DENKMAL: Risse im Gemäuer

Die Hennigsdorfer Martin-Luther-Kirche muss saniert werden / Die Gemeinde bittet um Spenden

HENNIGSDORF - Clemens Liepe war noch gar nicht richtig im Amt, da fand bereits die erste Bauberatung statt. Der neue Pfarrer der evangelischen Martin-Luther-Gemeinde ist solcherart Kummer gewöhnt. Bis vor sechs Wochen noch hatte er die Pfarrstelle in Trebbin (Teltow-Fläming) inne. Und dort geht die Sanierung der denkmalgeschützten, fast 300 Jahre alten St. Marienkirche gerade ihrem glücklichen Ende entgegen.

Die Hennigsdorfer Martin-Luther-Kirche ist zwar "nur" halb so alt. Doch auch an ihr hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen. Der neoromanische Ziegelbau sieht nur auf den ersten Blick grundsolide aus. Beim genaueren Hinsehen kann man Feuchtigkeitsschäden im Fundamentbereich entdecken und Risse im Mauerwerk. Die reichen bis ins Kircheninnere. Das große Apsisgemälde "Einladender Christus" hat bereits Schäden abbekommen. In der Sakristei einem späteren Anbau senkt sich der Fußboden, ein Schrank steht schon seit Jahren schief. Im Kirchenschiff drohen die Bleiglasfenster herauszufallen. Die Mängelliste ist lang.

Schließlich muss auch das Dach neu gedeckt werden. Und weil auf der Mauerkrone an den beiden Giebelseiten bereits die Dachziegel locker sind, wurden vor kurzem Bauzäune und provisorische Vordächer errichtet, damit niemandem etwas auf den Kopf fällt.

Billig wird das alles nicht. "Erste Schätzungen gehen von 300 000 bis 350 000 Euro aus", erklärt Clemens Liepe. Aus eigener Kraft kann die Kirchengemeinde das nicht stemmen. Etwa 70 000 Euro befinden sich in der Rücklage. "Wir sind auf Beihilfen der Landeskirche und des Kirchenkreises Berlin-Nordost angewiesen", sagt der Pfarrer. Erste Gespräche hat es auch mit der Stadt gegeben. Die Kirche liegt mitten im innerstädtischen Sanierungsgebiet. Für diesen Bereich werden in jedem Jahr Landesfördermittel für die Instandsetzung von Dächern, Fenstern und Fassaden bereitgestellt. Auch für das Kirchengebäude könnte es einen solchen Zuschuss geben.

Nicht zuletzt hofft der Gemeindepfarrer auch auf Spenden. Erste Reaktionen gebe es bereits, sagt er. "Das ist ein schönes Zeichen", fügt Clemens Liepe an.

Im Frühjahr soll ein Flyer fertiggestellt sein, auf dem das gesamte Vorhaben beschrieben ist. "Damit die Leute genau wissen, wofür das Geld bestimmt ist, das sie uns geben", erklärt der Pfarrer.

In den nächsten Monaten sollen die genauen Planungen in Angriff genommen werden. Sowohl die detaillierte Bauplanung als auch der Finanzplan.

"Wenn die genauen Summen feststehen, werden wir an viele Türen klopfen müssen, um das nötige Geld zusammenzubekommen", sagt Clemens Liepe und hofft, dass im Laufe des Jahres die Finanzierung steht. "Dann", so sagt er, "könnte das Bauvorhaben 2010 über die Bühne gehen." (Von Ulrich Bergt)

Märkische Allgemeine vom 09. Januar 2009

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