Kirche mit viel Potenzial, aber klammer Kasse

Der rosa Kirchturm mit der zwiebelförmigen Spitze ist schon von weither für jedermann ersichtlich.

Wahrenbrück 

Steht der Besucher schließlich vor der Kirche Wahrenbrück, offenbart sich ihm eine eher schlichte und schroff wirkende Kirchenfassade, von der sich nur der schon erwähnte Kirchturm abhebt. Bei genauerem Hinsehen aber wird ein Bauwerk voller Überraschungen erkennbar.

"Es finden sich viele Symbole an den Außenwänden, deren Bedeutung bis heute kaum geklärt ist", sagt Pfarrer Michael Seifert. So erkennt man an einer Kirchenseite ein Schwert und über einem Fenster prangen zwei gekreuzte Hämmer. "Die Hämmer sind Bergmannshämmer. Da auch Domsdorf und Wildgrube, zwei Dörfer mit langer Bergbaugeschichte, zur evangelischen Kirchengemeinde gehören, könnte das Fenster sogar von ihnen gestiftet worden sein."

Zudem seien die Gebrüder Graun in der Kirche getauft worden und der damalige Kantor hätte sie schon im Kindesalter mit der Musik vertraut gemacht. "Nach vielen Bränden sind jedoch keine Dokumente aus der Zeit vor 1714 mehr vorhanden", bedauert der 49-jährige Pfarrer.

Dass die Kirche einige harte Jahre hinter sich hat, sieht man ihr an: Eine verwitterte Fassade, bei der sich Putz und blanker Stein ständig abwechseln und ein altes Dach mit verblassten Ziegeln. Deshalb sei eine Sanierung dringend erforderlich. "370 000 Euro hat ein Kostenvoranschlag als Sanierungskosten ausgewiesen. Allein können wir so viel Geld nicht aufbringen, aber es besteht dringender Handlungsbedarf", mahnt der Pfarrer. Doch die Kommune hat sich bereiterklärt, der Kirche unter die Arme zu greifen. Derzeit kann so zumindest eine Dämmung der Kirchendecke mit anschließender zusätzlicher Dielung realisiert werden.

Der aus Torgau stammende Pfarrer ist bereits seit 1999 in Wahrenbrück tätig und engagiert sich seither um ein offeneres Auftreten seiner Kirche. "Die Kirche soll für jeden da sein und auch jedem offen stehen. Trotzdem wollen wir auch die Tradition bewahren."

Auf Grund der bis zum 14. Dezember dauernden Bauarbeiten präsentiert sich der Innenraum alles andere als einladend. Die Sitzbänke, der Altar, die Orgel und das hölzerne Taufbecken sind mit Folien abgedeckt. Wer jetzt in der Kirche verweilt, hört ein ständiges Poltern über seinem Kopf. Sein jetzige Aussehen verdankt der Kircheninnenraum Pfarrer Lothar Wengler, dem Vorgänger von Michael Seifert. Über 40 Jahre war er in Wahrenbrück tätig gewesen und hat in dieser Zeit viel verändert. Manchmal auch gegen die Ansichten der Einwohner. "Er entschied beispielsweise die knapp 130 Jahre alte Orgel durch eine neue zu ersetzen. Diese steht nun nicht mehr auf der Empore sondern unten neben der Kanzel, welche im Übrigen auch für manche Beschwerde gesorgt hat. Die Leute fanden sie zu klein und verglichen sie mit einem Pult für Büttenredner", erläutert der Pfarrer.

Aber der damalige Pfarrer setzte sich durch und initiierte Mitte der 90er-Jahre auch die Sanierung des Kirchturms mit. Nun, über zehn Jahre später, soll der Rest des Gebäudes folgen. Geplant ist, die bleiverglasten Fenster, den Außenputz, den Innenraum und das Dach zu sanieren. Wenn möglich, soll sogar eine Heizung installiert werden. Woher das Geld dafür kommen soll, steht allerdings noch in den Sternen. "Die Stadt wird einen Teil mit tragen, aber da es keinen Förderverein gibt, müssen wir den Rest wohl über Spenden sammeln."

Sehr stolz sei man, dass wieder ein Kirchenchor gegründet wurde. Dieser bestehe aus 15 Frauen, welche am 3. Advent, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sein sollen, in der Wahrenbrücker Kirche um 17 Uhr mit Adventsmusik begeistern wollen.

Lausitzer Rundschau vom 09. Dezember 2008

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