Rettung für baufällige Denkmalkirche von Kolpien

Noch bewahrt nur eine Notkonstruktion aus Holzstützen die Kolpiener Kirche vor dem Auseinanderbrechen. Doch für den denkmalgeschützten Bau aus dem 13. Jahrhundert ist Rettung in Sicht. Das brandenburgische Kulturministerium hat für den ersten Bauabschnitt Fördergeld bewilligt. Laut Architekt Thomas Kuhn beginnen noch in diesem Jahr Arbeiten zur Sicherung des Mauerwerks.

Kolpien 

Die Kirche hat weithin sichtbare, tiefe Risse. Ende der 1980er-Jahre, als sie in dem Gotteshaus heiratete, hätten sich dort bereits erste Schäden gezeigt, erzählt Gemeindekirchenrätin Evelin Müller. "Richtig schlimm aber wurde es in den letzten fünf Jahren", sagt sie.

Die 82-jährige Waltraud Sprenger kümmerte sich bis vor Kurzem als ehrenamtliche Küsterin um das Reinigen und Schmücken der Kirche vor den Gottesdiensten. "Im Sommer haben wir die größten Schadstellen hinter Birkenzweigen versteckt", erinnert sie sich. Der Hilferuf an verschiedene Geldgeber sei lange ungehört verhallt, berichten die Frauen. "Wir haben kaum noch damit gerechnet, dass was passiert. Um so mehr freuen wir uns jetzt", erklärt Evelin Müller.

Auf rund 158 000 Euro beziffert die Gemeindekirchenrätin die Kosten für den ersten Bauabschnitt. Davon fließen mehr als 86 000 Euro aus dem Fördertopf von Bund und Land. Mit rund 67 000 Euro beteilige sich der Kirchenkreis Bad Liebenwerda, knapp 5000 Euro steuere die eigene Kirchengemeinde bei, sagt Evelin Müller.

Gutachten hätten ergeben, dass nicht das Dach das Sorgenkind sei. "Es gibt zwar Schäden an der Mauerschwelle und an einzelnen Balkenköpfen", erläutert Architekt Thomas Kuhn. Problematischer aber sei die schlechte Tragfähigkeit des Baugrundes. Die Kirche stehe auf schluffigem, lehmigem Boden, in dem sich Nässe staue, sagt Kuhn.

Ein Mittel zur Verfestigung in den Baugrund zu injizieren, sei nicht bezahlbar, erklärt er. Stattdessen soll das Mauerwerk stabilisiert werden. In jede Wand würden Anker eingebracht, verspannt und mit Mörtel verpresst. Eingefallene Fensterwölbungen würden zum Teil abgetragen und neu aufgemauert. Zudem würden die Risse im Kircheninneren ebenfalls mit Mörtel verpresst. Schäden am Dachstuhl würden ausgebessert, zählt er auf.

Das Etappenziel

"Es geht um Sicherung, noch nicht um Restaurierung", nennt der Architekt das Etappenziel. In der Folge soll beobachtet werden, ob es zu weiteren Setzungserscheinungen kommt. Die Instandsetzung von Turm und Fenstern seien nächste Wünsche, sagt er.

Im Doppeldorf Schöna-Kolpien ist bereits die Kirche von Schöna aufwendig saniert worden (die RUNDSCHAU berichtete). Dass nun auch für das Gotteshaus im kleineren Kolpien mit 67 Gemeindemitgliedern Geld fließt, sei dem Denkmalswert des Bauwerks geschuldet, erklärt der Architekt. Laut Pfarrer Dirk Lehner war die Kirche im 13. Jahrhundert ein flachgedeckter Feldsteinbau. Eine Besonderheit an der Außenmauer sei die aus dem Mittelalter erhaltene Ritzquaderung. Dieser Putz über dem Mauerwerk sei dem Tempel in Jerusalem nachempfunden worden, einem Quader aus Sandstein. Im Inneren hätten Restauratoren unter der Wandbemalung aus dem 18. Jahrhundert ältere Ausmalungen entdeckt, so der Pfarrer. Thomas Kuhn erklärt, auch die Restaurierung der Malereien werde eine Aufgabe für die Zukunft sein.

Idee: Förderverein

"Ist ein Anfang gemacht, wird sich das Weitere finden", hofft Evelin Müller. Sie regt an, wie in Schöna einen Förderverein für die Kirchensanierung zu gründen. "Ein Verein ist hilfreich, um Geld zu beantragen und Spendenaktionen zu initiieren", sagt sie.

Von Carmen Berg

Lausitzer Rundschau vom 04. Dezember 2008

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