputz ist zu erneuern besser gesagt aufzufrischen. Was sich lohnt, denn auf dem Putz ließe sich eine besondere Jugendstilmalerei retten. Die Deckenkonstruktion ist ebenfalls zu erneuern. An die Orgel wagt indes niemand zu denken. "Die ist hin", sagt Jörg Dallmann. Einige Pfeifen fehlen seit dem Krieg, wie auch zwei alte Glocken.

Dallmann geht über ein Stück Auslegware auf dem Kirchenboden, die er mal günstig abstaubte, schließt die Holztür zu und dann das von ihm vor kurzem ebenso günstig ergatterte Tor. (Von Matthias Anke)

Märkische Allgemeine vom 04. April 2008

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