Abgeordnete im Kloster

Spektakuläre Nutzung leerer Sakralbauten / Plenarsaal unterm Dach der Franziskaner

Von Oliver Schwers

Angermünde / Prenzlau. Die Nutzung einer Kirche als Plenarssal diesen Vorschlag hat die Uckermärkische Denkmalbehörde gemacht. Mit bislang ungewöhnlichen Ideen sollen riesige Sakralbauten gerettet werden. Auch das Angermünder Franziskanerkloster wird nur spärlich betreten.

Besucher sind beeindruckt. Wer die riesige Halle der Franziskanerklosterkirche in Angermünde betritt, steht im puren Mittelalter. Zwar fehlen die Gewölbe des Backsteinbaus, doch fasziniert das Kirchenschiff schon durch seine Dimension. Das fast vollständig sanierte Denkmal eines der Touristenaushängeschilder der Stadt wird nur für kleinere Ausstellungen, einige Konzerte und die einmal jährlich stattfindenden Bautage genutzt. So recht weiß niemand, was man aus dem architektonisch interessanten kommunalen Gebäude machen könnte. Ähnlich ergeht es dem Partnerkloster in Prenzlau. Die Franziskanerkirche fristet in der Kreisstadt ein kaum beachtetes Dasein. Dabei soll ihre Architektur in direkter Beziehung zum Mutterkloster des Ordens in Assisi stehen. Lediglich von der noch acht Mitglieder zählenden Französisch-reformierten Gemeinde wird der Bau heute genutzt. Ein Förderverein, der das Denkmal unterstützen wollte, befindet sich in Auflösung.

"Solche Sakralbauten brauchen mitunter nicht einmal viel Geld, sondern Menschen", sagt Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Gemeint ist eine neue Nutzungsidee. Jedes Gebäude, das gebraucht wird, muss sich um seine Zukunft keine Sorgen machen. Leerstand dagegen beschleunigt den Verfall meist rasant.

Jetzt hat die Denkmalbehörde der Kreisverwaltung Uckermark einen überraschenden Vorschlag gemacht. Man könne doch im Raum der Prenzlauer Franziskanerkirche einen Plenarsaal der Stadtverordnetenversammlung unterbringen. Deren Abgeordnete suchen in der Tat nach einem geeigneten Sitzungsraum. Anstelle eine Neubaus wäre mit wenig Aufwand die vorhandene Kirche auf diese Weise öffentlich nutzbar.

"Ein genialer Einfall", kommentiert Bernd Janowski und fügt hinzu: "In den vergangenen Jahrhunderten wurden auch Stadtkirchen immer wieder von der politischen Gemeinde genutzt. Warum also nicht auch hier?" Nur wenige Meter weiter hat die Stadt bereits das aufwendig restaurierte Dominikanerkloster im Besitz. Kulturzentrum, Archiv und Museum fanden hier passende Mauern. Solche Vorzeigeobjekte machen landesweit Schule. Jüngstes Beispiel ist der Einzug des archäologischen Landesmuseums in ein Kloster in der Stadt Brandenburg. Solche historischen Bauten gingen überall im Land nach der Reformation in Staats- oder Gemeindebesitz über. Oder sie verfielen und sind wie in Gramzow als Ruine immer noch Anziehungspunkt. In Boitzenburg dient die Ruine des Klosters sogar als Theaterkulisse.

Bei einer Fachtagung in Prenzlau diskutierten Denkmalschützer und Historiker aus der Uckermark und anderen Landkreises über Sakralarchitektur im Spannungsfeld zwischen Nutzung und Denkmalpflege. Dabei sind spektakulär anmutende Ideen nicht einmal neu, wenn sie auch nicht immer gleich als pietätvoll bezeichnet werden. So hat gerade das Angermünder Franziskanerkloster wechselvolle Zeiten hinter sich. Es diente als Soldatenquartier, Pferdestall, Salzlager, Heimatmuseum und Abstellhalle für das städtische Müllauto.

Märkische Oderzeitung vom 20. November 2008

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