KIRCHE: Orgel ohne Pfeifen

Stülper Instrument aus dem Jahre 1922 wird aufwändig restauriert

Stülpe - Orgel 
Die leere Orgel auf der Empore bietet ein ungewöhnliches Bild in der Stülper Dorfkirche.
Foto: Margrit Hahn

LUCKENWALDE - Die gesamte Orgel der Stülper Dorfkirche ist leer geräumt. "Ein solcher Anblick bietet sich nicht alle Tage", sagt Orgelbauer Ansgar Gaulke. Die gesamte Pneumatik muss überarbeitet werden, außerdem werden alle Pfeifen gereinigt und der Spieltisch überarbeitet.

Ein Teil der Arbeiten wird in der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke ausgeführt. Alles andere übernimmt der Orgelbauer vor Ort. Etwa vier Wochen braucht er, um alle verschlissenen Teile zu überarbeiten und an Ort und Stelle zu montieren vorausgesetzt, es tauchen keine zusätzlichen gravierenden Mängel auf. "Diese Orgel hier in Stülpe ist nichts Außergewöhnliches. Da war die in Bochow viel älter und größer", sagt der Orgelbauer, der sich oben auf der Empore eine kleine Werkbank aufgebaut hat, an der er in den kommenden Wochen werkeln wird. Allein 450 Pfeifen müssen gereinigt werden und 400 Taschen, die für den richtigen Ton sorgen, gilt es zu erneuern. "Eigentlich sollte eine Orgel jedes Jahr kontrolliert und alle 15 bis 20 Jahren gründlich gereinigt werden", weiß der Fachmann aus Erfahrung.

Bei der Orgel in Stülpe funktionierten schon seit Jahren einige Töne nicht und sie hatte, wie Musikliebhaber feststellten, viele "Heuler". Nach Abschluss der Reparatur- und Wartungsarbeiten sowie klanglicher Überarbeitung werden die Zuhörer, so verspricht es der Orgelbauer, ein merklich schöneres Instrument hören. Pfarrer Matthias Wolf ist froh, dass es mit der Aufarbeitung der Stülper Orgel nun endlich geklappt hat. Bei den vielen Konzerten, die in der Stülper Dorfkirche stattfinden, war auch der Wunsch nach einem Orgelkonzert laut geworden. Doch das wäre mit der alten Orgel nicht möglich gewesen. "Wir hatten bei der Kulturstiftung der MBS in Potsdam einen Antrag gestellt und um einen finanziellen Zuschuss gebeten. Daraufhin wurden uns 7000 Euro zur Verfügung gestellt", sagt Wolf. Durch Eigenmittel der Kirche, Kollektengelder, eine Finanzspritze der Union der evangelischen Kirchen sowie Spenden und Erlöse von Konzerten kamen insgesamt 18 500 Euro zusammen, sodass jetzt sogar noch einige zusätzliche Arbeiten an der Orgel ausgeführt werden können.

Wer sich vom Klang der Orgel überzeugen möchte, hat dazu am 13. September um 18.30 Uhr Gelegenheit. Kantor Peter Michael Seifried und der aus Japan stammende Trompeter, Händel-Preisträger Masaru Gushi, geben in Stülpe ein Konzert. (Von Margrit Hahn)

Hintergründe

Märkische Allgemeine vom 29. Mai 2008

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