SANIERUNG: Bald freier Blick ins Langhaus

In der Woltersdorfer Dorfkirche soll es innen weitergehen / Insgesamt 155 000 Euro veranschlagt

WOLTERSDORF - "In der Morgen- und in der Abendsonne sieht die Kirche wunderschön aus", schwärmen Helmut Scheer vom Förderverein und Pfarrerin Christiane Beutel. Nun hoffen die Woltersdorfer, dass ihr Gotteshaus bald auch im Inneren erstrahlt.

Nach der restauratorischen Voruntersuchung durch Jutta Brumme aus Brandenburg geht es in diesem Jahr mit den Bauarbeiten weiter. Begonnen werden soll mit der Erneuerung der Decke im Schiff sowie mit der Winterkirche, die jetzt eher einem Verschlag gleicht. Darauf habe man sich bei einer Arbeitsberatung am Dienstag in Belzig mit der Unteren Denkmalschutzbehörde, dem kirchlichen Bauamt Berlin und der zuständigen Architektin Heidrun Fleege geeinigt. Der Bauantrag soll demnächst gestellt werden. Im Langhaus soll die Spanplatten-Kassettendecke, mit der sich die Woltersdorfer zu DDR-Zeiten behalfen, herunter genommen und wieder eine Rohrputzdecke hergestellt werden. In der Winterkirche sind statische Eingriffe geplant. So sollen die alten Holzstützen, welche die Empore und die noch zu restaurierende Orgel tragen, entfernt und durch eine Stahlkonstruktion ersetzt werden. Eine transparente Glas-Stahl-Trennwand soll den Blick in den ganzen Kirchenraum freigeben. Die Kosten für diesen ersten Abschnitt liegen bei rund 30 000 Euro. Mit Hilfe der Evangelischen Landeskirche, des Kirchenkreises Brandenburg, Eigenmitteln und Spenden bekäme man 25 000 Euro zusammen, rechnet Scheer vor. Für die komplette Innensanierung des fast 200 Jahre alten Gotteshauses inklusive Orgel seien 155 000 Euro vonnöten. Daher hat der Förderverein bei der Lokalen Arbeitsgruppe Fläming-Havel jetzt einen Antrag gestellte, um sich für eine EU-Förderung für den ländlichen Raum zu empfehlen. "Denn wir passen voll in diese Schienen", so Scheer. Auch die Pfarrerin setzt darauf große Hoffnung. Indem das kulturelle Erbe gepflegt werde, trage man dazu bei, dass Leute nicht aus dem Dorf abwandern. "Die Woltersdorfer sollen sich in ihrem Gotteshaus, das auch für kulturelle Zwecke nutzbar ist, wohl fühlen."

Wenn kein finanzielles Wunder geschieht, gehen beide davon aus, dass sich die Arbeiten bis 2010 erstrecken. In Anlehnung an die Farbfassung vom Ende des 19. Jahrhunderts sollen die Wände neu gestrichen sowie die florale und ornamentale Ausmalung der Apsis aus jeder Zeit rekonstruiert werden. (Von Claudia Nack)

Kraftakt
Claudia Nack zu den Sanierungsarbeiten an der Woltersdorfer Kirche

Die 1827 als Ersatzbau errichtete Woltersdorfer Kirche ist zwar noch jung, trotzdem hat der Zahn der Zeit an ihr genagt. Bürgerschaftliches Engagement und Notreparaturen bewahrten sie zu DDR-Zeiten vor dem Verfall. Vor acht Jahren wurde sie in das Denkmalverzeichnis des Landkreises aufgenommen. Doch sie unter Schutz zu stellen, ist das eine. Wege und Mittel zu finden, um sie denkmalgerecht in Schuss zu bringen, das andere. Der zur Rettung 2004 gegründete überkonfessionelle Förderverein und die Kirchengemeinde haben es mit Hilfe der Architektin, von Spendern und Förderern geschafft, den Sakralbau außen wieder erstrahlen zu lassen. Dachstuhl und Hülle wurden für 230 000 Euro saniert. Die Bittbriefe hat Vereinschef Scheer nicht gezählt. Die meisten blieben unbeantwortet. Der Verein selbst konnte 41 000 Euro beisteuern. Damit auch das letzte Drittel des Weges geschafft wird, schöpft man erneut Kraft. Doch diese Strecke ist noch schwerer. Denn anders als für die Hülle fließt für innen kein Geld über den Staat-Kirche-Vertrag. Andere Töpfe müssen geöffnet werden. Dass die Woltersdorfer dahinter stehen, zeigt die jüngste Haussammlung mit mehr als 800 Euro. Bei einem Dorf von 400 Einwohnern, von denen 100 in der Kirche sind, ein gutes Ergebnis.

Märkische Allgemeine vom 17. April 2008

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