Dorfkirche gerettet, aber nur halb

Von Jörg Kühl

Dorfkirche gerettet, aber nur halb 

Chossewitz (GMD) Die Sanierung der schmucken Fachwerkkirche in Chossewitz (LOS) ist auf halbem Wege stecken geblieben, nach dem das Geld ausgegangen war. Der zuständige Pfarrer spricht dennoch von einem Erfolg.

Die Dorfkirche von Chossewitz erstrahlt nach der Teilsanierung im neuen Glanz: Das Dach des Kirchenschiffes ist neu eingedeckt worden, die Balken des Fachwerks wurden stellenweise ersetzt, weil der Holzwurm und Fäulnis das natürliche Material angegriffen hatten. An einer Ecke haben die Bautischler sogar den Stift gewechselt, also einen der vier wichtigsten tragenden Bauteile des mehr als 200 Jahre alten Gebäudes. Das Schiff war wegen der verfaulten Schwellenbalken 30 Zentimeter in die Tiefe gegangen, sodass der goldene Kanzelzapfen auf der abgesackten Decke zu liegen kam. "Ich kann mich noch daran erinnern, dass der Zapfen einst frei stand", erinnert sich der Chossewitzer Kirchenälteste, Georg Peschel. Die Handwerker haben die leicht zur Seite geneigte Kirche mit Keilen angehoben, und die verfaulten Schwellen (in einem dieser Hölzer hatte sich ein Marder eingerichtet) ersetzt. "Ich bin sehr glücklich darüber, dass die Dorfkirche, gerettet wurde", sagt Pfarrer Friedrich-Detlef Plasan aus Lieberose. 136 000 Euro hat die Teilsanierung gekostet. Landeskirche, Kirchenkreis und die Kirchengemeinde hatten sich die Summe geteilt.

Doch fertig saniert ist die Kirche trotz der sichtbaren Erneuerungen noch lange nicht. Die vierte Wand des Kirchenschiffes, der Turm sowie der Vorbau warten noch auf entsprechende Reparaturen. Vor allem die Westseite ist dringend sanierungsbedürftig. Die Holzbalken sind in einem Zustand, der selbst Laien an der Stabilität der Konstruktion zweifeln lässt: Hier hat der Holzwurm besonders heftig zugeschlagen, Das dortige Holz ist stellenweise nur noch Pulver.

Plasan bestätigt, dass das Geld für eine komplette Sanierung fehlt. "Wir müssen jetzt erst wieder neue Mittel beantragen". Dass das schnell geht, daran glaubt er kaum, denn auch in Lieberose warten kostspielige Aufgaben auf Gemeinde und Kirchenkreis: Der Glockenturm der Stadtkirche, die als Ruine ein trauriges Dasein fristet, sei in der Prioritätenliste weiter oben angesiedelt.

Kein Wunder, dass sich die Chossewitzer Kirchengemeinde schwer damit tut, die Teilsanierung mit einer Einweihungsparty zu feiern. Ein entsprechender Festakt sei im Moment nicht vorgesehen, sagt der 60-jährige Peschel, der als Kind in der Dorfkirche getauft wurde. Im Moment macht er sich noch aus einem anderen Grund Sorgen: Wegen Auflagen des Denkmalschutzes wurde das Dach ohne Dachrinne ausgeführt. "Das kann doch den Holzschwellen und dem Fundament nicht gut tun, wenn das ständig dagegen regnet!", ärgert er sich. Olaf Methfessel von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Oder-Spree sagte dazu auf Anfrage, es sei durchaus im Denkmalschutz üblich, bei historischen Gebäuden auf eine Dachrinne zu verzichten, wenn dadurch der historische Gesamteindruck bewahrt werden könne. Bei Gebäuden, die auf einem erhabenen Grundstück stehen, sei ein solcher Schritt ohnehin zu rechtfertigen, da das Wasser in diesem Fall abfließen könne. Jetzt wolle man erst einmal Erfahrungen mit dem Wasserabfluss sammeln. Falls sich ernsthafte Probleme ergeben, sei es möglich, unter bestimmten Umständen eine Dachrinne nachzurüsten oder eine "Geländemodellierung" durchzuführen, sprich, auf dem Boden für eine Abführung des Regenwassers zu sorgen.

Eigentlich wollte die Chossewitzer Kirchengemeinde bereits ab Weihnachten vorigen Jahres wieder in ihrer angestammten Dorfkirche Gottesdienste feiern. Doch daraus wurde nichts. Immer neue Probleme hatten eine termingerechten Fertigstellung herausgezögert. Vor allem die Feuchtigkeit im Mauerwerk hatte den Bauleuten zu schaffen gemacht.

Im Siebenjährigen Krieg, nach der Schlacht bei Kunersdorf (1759) wurde Chossewitz mit der Kirche größtenteils zerstört. 1767 wurde die Kirche wieder aufgebaut. (Das Datum befindet sich auch als Stanzung in der Wetterfahne). Der Ort selbst erreichte danach seine frühere Größe nicht mehr. Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Der Vorbau an der Westseite stammt aus dem 18. Jahrhundert. Das Innere wurde von 1992 bis 1993 restauriert. Die Kirche hat eine hölzerne Empore. Der ebenfalls aus Holz gezimmerte Kanzelaltar stammt vermutlich aus der Bauzeit der Kirche. Auf der West-Empore steht eine Orgel aus der Zeit um 1885.

Märkische Oderzeitung vom 26. Juni 2008

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