Stahlträger soll Kirchturm vor Einsturz retten

Von Sven Klamann

Stolzenhagen 

Stolzenhagen (MOZ)Der Turm des Gotteshauses von Stolzenhagen ist ein Wackelkandidat. Der mächtig in Schieflage geratene Aufsatz soll jetzt mit Stahlträgern vor dem Umkippen bewahrt werden. Die statische Absicherung des Bauwerks hat begonnen.

"Gottvertrauen allein reicht auch nicht immer weiter", sagt Lunows Pfarrer Thomas Berg, der für die gut 60 Mitglieder zählende evangelische Gemeinde in Stolzenhagen zuständig ist. In deren Treffpunkt, der zuletzt im Jahr 1737 umgebauten Kirche, nagt der Schwamm. Längst sind die tragenden Deckenbalken befallen. Dass das morsche Holz den Turm weiterhin trägt, grenzt an ein Wunder. "Kein Statiker kann mehr erklären, warum der Turm immer noch steht", betont der Hausherr in dem Gotteshaus. Dass es um die Standsicherheit nicht zum Besten bestellt ist, weiß er spätestens seit November/Dezember vorigen Jahres. "Da habe ich durch Zufall entdeckt, dass sich schon Teile der Orgel verzogen haben", sagt Thomas Berg. Dies habe ihm klar gemacht, dass das Gemäuer in Bewegung sei.

Damals kamen die ersten Stahlträger ins Innere der Kirche. Zwar verhüten sie zumindest bisher Schlimmeres und erfüllen damit ihren Zweck, die Statik notdürftig zu sichern. "Aber auf Dauer, das ist uns allen klar, reichen die zusätzlichen Pfeiler nicht. Obendrein sind sie alles andere als ansehnlich", fügt der Pfarrer hinzu.

Dass die Stolzenhagener Kirche saniert werden muss, war bereits allen klar, als vor gut zehn Jahren die Gefache des Turms erneuert wurden. "Doch uns fiel und fällt es schwer, das Geld dafür aufzutreiben", betont Thomas Berg. Allein die jetzt endlich angelaufene statische Sicherung wird auf 65 000 Euro veranschlagt, von denen der Kreis Barnim 6000 Euro übernimmt. "Den Rest teilen sich Kirchenkreis, Gemeinde und Landeskirche", sagt der Pfarrer, der es als Glück im Unglück ansieht, dass die enorm gestiegene Einsturzgefahr dazu geführt hat, Geldreserven zu erschließen.

Restauratorische Untersuchungen haben ergeben, dass knapp 240 000 Euro erforderlich wären, das Gotteshaus wieder in einen Zustand zu versetzen, der seinen Erhalt für die nachfolgenden Generationen garantiert. "So müsste unter anderem die Holzbalkendecke saniert und das Kirchenschiff neu eingedeckt werden", teilt Thomas Berg mit. Beides zusammen würde weitere 35 000 Euro kosten. Doch eine Finanzierungsquelle dafür sei weit und breit nicht zu sehen, bedauert er.

Der Pfarrer wäre bei allem Gottvertrauen schon dankbar, wenn sich die statische Sicherung halbwegs im vorgegebenen Kostenrahmen bewegt. "Meist aber werden Bauarbeiten teurer als geplant. Deshalb sind wir über jede Spende froh", sagt er.

Derzeit reißen zwei Mitarbeiter des Baudenkmalpflegers Jürgen Friedrich aus Frankfurt (Oder) die Zwischendecke in der Kirche heraus. So soll Platz für den Einbau des größten Stahlträgers geschaffen werden, der rund neun Meter lang ist und knapp drei Tonnen wiegt. Sein Antransport ist für Mitte dieses Monats vorgesehen.

"Ich hoffe, dass das Gotteshaus zu Weihnachten wieder nutzbar ist - wenigstens unter Baustellenbedingungen", hebt Thomas Berg hervor.

Märkische Oderzeitung vom 04. Dezember 2008

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