Kulturdenkmal bedroht

Bröckelnde Kirche in Kolpien - Pfarrer schlägt Alarm

Achtung, Einsturzgefahr! Tiefe Risse zeichnen die Außenmauern der Kirche von Kolpien (Teltow-Fläming). Pfarrer Dirk Lehner fürchtet um die Kunstschätze im Gotteshaus, wenn nicht bald etwas passiert.

Holzstützen am Gebäude sollen verhindern, dass es unter dem Druck der Dachlast auseinander bricht, erklärt Pfarrer Lehner. Die Kolpiener hoffen auf Fördergeld, wenn das ehemalige Dach- und Fach-Programm des Bundes neu aufgelegt wird. Ein Förderantrag sei vorbereitet, die Untere Denkmalschutzbehörde von Teltow-Fläming unterstütze das Ansinnen, sagt der Pfarrer.

Doppeldorf schafft Probleme

Das Problem: Kolpien bildet mit Schöna ein Doppeldorf. In Schöna läuft seit mehreren Jahren eine aufwändige Kirchensanierung, hinter der ein engagierter Förderverein steht. Dessen Mitglieder plädieren dafür, ein Projekt abzuschließen, bevor ein nächstes begonnen wird (die RUNDSCHAU berichtete).

Kolpien 
An Kolpiens Kirchenwand, die von Stützen gehalten wird, zeigt Pfarrer Dirk Lehner Einkerbungen an Steinen. Sie stammen noch aus dem Mittelalter und sind Gegenstand verschiedener Legenden.
Foto: Berg

Pfarrer Lehner gibt zu, zwei Kirchen in einem Dorf zu erhalten, sei eine Herausforderung. Zudem ist die Kolpiener Gemeinde mit 67 Mitgliedern klein. Doch es geht hier darum, ein Erbe zu bewahren, sagt er.

Im 13. Jahrhundert sei das Gotteshaus ein flachgedeckter Feldsteinbau gewesen. Lehner zeigt Einkerbungen im Außen-Gestein, um die sich verschiedene Geschichten ranken. Lehner: "Die einen sagen, unsere Vorfahren hätten an den Steinen ihre Messer gewetzt, um Glück bei der Jagd zu haben. Andere Quellen meinen, an heiligem Ort seien Geldstücke gedreht worden in der Hoffnung, dass sich das Geld vermehrt." Eine weitere Besonderheit an der Außenmauer der Kirche sei die noch aus dem Mittelalter erhaltene Ritzquaderung, erzählt er weiter. Dieser Putz über dem Mauerwerk sei dem Tempel in Jerusalem nachempfunden worden, einem Quader aus Sandstein.

Älteste Stücke im Inneren seien ein Kruzifix über dem Altar aus dem 14. Jahrhundert sowie der Taufstein aus Sandstein aus dem 16. Jahrhundert. Unter der Wandbemalung aus dem 18. Jahrhundert hätten Restauratoren ältere Ausmalungen entdeckt, die freigelegt werden sollen, verweist Lehner auf einen besonderen Fund.Wie er erzählt, hätten die Kolpeiner schon mehrere vergebliche Anläufe hinter sich, an Geld für die Kircheninstandsetzung zu kommen. Jetzt gibt es wieder Hoffnung, sagt der Pfarrer.

Zu DDR-Zeiten sei das Dach mit schweren Betonziegeln eingedeckt worden. Die Last drücke auf den maroden Dachstuhl und von dort auf das Mauerwerk, erläutert Lehner eine Ursache für tiefe Risse und Setzungserscheinungen am Gebäude. Ringsum ist das Gotteshaus abgesteift. Eine Ecke wird zusätzlich von einer Art Korsett aus Holz gehalten.

Der erste Schritt

"Als erster Schritt müssen das Dach und der Dachstuhl komplett saniert werden", erklärt der Pfarrer. Zudem müsse das Mauerwerk einen Ringanker bekommen, der nochmaliges Auseinanderdriften verhindere, fügt er an. Kostenschätzungen für diese Arbeiten belaufen sich auf 130 000 Euro. Innensanierungen sind darin noch nicht enthalten, so Lehner. Bei Förderung aus dem Bundesprogramm würden Landkreis und Kirche ebenfalls einen Teil der Kosten tragen, kündigt er an. Zudem hätten die Kolpiener 5000 Euro an Spenden zusammengebracht, beispielsweise durch Mühlengottesdienste und Sommermusiken. Bislang hat die Gemeinde ihre Kirche trotz des maroden Zustandes offen gehalten. Denn: "Was einmal geschlossen ist, gerät aus dem Blick", beschreibt der Pfarrer die Befürchtungen.Aus seiner Sicht können die Kirchen von Schöna und Kolpien aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit sinnvoll nebeneinander bestehen. Schönas Gotteshaus wird als Begegnungskirche mit integriertem Gemeinderaum ausgebaut und kann von Kirchgemeinde und Dorf ganzjährig für vielfältige Zwecke genutzt werden. Kolpiens Kirche ist ein Denkmal und nach der Sanierung eine festliche Stätte für Gottesdienste in der schönen Jahreszeit, so Dirk Lehners Vorstellung.

Spenden für Kirche

Wer die Kirchensanierung in Kolpien unterstützen will, kann laut Pfarrer Lehner spenden auf das Konto 3300 104 199 bei der Sparkasse Elbe-Elster, Bankleitzahl 180 51 000..

be/nm

Lausitzer Rundschau vom 08. September 2008

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