SANIERUNG: Im Kirchengebälk ist der Wurm drin

Nagekäfer befallen St. Marienkirche in Gransee / Grundreinigung der Orgel noch in diesem Jahr

GRANSEE - Quasi aus heiterem Himmel traf es Gransees Kirchengemeinde im vergangenen Frühjahr: Im großen Kirchenschiff fressen sich Holzwürmer durch Bänke und Stühle, die beiden Altare und auch durch das Christus-Corpus-Triumpfkreuz. Täglich waren neue Löcher und neue kleine Häufchen aus Holzmehl zu sehen.

Mit zertifizierten Antiholzwurmmitteln trachteten die Gemeindemitglieder den Schädlingen fortan nach dem Leben, wohlwissend aber, dass die Wirkung eines für Menschen unschädlichen "biologischen Kampfstoffes" zumindest zeitlich recht begrenzt ist. Auf allen Vieren bewegten sich die "Retter in der Not", unter ihnen auch der Pfarrer, durch die Kirche, um schon bald aber die Richtung zu erkennen, aus der sich die Schädlinge ins Kirchenschiff vorarbeiteten: durch die Lampenzugänge vom Dachstuhl her. Und dessen Gebälk war im unteren Teil tatsächlich nicht minder betroffen.

Hier aber galt es, den Winter abzuwarten, die beste Zeit für einen Kampf gegen die Nager. Damit beschäftigt sind über den Gewölbekappen gegenwärtig die Dachdeckermeister Uwe und Mathias Melzer aus Lindow sowie deren Lehrling Norman Bornmann. Mittels Kompressoren und vertretbaren Holzschutzmitteln gehen sie gegen den Befall vor. "Zum Glück ist der Dachstuhl nur bis in eine Höhe von etwa 2,5 Meter betroffen", sagte Pfarrer Heinz-Dieter Schmidtke. "Müssten auch die etwa 20 Meter bis hoch zum First behandelt werden, wir könnten das gar nicht bezahlen." Die gut 6000 Euro für die derzeitige Kur seien schon ein richtiger "Schlag ins Kontor".

Das beste Fraßholz hatten die Würmer offenbar in Laufbohlen gefunden, die in den 60er Jahren über dem Kirchengewölbe verlegt worden waren. Von diesen aus, so stellten die Fachleute rasch fest, waren sie in den eigentlichen Dachstuhl vorgedrungen. Das epidemische Ausmaß hänge offenbar mit dem vorangegangenen Winter zusammen. Die fehlende Kälte 2007/2008 sei für diese sechsfüßigen Insekten eine ideale Kinderstube gewesen.

Aber wir haben auch "Glück im Unglück", sagte der Pfarrer im Folgenden. Zum einen seien in seinem Zuständigkeitsbereich nur die Kirche in Gransee und Schulzendorf betroffen, während die Gotteshäuser von Rönnebeck, Schönermark und Sonneberg verschont blieben. Zum anderen, und das sei nicht minder wichtig, verschonten die Käfer in St. Marien die über 250 Jahre alte Orgel. Diese wäre meist abgedeckt gewesen. "Vielleicht aber behagt dem Holzwurm auch unsere Musik nicht, und wenn dem so ist, dann Gott sei dank", meinte der Pfarrer. So könne noch dieses Jahr mit der Grundreinigung und Grundstimmung begonnen des Instruments werden. Dass das teuer werde, sei sicher. Die Gemeinde hofft aber, dass die Besucher die Opferstöcke künftig öfter bedienen als bisher. (Von Wolfgang Gerth)

Märkische Allgemeine vom 13. Februar 2009

   Zur Artikelübersicht