Eine schlichte Schönheit

Wer die Hallen der katholischen Klosterkirche in der Elbestadt betritt, bemerkt die Schlichtheit und Anspruchslosigkeit der früheren Nonnen. Wenige Verzierungen, einfache Materialien, kaum Reliquien. Doch die Geschichte des geistlichen Hauses ist weder inhaltslos noch schnell erzählt, denn ihre Wurzeln reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück.

Klosterkirche in der Elbestadt 

"Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche stammt aus dem Jahr 1228", sagt Pater Ansgar Schmidt. Der Angehörige des Claretinerordens ist bereits seit 2000 Priester in Mühlberg. Der gewaltige Eindruck, den die Klosterkirche von außen macht, setzt sich im Inneren fort: Das kreuzförmige Backsteingebäude besticht mit hohen Decken und einem weitläufigen Innenraum. "Einst ging die Empore bis zur Hälfte der Kirche. Damals hielten die Zisterziensernonnen täglich ihr Gebet hier ab und wollten damit ihre Abgeschiedenheit zur restlichen Welt bekräftigen", erklärt der Pater.

Heute soll die Kirche aber keineswegs abgegrenzt von der Gemeinde agieren. Gleich neben dem alten Zisterzienserkloster befindet sich der Gemeindekirchensaal. Hier spielt sich das eigentliche Kirchenleben ab. In den 1970er-Jahren entstand der Saal in Eigenarbeit der geistlichen Gemeindemitglieder. Zuvor seien die Gottesdienste in der Schlosskapelle, der Friedhofskirche und der Klosterkirche abgehalten worden. Seit nunmehr 30 Jahren bietet der Kirchensaal Platz für Hochzeiten, Taufen und Gottesdienste. In der Wendezeit kam schließlich sogar eine Orgel hinzu.

Obwohl das Gotteshaus nicht mehr den eigentlichen Mittelpunkt des Kirchenlebens darstellt, bemüht sich die Gemeinde nach Kräften alle Geheimnisse des Bauwerks zu lüften und zu bewahren. So fanden im Herbst dieses Jahres archäologische Ausgrabungen am Fundament statt, welche Aufschluss über die Geschichte der Klosterkirche gaben. "Nach der Reformation jedoch wurde das Kloster aufgelöst und der Innenraum mehr und mehr nach protestantischen Vorstellungen gestaltet. So entstanden die noch heute vorhandenen Seitenemporen", gibt Pater Ansgar Schmidt einen geschichtlichen Einblick. Außen weise das ehemalige Zisterzienserkloster hingegen noch dessen typische Merkmale auf. Statt eines Kirchturms ist ein Dachreiter in der Mitte der kreuzförmigen Konstruktion vorhanden, wie ein kleiner Fingerzeig gen Himmel.

Um diesen zu erhalten sei eine Sicherung des Dachstuhls nötig. Dank mittlerweile bewilligter Gelder, konnten die Vorbereitungen der Arbeiten bereits in den vergangenen Tagen beginnen. Eine weitere Baustelle bildet im Moment die Sakristei. "Vor allem durch eine Spende der Volksbank-Raiffeisen-Stiftung wurde diese Sanierungsarbeit möglich gemacht", berichtet der 51-jährige Priester.

Lausitzer Rundschau vom 18. Dezember 2008

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