Hausschwamm nagt an der Winterkirche

Winterkirche 
Bauherr mit Sorgen: Pfarrer Thomas Berg steht in dem um 1250 errichteten, Ende des 18. Jahrhunderts letztmalig umgebauten Gotteshaus von Lüdersdorf, dessen Winterkirche derzeit wegen Schwammbefalls vorerst nicht mehr genutzt werden kann.

Lüdersdorf (sk)Jahrelang hat er im Verborgenen vor sich hin genagt, dann aber waren seine Schandtaten nicht mehr zu übersehen: Die Holzdiele in Lüdersdorfs Winterkirche ist dem gemeinen Hausschwamm zum Opfer gefallen. Jetzt steht die evangelische Gemeinde vor einem massiven Problem.

"Fürs Erste steht uns die Winterkirche jedenfalls nicht mehr zur Verfügung", bedauert Pfarrer Thomas Berg. Der erst vor drei Jahren durch eine Glasscheibe vom eigentlichen Gotteshaus abgetrennte, 25 Quadratmeter große und beheizbare Raum war seit geraumer Zeit vor allem für das Kirchenkino genutzt worden, das immer am letzten Freitag im Monat über die transportable Leinwand flimmert. Die Freunde anspruchsvoller Filme sind wegen des Hausschwamms in den Saal über den Lunower Kindergarten umgezogen. Dort ist am 31. Oktober "Der Himmel über Berlin" und am 28. November "Das Leben der Anderen" zu sehen - jeweils ab 19.30 Uhr.

In der Lüdersdorfer Winterkirche ist alles für die Bauarbeiten vorbereitet: Die vom Schwamm angegriffenen Dielen wurden herausgerissen, die Stühle in eine andere Ecke des Gotteshauses umgelagert. Der Boden besteht wie in der Hauptkirche nur noch aus Klinkersteinen.

Gemeinsam mit dem in Oderberg und Berlin sitzenden Architekten Stephan Broniecki und einem Holzschutzgutachter grübelt der Pfarrer gerade über zwei Lösungsvarianten nach. "Beiden gemeinsam ist, dass sie uns etwa 6000 bis 7000 Euro kosten würden. Das Geld dafür müssen wir erst auftreiben", sagt Thomas Berg. Zumal niemand damit habe rechnen können, dass der Schwamm so wüst und rasch zuschlagen würde.

Die erste Variante sieht vor, dass zunächst auch die Fliesen komplett entfernt werden. Danach müsste der Boden etwa 30 Zentimeter tief ausgeschachtet, mit einem Fundament und Dielen aus Streifenbeton versehen werden. Darauf kämen dann Estrich, eine Heizmatte und Fliesen. Die zweite Variante wäre etwas weniger aufwendig: Die Klinker würden bleiben - als Untergrund für Metallprofilplatten und eine Betonschicht.

"Wir überlegen noch, was der beste Weg wäre", sagt der Pfarrer, der sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen will.

Warum der Schwamm im Sommer mit einem Mal sichtbar wurde, liegt für Thomas Berg auf der Hand. "Wir haben vor der Kirche eine große Linde fällen lassen, weil sie nicht mehr sicher stand. Die Wurzeln des Baumes hatten dem Boden viel Feuchtigkeit entzogen. Dieser Regulator fehlte jetzt", sagte er.

Märkische Oderzeitung vom 23. Oktober 2008

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