150 Dorfkirchen vom Verfall bedroht

Potsdam (MOZ) Von den rund 2000 Gotteshäusern in Brandenburg sind nach Angaben der evangelischen Kirche rund 150 in den nächsten drei bis vier Jahren in ihrer Substanz bedroht. Etwa zwei Dutzend sind bereits baupolizeilich gesperrt. Das Landesdenkmalamt fordert einen Fonds zur Rettung dieser Kirchen. Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) schlägt der Landeskirche vor, die im Kirchenstaatsvertrag vorgesehenen jährlichen eine Millionen Euro für den Dom in Brandenburg an der Havel in den Erhalt der Dorfkirchen zu stecken.

Der Kirchenstaatsvertrag zwischen Brandenburg und der hiesigen evangelischen Landeskirche sieht vor, dass das Land jährlich 1,5 Millionen Euro in den Erhalt von Kirchen investiert und eine weitere Millionen für die Sanierung des Domes zu Brandenburg bereitgestellt werden. Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) will die Geldzufuhr für den Dom unterbrechen, um zunächst baufällig Gotteshäuser in den ländlichen Regionen zu retten. Die Dominsel, die jahrelang im Sumpf zu versinken drohte, sei gesichert und es bestehe keine Einsturzgefahr mehr für den bedeutendsten Sakralbau des Landes, argumentiert die Ministerin.

In den vergangenen Jahren waren Kirchen auch mit EU-Geldern für ländliche Entwicklung durch das Landwirtschaftsministerium unterstützt worden. Seit 2007 sind die Landkreise für die Bewilligung zuständig. Im Landratsamt Märkisch-Oderland heißt es, dass ortsbildprägende Gebäude gefördert werden könnten, wenn überzeugende Nutzungskonzepte vorliegen. Das sei nicht für jede Kirche der Fall. Matthias Hoffmann-Tauschwitz, Leiter der kirchlichen Bauamtes der Landeskirche erklärt, dass die Kreise sehr unterschiedlich mit den Fördergeldern umgehen. Ausdrücklich zu loben sei die Uckermark, die trotz prekärer Kassenlage Dorfkirchen vor dem Verfall rette.

Wankas Pläne stoßen auf großen Widerstand in Brandenburg an der Havel. "Bei einem Stopp der Landesmittel würde man den Dom baulich an die Wand fahren", erklärt Domstiftsrentmeister Wolfram Diederichs. Laut Dombaumeister Jürgen Padberg sind erst zwei Drittel der 65 Millionen Euro umfassenden Grundsanierung der Dominsel umgesetzt. Das Prinzip Stärken stärken müsse auch für die Denkmale gelten. Die Dominsel ist Bestandteil des Konzepts der Bundesgartenschau 2015 der Havelregion.

Märkische Oderzeitung vom 28. April 2008

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