Kirchen: Ein Blitzschlag im Kirchturm beschleunigte vor über 115 Jahren den Entschluss zum Neubau des Zootzener Gotteshauses

Der Ziegelbau ist innen genauso schön wie außen

Die Dorfkirche in Zootzen ist innen genauso schön wie außen ein wahres Schmuckstück. Es ist schon von weitem zu erkennen.

Von Uta Köhn

ZOOTZEN Er war ein denkwürdiger Tag, dieser 31. Juli 1887. Um 21 Uhr schlug der Blitz in die alte Fachwerkkirche ein. Der Turm wurde stark beschädigt. Die Kinder aus Zootzen kannten das Datum dieses denkwürdigen Gewitters in- und auswendig. Die Zootzener wollten schon lange eine neue Kirche haben. Vielleicht war dieser Blitzschlag schließlich ausschlaggebend dafür, dass die alte Kirche von 1713 endlich abgerissen und an gleicher Stelle eine neue gebaut werden konnte.

Heinz Hefenbrock ist 77 Jahre alt. Aber wenn er von der neuen Kirche erzählt, meint man fast, er sei damals selbst dabei gewesen, als am 4. Juli 1893 die alte Kirche abgerissen war und der neue Grundstein gesetzt wurde; als die Männer aus dem Dorf später mit ihren Pferdefuhrwerken die Ziegel holten.

Es waren keine Scharfenberger Ziegel und auch keine aus der damals noch existierenden Ziegelei im eigenen Dorf, diese hatten nicht die erforderliche Qualität. "In den Lehm aus Zootzen brauchte man keinen Sand mehr mischen, der war schon drin", witzelt Heinz Hefenbrock.

Die Bürokratie war vor mehr als hundert Jahren noch nicht ganz so ausgeprägt wie heute. Am 17. September 1892 hatte die "hochlöbliche Königliche Regierung" die Ermächtigung zum Bau erteilt und auf 21 900 Mark festgelegt, so ist es überliefert. Am 22. Mai des Folgejahres wurde der letzte Gottesdienst in der alten Kirche gefeiert zwei Tage später begann der Abbruch und schon am 4. Juni fand die Grundsteinlegung statt. Noch im selben Jahr wurde das Gotteshaus eingeweiht.

Einen herben Schicksalsschlag erlebten die Zootzener im Jahr 1917. Der damalige Lehrer Albert Dräger notierte unter der Überschrift "Glockenabnahme" Folgendes: "Der Krieg macht sich auf Dauer selbst in der kleinsten Gemeinde immer schwerer bemerkbar. So fordert er von unserer Gemeinde zur siegreichen Fortführung nicht nur die Söhne, sondern auch die heiligsten Güter, nämlich die Kirchenglocke. Die Verkündigung der Abnahme der großen Glocke erfüllt selbst das harte Herz mit stiller Wehmut. Sie fühlten, daß sie über ein Jahrhhundert eine treue Begleiterin der menschlichen Schicksale gewesen war und die Menschen hat wachsen, blühen und vergehen sehen." Die einzelnen Stücke der 1799 gegossenen Glocke wogen 218 Kilogramm und brachten 763 Mark. Inzwischen hängen wieder zwei Glocken oben im Turm.

Die Zootzener pflegten und hegten ihre Dorfkirche in all den Jahren. Aber irgendwann kam der Putz runter. Im Dorf wurde gesammelt, und viele gaben Geld. "Auch Menschen, die nicht in der Kirche sind, haben gespendet", erinnert sich Ortsbürgermeisterin Irmgard Ritzmann. "Sie haben gesagt, dass die Kirche das Wahrzeichen unseres Dorfes ist."

Erst wurde der Turm gedeckt, dann das Schiff repariert. Alles, was irgendwie erhalten werden konnte, blieb im Originalzustand. So kann man vorn in der Apsis noch sehr gut die neue, helle Bemalung von der alten, etwas angegrauten Bemalung unterscheiden. Auch in den Fensternischen sind die Unterschiede von alt und neu gut auszumachen.

Die außergewöhnliche Bemalung nennt man "englischen Strich", erklärt Heinz Hefenbrock. Bei der Erneuerung hat sich ein Rheinsberger Restaurator selbstverständlich am aufwändigen Original orientiert, nur dass das Weiß eben weiß ist und nicht grau.

Schon 1991 haben die Zootzener für eine zweite Gedenktafel gesammelt, die an die aus Zootzen stammenden Gefallenen des Zweiten Weltkrieges erinnert. Sie hängt jetzt auf der linken Seite des Kirchenschiffs gegenüber der alten Tafel für Gefallene aus dem Ersten Weltkrieg.

Die alte Sitzordnung auf den Bänken gilt auch schon lange nicht mehr. Früher nahmen bei den Gottesdiensten links die Frauen Platz, rechts saßen die Männer. "Jede Wirtschaft" hatte ihre Bank, erinnert sich Heinz Hefenbrock und die Kirchenälteste Brigitte Lücke weiß, dass die Bänke jedes Jahr neu "gekauft" werden mussten. So kam Geld in die Kasse. "Die Kinder, die nicht eingesegnet waren, durften unten gar nicht rein. Die mussten oben auf der Empore sitzen", ergänzt Heinz Hefenbrock. Aber auch da oben machten sie keinen Unsinn, denn der Lehrer hat damals Orgel gespielt und er passte auf, dass sich die Kinder gesittet verhielten.

Obwohl sich die Kirche in einem ansehnlichen Zustand befindet und auf den ersten Blick eigentlich gar nichts mehr zu tun ist, sind bei den Zootzenern noch einige Wünsche offen. Die Empore, die nur durch eine Seitentür zugänglich ist, müsste noch auf Vordermann gebracht werden. Außerdem fehlt noch die Kirchturmuhr. Die drei neuen Ziffernblätter wurden bereits vor geraumer Zeit angebracht. Nun fehlt nur noch das große Uhrwerk. Aber Irmgard Ritzmann und Brigitte Lücke sind zuversichtlich, dass es noch dieses Jahr kommen wird.

DORFKIRCHE ZOOTZEN

Grundsteinlegung der Dorfkirche von Zootzen war am 4. Juni 1893.
Die Gesamtkosten für den Neubau wurden auf 21 900 Mark festgelegt.
Der Vorgängerbau , eine Holzfachwerkkirche aus dem Jahr 1713 ähnelte der Goldbecker Kirche.
Die reich verzierte Kanzel ist aus dem Vorgängerbau übernommen worden. Die Treppe und der Stützfuß mussten jedoch völlig neu angefertigt werden.
Komplett renoviert wurde das Zootzener Gotteshaus erst vor wenigen Jahren. Am 5. Oktober 2003, zum Erntedankfest, wurde das Ende der Renovierungsarbeiten dann zünftig gefeiert.
Gottesdienste finden in der Regel einmal im Monat statt.
Kirchenbesichtigungen sind nach vorheriger Absprache unter Tel. 03394 / 44 28 89 oder Tel. 03394/ 44 29 79 möglich.

Märkische Allgemeine vom 10. September 2008

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