Eine Kirche und zwei Fördervereine?

Von Gabriele Rataj

Zeugnisse einer königlichen Vergangenheit 
Zeugnisse einer königlichen Vergangenheit: Hinter den Ruinen-Resten des Kornhauses der Domäne, das 1804 auf den Grundmauern des Schlosskellers errichtet wurde, erhebt sich die Schlosskirche.
Foto: MOZ/Gabriele Rataj

Altlandsberg (MOZ) Die Schlosskirche Altlandsberg ist das letzte sichtbare Zeugnis einer königlichen Vergangenheit der Stadt. Dieses Erbe soll saniert und anschließend weiter genutzt werden. Uwe Sack will für Letzteres einen Förderverein gründen und ruft damit Irritationen hervor.

Der Fredersdorfer Bau-Unternehmer Uwe Sack ist kein unbeschriebenes Blatt in Sachen Förderverein und ein Mann schneller Entschlüsse. Als er im Jahr 2001 an der malerischen Ruine des Wesendahler Kirchenschiffs vorbeifuhr und davon träumte, das alte Gotteshaus wieder aufzubauen, hatten ihn nicht wenige zum Phantasten erklärt. Doch er wusste Mitstreiter, Freunde und Förderer dieses Vorhabens zu finden. Auch aus Mitteln der Stadt wurde diese noch nicht völlig abgeschlossene Wiedergeburt unterstützt.

Jetzt tritt Uwe Sack erneut auf den Plan. Diesmal hat er die Schlosskirche Altlandsberg nach einer Sanierung im Blick. "Stellen Sie sich ein Mu­seum vor über die Geschichte der Preußenkönige Friedrich I. und Friedrich Wilhelm II., die Geschichte des Schlosses Altlandsberg, die Geschichte der Reformierten Schlosskirchengemeinde und der Schlosskirche, die Geschichte der Stadt Altlandsberg", wirbt er. Und will zu diesem Zwecke einen Förderverein gründen. Interessenten sollten sich mit ihm in Verbindung setzen, ergänzt er seine Vorstellungen u. a. um seine Telefonnummer 033439 59224.

Damit hat er jene überholt, die eben dieses Vorhaben seit langem verfolgen. Unter der Ägide des vormaligen Bürgermeisters der Stadt, Manfred Andruleit, war es in vielen kleinen Schritten und von wechselnden Debatten in den Stadtverordnetensitzungen begleitet, nur langsam gediehen. Die Kaufabsicht wurde per Beschluss formuliert, ebenso wie der Wille, das als Einzeldenkmal ausgewiesene Gebäude zu sanieren.

Beides ist von einer späteren Betreibung des Objektes im öffentlichen Sinne nicht zu trennen, denn es hängen Fördermittel zur Finanzierung daran. Die hat die Stadt im Zuge der Stadtsanierung zwar beantragt, doch noch keine bestätigende Zusage in der Hand. "Wir erwarten sie aber", antwortet Grit Burkhardt aus dem städtischen Sanierungsbüro dazu auf MOZ-Nachfrage.

Auch ein seit längerem schon gehandelter, doch noch nicht existenter Förderverein wartete darauf. Für den hält Ex-Bürgermeister Manfred And­ruleit mit Partnern im Hintergrund bereits die Fäden in der Hand und hat Mitglieder geworben. Uwe Sacks inzwischen öffentlich artikuliertes Vorhaben, seinerseits einen Förderverein zu gründen, trifft bei Andruleit auf Unverständnis. "Wir hatten telefonischen Kontakt. Ich habe ihm die Sachlage erklärt und auf eine Zusammenkunft hingewiesen, die wir zunächst im August vorgesehen hatten, wegen des Urlaubs einiger Leute aber verschieben mussten." Es sei ziemlich frech, sich ins gemachte Nest zu setzen, zeigte er sich betroffen.

Uwe Sack sieht das etwas anders. Er habe seine Idee vor einigen Wochen mit Bürgermeister Arno Jaeschke und der Kämmerin besprochen, argumentiert er gegenüber der MOZ. Schließlich brauche die Stadt ja einen künftigen Nutzer, orientiere dabei unter anderem auf Museum, Ausstellung und Ähnliches. Nachdem er keine Einladung zu einem Treffen erhalten hätte, hätte man ihm von mehreren Seiten geraten: Fang doch einfach an.

"Was soll daran verkehrt sein, wenn ansonsten still der See ruht", wundert sich Sack und vermutet, dass der von Andruleit angekündigte Förderverein einen elitären Charakter bekommen solle. Diese Auffassung könne er nicht teilen. Er setze auf die Zusammenarbeit von Menschen.

Auf dieses Fundament will auch Manfred Andruleit keineswegs verzichten. Er macht in diesem Zusammenhang aber auf den herausragenden historischen Charakter der Schlosskirche aufmerksam. "Mitglieder, die zum Teil aus der Denkmalpflege oder dem Kunstbetrieb kommen, Rang und Namen haben, sind für diesen Anspruch unverzichtbar."

Bürgermeister Arno Jaeschke sieht noch keine mögliche Konfrontation zweier Fördervereine. "Zwei wird es nicht geben", gibt er sich optimistisch, "es wäre schön, fände man zu einer Zusammenarbeit. Außerdem hat Herr Sack mit dem Förderverein Kirche Wesendahl erfolgreiche Arbeit geleistet."

Märkische Oderzeitung vom 27. August 2008

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