SANIERUNG: Weit entfernt von Fontanes Idyll

GÜTERFELDE - Dem Güterfelder Dorfzentrum geht es nicht gut. Täglich quält sich eine endlose, stinkende Auto- und Lastwagenschlange am historischen Anger vorbei. Gehöfte, die in früheren Zeiten den Stolz des Bauerndorfes ausmachten, verfallen. Kaum noch erkennbar ist der Reiz des Ortes, den Theodor Fontane in einem 1871 veröffentlichten Aufsatz schilderte.

"Eine schmale Mondsichel stand am Himmel", als der märkische Dichter die Dorfgasse betrat. "Nach kurzem Gange standen wir inmitten eines Platzes, der das Herz von Gütergotz und zugleich seine Zierde bildet. Häuser- und Baumreihen fassen die Längsseiten ein, an den Schmalseiten aber, einander gegenüber, erheben sich links die Kirche und rechts das Schloss. Das Ganze eine gefällige und eine stattliche Anlage zugleich."

Gütergotz das war bis 1937 der Name des heutigen Güterfelde. Der slawische Ursprung war ein Dorn im Auge der Nationalsozialisten, die eine Umbenennung durchsetzten. Doch davon konnte Fontane noch nichts ahnen. Er besichtigte die Kirche und erkannte "an den sauber behauenen Feldsteinquadern, an der Form der Apsis, an der geknickten Dachfirst-Linie leicht den Cistercienser-Bau des 13. Jahrhunderts". Den Rest des Abends verbrachte der Dichter im Pfarrhaus bei Pastor Heinrich Eduard Achatz Brodersen ein Kenner der Gütergotzer Geschichte. Brodersen predigte seit 1861 in Gütergotz. Ihm verdankt das Dorf eine 1874 erschienene Chronik, die der "Verein für die Geschichte der Stadt Berlin" herausbrachte. Im Vorwort wird die Schrift als "erste ernst gemeinte und ernst behandelte Geschichte eines der Dörfer der Umgegend" von Berlin bezeichnet.

Wer heute an die Türe des Pfarrhauses klopft, dem öffnet Helmut Kulla. Seit 1976 betreut der Pfarrer die Güterfelder Kirchengemeinde. Doch nicht nur das Seelenheil der Einwohner liegt ihm am Herzen, auch das Gotteshaus mitten im Dorf braucht Zuwendung. "Die Sanierung dieses 800 Jahre alten Baus war dringend notwendig", sagt Kulla. Die Detonation einer Weltkriegsbombe hat Risse im Mauerwerk hinterlassen. Einer zieht sich quer über den Westturm. Die "große Renovierung" in den 1960er Jahren hat die Probleme nur kaschiert, außerdem war das Kircheninnere "im Geschmack jener Zeit" umgestaltet worden.

Als an Weihnachten 2002 ein Elektrokabel schmorte und die Sicherheit der Gottesdienstbesucher nicht mehr gewährleistet war, schlug der Pfarrer Alarm. "Das Fass war übergelaufen, Heizung und Elektrik mussten erneuert werden." Es ist dann doch mehr geworden. Architekt Carl-Georg Lütcke machte sich im vergangenen Jahr an die Arbeit, gab dem Raum einen neuen Anstrich, legte unter die Kirchenbänke und das ebenfalls neu eingebaute Podest im Chor eine Elektroheizung und ließ schadhafte Stellen ausbessern. Er befreite die gusseisernen Stützen der Empore von ihrer Holzverschalung und gab den Blick frei auf Handwerkskunst früherer Generationen. 57 000 Euro hat die Innensanierung gekostet, 22 000 Euro kamen vom Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf, 5000 Euro von der Landeskirche, 2000 Euro schoss der Landkreis zu und den Rest trug die Kirchengemeinde. Mehr als 6600 Euro spendeten Güterfelder und Kirchenfreunde. "Ein wunderbares Ergebnis", so Kulla.

Die Verhandlungen mit der Denkmalschutzbehörde waren nicht immer einfach. Alte Farbschichten an den Wänden mussten mit Japanpapier abgeklebt werden, bevor sie weiß überstrichen wurden. An einer Stelle ist das Mauerwerk sichtbar geblieben. Geschützt von einer Plexiglasscheibe ist auf diese Weise ein "Fenster in die Baugeschichte der Kirche" entstanden.

Die Beseitigung von Schäden an Turm und Kirchenschiff soll 2009 starten. Ein Sanierungskonzept liegt vor. "Wir verstehen die Außensanierung der Kirche als unseren Beitrag zur Wiedergewinnung der Ortsmitte", sagt Pfarrer Kulla. Mit dem Hinweis darauf, dass die Kommune als Nachfolgerin der Gutsherren quasi das Patronatsrecht übernommen habe, wurde er beim Stahnsdorfer Bürgermeister und in den Gremien der Gemeindevertretung vorstellig. Mit Erfolg. Insgesamt 75 000 Euro sind in die Haushalte 2009 und 2010 für die Sanierung eingestellt worden. Die Planer rechnen mit Kosten von 300 000 Euro. Eine Summe, "die einen erst einmal ganz still werden lässt", so der Pfarrer. Verzagt ist er deshalb nicht. Zusagen vom Kirchenkreis und der Landeskirche, sich finanziell zu beteiligen, liegen vor, Bittbriefe an Wirtschaftsbetriebe in der Region werden vorbereitet.

An der Spendenbereitschaft der Güterfelder hat Kulla keinen Zweifel. "Das Gotteshaus prägt den Anblick des Dorfes", sagt der Pfarrer. Für Besucher sei die Kirche meist der erste Anlaufpunkt, um etwas über die Geschichte des Ortes zu erfahren. "Ihr baulicher Zustand liegt in unser aller Interesse." Fontane bezeichnete den schmucken Dorfanger einst als "Herz von Gütergotz". Bald könnte es wieder zu schlagen beginnen. (Von Jürgen Stich)

Aus der Dorfchronik

Märkische Allgemeine vom 06. Mai 2008

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