BAUEN: Goldene Spitze für den Kirchturm

Kugel, Kreuz und Wetterfahne aufs Nebeliner Gotteshaus gesetzt

NEBELIN - Pfarrer Albrecht Preisler und Architekt Matthias Wieck hatten alle Mühe, den Gemeindebrief, die Fotos, Münzen, Zeitungen sowie einen handgeschriebenen Brief, wie es zu dem Sanierungsvorhaben gekommen war, und Informationen über die Dorfkirche und der Kirchengemeinde Nebelin in die Schatulle zu bekommen. Und das, obwohl Preisler die größere der zwei zur Verfügung stehenden Hülsen gewählt hatte. Am Ende passten aber doch alle Unterlagen, die folgende Generationen über die Instandsetzung des Kirchturmes informieren sollen, in die Schatulle. Der handgeschriebene Brief wurde mit Tinte auf beständigem Papier aufgezeichnet. "Wir hoffen, dass er möglichst lange sicht- und lesbar bleibt", so Pfarrer Preisler.

Der erste Bauabschnitt zur Sanierung der Kirche in Nebelin (Gemeinde Karstädt) ist gestern mit dem Aufsetzen der Turmbekrönung abgeschlossen worden. Die mit Blattgold beschichtete Kugel, in die die Schatulle gesteckt wurde, hat die Blechwerkstatt Weber aus Saarmund (Potsdam-Mittelmark) nach originalem Vorbild nachgebaut. Die alte Kugel war kaputt und konnte nicht wieder aufgearbeitet werden. Erneuert wurde außerdem ein Teil der Wetterfahne und das schmiedeeiserne Kreuz erhielt eine neue Halterung, berichtete Matthias Weber. In 37 Metern Höhe wurde die Bekrönung montiert.

Sichtlich stolz verfolgte der Kirchenälteste Adolf Schulz die Montage. Der Fachwerkturm sei gekonnt wiederhergestellt worden, freute er sich. Balken und Traghölzer seien im Turm ausgetauscht worden, sagte Architekt Wieck. Viele Verbindungspunkte waren lose oder gebrochen. Im Rahmen der Arbeiten mussten zwölf Kubikmeter Schutt, der auf das Feldsteingewölbe drückte, aus dem Turm entfernt werden. Außerdem wurde der Kirchengiebel neu verfugt. Erstaunlich: Die Turmeindeckung von 1958 musste nicht ersetzt werden. "Die Eindeckung ist in einem guten Zustand", so der Perleberger Architekt Wieck.

Mit der Sanierung werde sichergestellt, dass die Kirche nicht nur für das Dorfbild erhalten bleibe, sondern dass sie weiter für Veranstaltungen genutzt werden könne, betonte Pfarrer Preisler. Das Gotteshaus bedeute auch den Leuten vor Ort etwas, die nicht der Kirche angehörten. Das zeige die Unterstützung für das Projekt. In der Kirche, die eine barocke Innenausstattung ziert, wird einmal pro Monat ein Gottesdienst gefeiert. Außerdem wird sie für Erntedankveranstaltungen, Schulanfangsgottesdienste, Kinderkirchentage und andere Veranstaltungen genutzt.

Die Sanierung soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden. Dann soll das Dach des Kirchenschiffes an die Reihe kommen. Die Kirchengemeinde hat für das Vorhaben Fördergelder beantragt und "hoffnungsvolle Zeichen" erhalten, dass diese bewilligt werden. 185 000 Euro werden für den zweiten Bauabschnitt benötigt. Dieser wird damit wesentlich teurer als der erste, der mit 101 000 Euro zu Buche schlug. Wenn der zweite Sanierungsabschnitt geschafft ist, gebe es 2009 ein Kirchweihfest, kündigte Pfarrer Preisler an. Das genaue Datum stehe noch nicht fest. Bereits Ende Oktober war der Abschluss des erstes Bauabschnittes zu diesem Zeitpunkt fehlte nur noch die Bekrönung mit einem Gottesdienst gefeiert worden. (Von Axel Knopf)

Märkische Allgemeine vom 14. November 2008

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