Granoer Gotteshaus wird umfassend saniert

Vom Sockel bis zum Dach

Zu Ostern des Jahres 1854 begann der Bau einer neuen Kirche in Grano an der Stelle der einstigen Fachwerkkirche. Kirchenpatron und Gutsbesitzer war zu der Zeit Ludwig Alexander Schmidtsdorff, der unter großen finanziellen Opfern in nur sieben Monaten das marode Fachwerkkirchlein abreißen und einen klassizistischen Backsteinbau errichten ließ. Lediglich der hölzerne Glockenturm blieb erhalten. Gegenwärtig wird die Kirche vom Sockel bis zum Dach umfassend saniert.

Grano 
Die Zimmerei Schmidt GmbH war dieser Tage mit der Sanierung des Dachstuhles der Granoer Kirche beschäftigt. Vorn Jens-Ulrich Schmidt, dahinter Christian Thoms.
Foto: FOTO-Werner

Nach Pinnow und Kerkwitz ist die Granoer Kirche die dritte in der ländlichen Region, die auf Initiative des Kirchenrates wieder auf Vordermann gebracht wird. Dazu stehen rund 200 000 Euro aus dem Staatskirchenvertrag bereit, der es ermöglicht, kulturhistorisch wertvolle Gebäude zu erhalten, sagte gestern Ulrich Heß der RUNDSCHAU. Heß ist nach eigener Aussage einer von zwei Kirchenältesten der evangelischen Kirchengemeinde Region Guben. Er berichtete auch, dass der Landeskirchenkreis Cottbus und der Landkreis Spree-Neiße an der Finanzierung beteiligt sind. Ein Restbetrag soll über Spenden realisiert werde, so Ulrich Heß.

Mit dem Geld würden gegenwärtig der Dachstuhl, die Dacheindeckung, die Backsteinfassade und die Fenster an der Südseite sowie im Ostgiebel saniert. Während die Dachziegel relativ gut die zurückliegenden 154 Jahre überstanden hätten und noch für andere Gebäude genutzt werden sollen, sei der Dachstuhl besonders im Bereich der vier Giebelsparren arg in Mitleidenschaft gezogen. Christian Thoms von der Zimmerei Schmidt GmbH macht das undichte Mauerwerk an den Giebeln dafür verantwortlich. "Die dicken Balken sind nicht mehr tragfähig und müssen ausgetauscht werden", sagt der Fachmann. Die Zimmerleute haben unerwartet im Traufbereich des Daches Hölzer vorgefunden, die ein Profil aufweisen. Ulrich Heß hat diese Hölzer vorerst sichern lassen. Er vermutet, dass sie von der Vorgängerkirche stammen, damals noch gut erhalten waren und vor 154 Jahren beim Neubau wieder verwendet wurden. Der Groß Drewitzer Malermeister vermutet auch, dass für den Bau der neuen Kirche Feldsteine der einstigen, nahe gelegenen Granoer Wasserburg herangeschleppt und im Fundamentbereich eingesetzt wurden. Er weiß auch zu berichten, dass ein Neubau bereits im Jahr 1799 geplant war, aus Geldmangel aber nicht realisiert werden und erst 55 Jahre später in Angriff genommen werden konnte.

Damals brauchten die Bauleute sieben Monate bis zur Fertigstellung der Kirche. Am zweiten Osterfeiertag des Jahres 1854 wurde zum letzten Mal in der alten Kirche Gottesdienst gehalten, am 5. November wurde das neue Gotteshaus geweiht, ist in einem Informationsheft der Kirche zu lesen.

Die noch bis Mitte Oktober andauernden Sanierungsarbeiten sollen der Kirche wieder ihr ursprüngliches Aussehen verleihen. So sollen in den vergangenen Jahren laut Heß unsachgemäß erfolgte Umbauten beseitigt werden. Dazu gehört der Rückbau von Gebäudeteilen an den Giebelseiten, die bei Sanierungsarbeiten im Jahr 1989 am Denkmalschutz vorbei angebracht worden seien, so Heß. Eine Finsterwalder Firma arbeitet gegenwärtig die Fenster der Südseite denkmalgerecht auf. «Es sind die einzigen, noch original erhaltenen der Kirche» , so Heß. «Sie erhalten auch wieder den originalen Anstrich, innen weiß und außen mit imitierter Holzmaserung.»

Für die Dacheindeckung zeichnet die Gubener Firma Dafas verantwortlich, die die bereits angelieferten Dachziegel fachgerecht verlegen wird. Neben der Ausbesserung defekter Fassadenteile erhält der hölzerne Glockenturm eine neue Verschalung, so Heß. Die hölzerne Eindeckung des Turmes müsse neu befestigt werden. Die Wetterfahne des Turmes mit der Jahreszahl 1810 ist für Heß irreführend. Er vermutet, dass sie nach der Neueindeckung des Turmes im Jahr 1810 angebracht wurde. Den Ursprung des Turmes vermutet er in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Was die Neueindeckung im Jahr 1810 betrifft, so lässt sich diese belegen: Die Kirche besitzt noch die Rechnungen aus jener Zeit.

Von Bernd Völzke

Lausitzer Rundschau vom 10. September 2008

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