DENKMALSCHUTZ: Sandwüste im Kirchenschiff

Die Hülle von St. Sebastian ist zwar gerettet, aber im Innenraum siehtís jetzt trostlos aus

BARUTH/MARK - "Wir haben ein Denkmal erhalten, aber keine Kirche mehr", sagt Baruths Pfarrer Georg Thimme und schaut mit trauriger Miene auf den noch trauriger wirkenden Innenraum des eigentlich prächtigen Gotteshauses. Noch weiß er nicht, wie er es schaffen soll, dass der Kirchenraum bis Ende April wieder zu gebrauchen ist. Denn bis dahin "muss er nutzbar sein", so Pfarrer Thimme, weil dann das neue Musical, das die Gemeinde mit Kindern und Jugendlichen für den nächsten evangelischen Kirchentag einstudiert, hier seine Uraufführung feiern soll.

Aber nicht nur als Musicalhalle, sondern auch als Kirchenraum vermisst die Gemeinde ihr angestammtes Kirchenschiff. Zwar konnte man in den Gemeinderaum im Turm ausweichen, aber der bietet auch nur Platz für höchstens 60 Gottesdienstbesucher.

So schwebt Thimme derzeit eine provisorische Lösung vor, indem die Sandwüste auf dem Boden erst einmal mit Estrich überdeckt wird, der stark genug ist, zunächst als fester Boden zu dienen und später den alten Fußboden und das Gestühl zu tragen.

Denn das gesamte Kirchengestühl und der Boden aus roten Backsteinen und Holzdielen musste im vergangenen Sommer herausgenommen werden, damit die mit Raupenbändern versehenen Maschinen an die acht Säulen herankommen konnten. Die Pfeiler drohten nämlich weiter im torfigen Untergrund zu versacken, während die Außenfundamente bereits unterfangen waren. Die zwangsläufige Folge wäre gewesen, dass das Kirchengebäude in sich zusammenbricht. Rechtzeitig konnten Fördermittel aufgetrieben werden, auch die Säulen zu unterfangen, indem Beton mit Hochdruck unter sie gepumpt wurde. Inzwischen sind auch die beiden Turmfassaden erneuert und ihre Dächer ausgebessert worden. Noch in diesem Jahr sollen das Dach und die Fassade des Kirchenschiffes restauriert werden.

Nur: Für die jetzt erforderliche Wiederherrichtung des Innenraums fehlt das Geld.

So müsste der Fußboden neu verlegt und das Gestühl erst aufgearbeitet werden, bevor es wieder aufgestellt wird.

Ach ja: Mit der alten pneumatischen Wagner-Orgel verfügt die Kirche über ein echtes Kleinod. Sie ist zur Zeit gut verpackt und somit vor Staub und Sand geschützt. Spielen kann sie auch noch, aber dass sie dringend saniert werden muss, kann man hören. Das wäre dann die nächste Aufgabe, denn: Was ist eine Kirche ohne Orgel? (Von Hartmut F. Reck)

Märkische Allgemeine vom 19. Februar 2009

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