RESTAURIERUNG: Rettung für den Altar

In der St.-Jacobi-Kirche haben die Arbeiten unlängst begonnen

Nauen 
Für Arnett Schulz und Thoralf Herschel kommt es jetzt erst einmal darauf an, die Farbschichten zu reinigen und zu festigen.
Foto: Jens Wegener

NAUEN - Für den wertvollen Altar der evangelischen St.-Jacobi-Kirche in Nauen ist es fünf vor zwölf. Der Zahn der Zeit hinterlässt an dem wertvollen Stück aus dem Jahre 1710 immer mehr seine Spuren. Neue Risse entstehen im Holz, vorhandene vergrößern sich. Zwei Spalte ziehen sich schon fast durch die ganze Abendmahlsszene, vor sechs Jahren waren gerade mal vier Köpfe betroffen. Schon zu DDR-Zeiten musste die Nase von Jesus repariert werden. Aber auch der Rokokorahmen ist bereits an mehreren Stellen gebrochen. Zeit, dass etwas passiert, um dem Verfall Einhalt zu gebieten.

Dieses älteste Ausstattungsstück des Gotteshauses zu retten, kostet jedoch richtig Geld. Der Gemeindekirchenrat hat sich auf Grundlage der Voruntersuchungen fürs Erste einen Kostenrahmen von rund 100 000 Euro gesetzt und seit zweieinhalb Jahren mehrere Fördermittelanträge gestellt. "Aber bisher gab es leider nur Ablehnungen", sagt Kantorin Anne König. Die Situation des Nauener Altars wurde von den angeschriebenen Stiftungen offenbar als nicht so dringlich eingeschätzt. "Doch wir müssen jetzt etwas tun", sagt die Kantorin. Denn der Zustand verschlimmert sich aufgrund der häufig zu geringen Luftfeuchtigkeit zusehends, weiteres Warten könnte auch die Standsicherheit gefährden. Und so sammelt die Gemeinde schon seit etwa zwei Jahren Geld, rund 15 000 Euro weist das Spendenbarometer bisher aus. Weitere Mittel kommen aus dem Vermögen der Kirchengemeinde.

Der Beginn der Restaurierung hing zuletzt am fehlenden Okay der kirchlichen Bauaufsicht. Von dort kam unlängst die lang ersehnte freudige Nachricht: Die Arbeiten können beginnen. Und so kümmern sich nun seit Ende Juni die Restauratoren Annett Schulz und Thoralf Herschel um den Altar.

Zu den ersten Arbeiten zählt unter anderem, die teils originale Farbe, die abzublättern droht, zu sichern. Fehlstellen werden mit einem Leim-Kreide-Grund kompensiert und die vielen Risse ausgefüllt. Hinzu kommen Reinigung und Auffrischung von Farbschichten. In einem Jahr wird die Restaurierung des Altars abgeschlossen sein.

Von den vorerst eingeplanten 100 000 Euro sind aber nur etwa 60 000 bis 70 000 Euro für den Altar gedacht. Mit dem übrigen Geld sollen in einer zweiten Etappe an der Kanzel sowie am ersten Teilstück der Empore die vor Jahrzehnten übermalten Bilder wieder freigelegt werden. Eine spannende Angelegenheit, denn niemand kann abschätzen, was die Restauratoren über die ersten Untersuchungen hinaus noch zu Tage fördern werden.

Um die entsprechenden finanziellen Mittel für die Restaurierung aufbringen zu können, will die Kirchengemeinde jetzt verstärkt um weitere Spenden bitten. In diesem Zusammenhang werden unter anderem große Hoffnungen auf den Tag des offenen Denkmals sowie auf ein geplantes Konzert des Polizeiorchesters im Dezember gesetzt. (Von Andreas Kaatz)

Märkische Allgemeine vom 17. Juli 2008

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