KULTUR: Ein neuer Wind in den Reckenthiner Pfeifen

Einweihung der restaurierten Orgel

RECKENTHIN - Die alte Klangfülle der Reckenthiner Orgel ist zurückgekehrt. Davon konnten sich am Wochenende alle überzeugen, die zur Premiere die auch eine Dankesveranstaltung war bei festlichen Orgelklängen und Gesang in die Kirche kamen.

Die Vorfreude aufs Konzert zur Orgeleinweihung war groß. So groß, dass die Glocken sogar eine halbe Stunde zu früh anfingen zu läuten. Im Mittelpunkt standen aber nicht die Glocken, sondern ein anderes Instrument: die renovierte Orgel.

"Die Reckenthiner hatten zur richtigen Zeit Geld, um sich ein solches Instrument zu kaufen", berichtet Kantor Michael Martens. In der Epoche der Romantik wurden in vielen Dorfkirchen ähnliche Instrumente eingebaut. Als dann die Mode aufkam, diese zu ersetzen, "hatten sie zur richtigen Zeit kein Geld. So ist uns dieses Stück erhalten geblieben. Das ist echte deutsche Wertarbeit", erzählt der Kirchenmusiker weiter, der ins Schwärmen gerät, wenn er die 1885 gebaute Orgel betrachtet.

Natürlich fordern rund 120 Jahre ihren Tribut: Die Tasten klemmten so manches Mal, Pfeifen waren verstopft und die Luftzufuhr funktionierte kaum noch. "Die Orgel hat nur noch ein bisschen gewimmert", erinnert sich Martens.

Eine Generalüberholung war also nötig. Allerdings kostete diese rund 1000 Euro Geld, das über Spenden aufgebracht wurde.

Am Wochenende wurde die generalüberholte Orgel dann zum ersten Mal nach langer Zeit wieder richtig zum Klingen gebracht. Besonders die tiefen Töne erzeugten in der kleinen Reckenthiner Kirche eine tolle Atmosphäre. Das offizielle Premierenstück war ein Orgelchoral von Bach- hohe Musikkunst in Reckenthin. Auch Solistin Sophia Körber schaffte es, den Zuhörern Gänsehaut zu verschaffen.

Für die nötige Mischung sorgte der Lindenberger Frauenchor, der mit Volks- und Kirchenliedern das Programm bereicherte, sowie der Hamburger Solist Werner Talemann.

Im Mittelpunkt stand aber vor allem eins: die Orgel, die sich bei einer Improvisation von Kantor Michael Martens "von allen Seiten zeigen konnte", wie es Elisabeth Isenberg beschrieb. Sie war die treibende Kraft und verantwortlich dafür, dass die Kirche nun endlich wieder auf diese Orgel zurückgreifen kann. "Mein Vater ist seit vielen Jahren Kirchenältester und ich bin Mitglied im Gemeindekirchenrat." Solche Werte verpflichten. Doch auch wenn es schön sei, dass die Orgel nun die alte Klangfülle zurück erhalten habe, so ist noch einiges in der Kirche zu tun. Elisabeth Isenberg: "Als nächstes muss die Tür erneuert werden, denn es regnet ständig in die Kirche."

Und auch sonst gibt es viel zu tun. Trotzdem ist es ein wirklicher Erfolg, dass die kleine Dorfkirche nicht, wie woanders, verfällt, sondern etwas dazu gewinnt. Dabei ist Engagement von Menschen wie Elisabeth Isenberg wichtig Menschen, die sich ihrer (Kirchen-)gemeinde gegenüber verpflichtet fühlen. (Von Fritz Habekuß)

Märkische Allgemeine vom 15. April 2008

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