Viele Orgeln pfeifen aus letztem Loch

Von Jörg Kühl

 

Beeskow (GMD) Zahlreiche Kirchenorgeln in der Beeskower Region sind kaputt. Einige von ihnen scheinen allerdings erst im Zuge der Kirchensanierungen nach der Wende in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein.

Beeskows Kirchenältester Knut Krüger, der die Orgeln als Organist sehr gut kennt, hat jetzt gegenüber der MOZ eine Bestandsaufnahme gegeben. Demnach seien einige Orgeln seit Jahren nicht mehr bespielbar. Besonders ärgerlich: Die Orgeln in Ragow, Grunow und möglicherweise auch die in Görzig seien Opfer der Kirchensanierungen in den neunziger Jahren geworden.

Die Ragower Orgel ist von der Sanierung der Kirche besonders stark in Mitleidenschaft gezogen worden, wie Marianne Tiedeke bestätigt, die die Sanierungen als Pfarrerin begleitet hat. Das wertvolle Instrument war offenbar über einen längeren Zeitraum der Witterung ausgesetzt gewesen, im Zuge der Dachsanierung sei Wasser und Staub in Gehäuse und Pfeifen eingedrungen. "Da ist der Regen durch die Abdeckplanen reingekommen."

Auch bei der Grunower Orgel und möglicherweise bei dem Instrument in Görzig seien Baumaßnahmen für die Beschädigung verantwortlich. "Manche der kaputten Orgeln habe ich bis vor der Sanierung selbst bespielt. Da gingen die noch", sagt Krüger.

Er vermutet, dass die Orgeln vor Beginn der Sanierungsarbeiten, die wegen der kurzfristigen Förderbescheide hastig vorbereitet worden seien, nur unzureichend gesichert worden sind. "Da hätte man jeweils ein luftdichtes Gehäuse darumbauen müssen."

Stattdessen seien die Instrumente nur mit Plastikfolien notdürftig abgedeckt gewesen. "Sie können sich vorstellen, was passiert, wenn eine solche vollgestaubte Folie unbedacht abgezogen wird."

Sanierungsbedürftig sei auch die Reudnitzer Orgel, die noch manuell belüftet wird: "Am Ende des Gottesdienstes klemmt immer ein Ton", sagt Krüger. Die Orgel in Pfaffendorf ist seit mindestens 22 Jahren nicht bespielbar, wie die Kantorin Christine Schmidt mitteilt. Sie benutzt für die Gottesdienste ein Keyboard.

In Friedland, Groß Briesen, Krügersdorf, Merz, Groß Rietz und Sauen seien die Orgeln in Ordnung, in Sauen sogar in einem exzellenten Zustand, berichten Marianne Tiedeke und Knut Krüger übereinstimmend.

Was die kaputten Orgeln betrifft, hofft Marianne Tiedeke, dass sich in den Ortsteilen die Bürger zu Fördervereinen zusammenschließen: "Man kann auch Etappe für Etappe daran gehen, eine Kirche samt Instrument auf Vordermann zu bringen." Das Problem sei, dass für etwaige Förderungen ein Eigenanteil erbracht werden müsse. "Da hilft nur: sammeln, sammeln, sammeln!"

Märkische Oderzeitung vom 18. April 2008

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