SPENDENAKTION: Die Steinlaus muss sterben!

Loriots Taufkapelle kann noch 2009 vollständig saniert werden

"Keine Chance der Steinlaus!" war das Motto, mit dem die Stadt und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) um Unterstützung für das Geschenk zum 85. Wiegenfest für den Ehrenbürger der Stadt Loriot gebeten hatten. Steinlaus und Holzwurm machen der Kapelle den Garaus. 85 000 Euro, so hatte eine Voruntersuchung gezeigt, würden für die Restaurierung der stark geschädigten Nordkapelle und ihrer wertvollen Ausstattung benötigt. 11 000 Euro spendeten Brandenburger Bürger, 20 000 Euro kommen aus der Stadtkasse. Die restlichen Mittel schießt die DSD dazu, die bundesweit um Spenden für die Kapelle gebeten hatte. Mit großem Erfolg wie Ursula Schirmer, Sprecherin der Stiftung, sagt. Die Übergabe an die Gemeinde ist am 3. März.

Loriot, der 1923 in der Kapelle getauft wurde, fühlt sich seinem Geburtsort verbunden: Das beweisen sein Engagement in der von ihm gegründeten Loriot-Stiftung und ein Brief an Dietlind Tiemann im Vorjahr, in dem er der Stadt dankt: "Die schönste Geburtstagsfreude ist für mich aber die Sanierung und Restaurierung der ehemaligen Taufkapelle. So Gott will, werden wir uns im nächsten Jahr beim Festkonzert wiedersehen und uns am neuen alten Glanz der Kapelle erfreuen." Damit ist klar: Noch in diesem Jahr muss die Sanierung, die bereits auf Hochtouren läuft, abgeschlossen werden.

Beauftragt und in Teilen abgearbeitet wurden bereits die Holzschädlingsbekämpfung, die Demontage des Altares, die Gerüststellung und die erste Etappe der Wiederherstellung der Putz- und Farbfassung der mittelalterlichen Kapelle. Besonders zufrieden ob des glücklichen Endes des Unterfangens ist die Denkmalschützerin Anja Heinicke.

Sie hatte sich an vorderster Front für das "Geburtstagsgeschenk" eingesetzt. Auch, weil der Künstler, dem die Kunst so wichtig ist, sich in großem Stil für Brandenburg einsetzte.

Allein für den Dom hatte Loriot mit Hilfe der DSD über eine Million Mark gesammelt. (Von Benno Rougk)

Fakten zur ehemaligen Taufkapelle in St. Gotthardt

Die ehemalige Taufkapelle gehört mit ihrem spätgotischen Zierornamenten zu den Kleinodien der Backsteingotik in Brandenburg an der Havel.
Sie wurde um 1472 als Taufkapelle der Altstädtischen Pfarr- und Ratskirche im Herzen der Altstadt errichtet.
Das Wandgemälde an der Stirnwand im Kirchenlanghaus aus der Zeit um 1585 zeugt von der Nutzung der Kapelle durch die Familie von Saldern.
1906 wurde die Kapelle letztmalig saniert: Die Reste des privaten Saldria-Überganges wurden beseitigt, die reiche Fassadengliederung hergestellt, eine Trennwand zur Kirche errichtet.
Zur wertvollen Ausstattung der Kapelle gehört der monumentale, ehemalige Hauptaltaraufsatz der St.-Gotthardt-Kirche, dessen Leinwand 1874 von Carl Gottfried Pfannschmidt gemalt und von einem vergoldeten Eichschnitzwerk gerahmt ist.
Das barocke Porträt des Superintendenten Prätorius, die in eine Fensternische eingemauerte Grabplatte des Saldria-Inspektors Conovius (1623) und das Chorgestühl werden mit Spenden restauriert.

Märkische Allgemeine vom 27. Februar 2009

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