DENKMALSCHUTZ: Pro Bratwurst fließt Geld in die Kasse

Lokale Fördervereine sind für ihre Kirche im Einsatz / Neue Stiftung

NEURUPPIN - Die Kirche soll im Dorf bleiben. Sie zu erhalten, machen sich Freundeskreise oder Fördervereine für Brandenburgs evangelische Dorfkirchen zur Aufgabe. Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin sind es mittlerweile 27. Gehör verschafft den kleinen Gruppen ein "großer Bruder", der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Am 1. Juli gründete der Dachverband eine Stiftung, die ehrenamtlichen Denkmalpflegern finanziell und logistisch noch stärker unter die Arme greifen wolle, beschreibt ihr Geschäftsführer, Bernd Janowski. Von 1400 Gotteshäusern in der Mark sind 200 einsturzgefährdet. Noch einmal so viele können Besucher weiterhin betreten, doch auch diese Bauten müssen saniert werden.

Ein Notfall ist die Kirche in Keller, die zum Lindower Sprengel gehört. Die Glocke ist verstummt. Ihr Läuten würde die rissigen Mauern zu stark erschüttern. Der brüchige Turm wird von einem Korsett aus Holzbalken gestützt. Sein Einsturz droht. Die Gemeinde will nicht länger zusehen, sie beschloss die Gründung eines Fördervereins. 30 Mitglieder sind seit Februar darin engagiert. "Es ist eine zusätzliche Möglichkeit, Geld zusammenzukriegen", begründet die Vorsitzende, Antje Schade. Jede Gemeinde, die bei Land, Kreis oder Kommune Fördermittel zur Kirchensanierung beantragt, muss das Vorhaben finanziell mittragen. Dabei unterstützt sie der Förderverein, indem er Spenden sammelt oder Zuschüsse des Förderkreises Alte Kirchen beantragt. Antje Schade hat sich um ein "Startkapital für neue Kirchenförderer" beworben. "Die 2500 Euro hätten der Kirche gutgetan", meint sie. Keller erhielt jedoch keinen Zuschlag.

Die Kirchenförderer in Dorf Zechlin haben sich mächtig ins Zeug gelegt, damit im vergangenen Jahr das Dach des Kirchenschiffs saniert werden konnte. "Jetzt ist das Dach dicht", freut sich Marina Lüdecke. Sie gehört zu den ersten Mitgliedern des 2001 gegründeten Vereins. Geschätzte 15 000 Euro hätte der bislang für "seine" Kirche beigebracht.

Ebenfalls fünfstellig ist der Betrag, den die Kränzliner Fördervereinsmitglieder seit 1998 in den Erhalt ihres Gotteshauses gesteckt haben. Der jüngste Geldsegen kam am Mittwoch. Schatzmeisterin Bärbel Thiede nahm 1000 Euro entgegen. Die Spende kam durch die Fußball-EM zustande, verrät sie: Alle Spiele waren auf einer Leinwand gezeigt worden, dazu brutzelten Würste auf dem Grill. Was die Fußballfans ausgaben, bekam die Kirche. "Das Geld fließt in laufende Reparaturen", erklärt Thiede. "Voriges Jahr ist der Ostgiebel saniert worden, im Moment bekommt das Innere des Turms neuen Putz. Vielleicht sind wir bis Jahresende fertig." Dass den Kränzlinern das Geld nicht ausgeht, ist Chefsache: "Wir haben einen direkten Draht zum lieben Gott", meint die Schatzmeisterin. Denn mal hatte eine 90-jährige Dorfbewohnerin zu ihrem Geburtstag gesammelt, mal der Vereinsgründer Klaus Plinzner einen größeren Betrag gespendet. "Der Sohn des ehemaligen Kränzliner Pfarrers hatte immer den Wunsch, Vaters Kirche wieder aufzubauen." (Von Tanja Kasischke)

Märkische Allgemeine vom 04. Juli 2008

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