RESTAURIERUNG: Die letzte Etappe läuft

Paretzer Dorfkirche wird bis spätestens 2010 komplett saniert sein / Noch fehlen 10 000 Euro

PARETZ - Viele Um- und Ausbauten, Ausmalungen der Decke und der Innenwände hat die denkmalgeschützte Paretzer Dorfkirche schon über sich ergehen lassen. Derzeit ist der Innenraum schon wieder eingerüstet. Dieses Mal geht es um die Seitenwände und die Aufarbeitung des Gestühls.

"Wir hoffen, die Arbeiten bis Ostern abzuschließen. Dann können die Besucher die Farbgebung und Ausmalung des Innenraumes so erleben, wie sie der Preußische Landbaumeister David Gilly im Jahre 1797 schuf und im historischen Skizzenbuch von 1811 beschrieben wurde," ist Ingeborg Keil, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, optimistisch.

Sechs, teilweise sogar acht Farbschichten mussten entfernt und vorsichtig "Musterfenster" freigelegt werden. Nach diesen schuf Restaurator Klaus Ricken einen Entwurf für die künftige Ausmalung der Seitenwände. Das war deshalb nicht ganz einfach, weil schon 65 Jahre nach Gilly ein weiterer Umbau im Innern der Kirche erfolgte.

August Stüler ließ die Farbgebung durch eine einfachere ersetzen. Außerdem erhielt der düstere Kirchenraum auf jeder Seite zwei zusätzliche Fenster. Dadurch ergab sich eine andere Ausleuchtung auf die Malerei von Gilly, die möglicherweise heute nicht mehr passt und für die Denkmalschützer ein Problem sind.

Einig sind sich Kirchengemeinde und Restauratoren, dass die Fenster bleiben sollen. "Deshalb," so Hans-Wolfgang Keil vom Gemeindekirchenrat, der die Restaurierungsarbeiten fachlich und bautechnisch betreut, "plädierten die Denkmalschützer für eine einfache, fast neutrale Farbgebung." Nun hofft Keil auf einen Kompromiss: "Der Gemeindekirchenrat möchte die Ausmalungen von 1797 möglichst auf allen Wänden haben." Man werde darüber unter anderem heute mit den Vertretern der Denkmalschutzbehörde vor Ort sprechen.

Einigkeit besteht darin, dass die an der Rückwand des Chores zu sehenden Wandgemälde, die vermutlich sogar aus dem 14. Jahrhundert stammen, als Zeugnisse der Wandbemalung noch vor 1797 erhalten bleiben sollen.

Etwa 500 000 Euro wird die vor dreizehn Jahren begonnene Sanierung des Gotteshauses insgesamt kosten, allein 90 000 Euro der jetzige Abschnitt. "Alles das haben wir aus Spenden der jährlich etwa 15 000 Besucher, von Betrieben, Stiftungen und auch aus Zuschüssen der Stadt Ketzin finanziert," bilanziert Ingeborg Keil. Dafür danke sie allen, die halfen, dieses bau- und kunsthistorische Kleinod in Paretz zu erhalten. Sie verhehlte aber nicht, dass noch rund 10 000 Euro für den Abschluss der Arbeiten fehlen, deshalb sei die Kirchengemeinde für Spenden dankbar.

Auf jeden Fall werde abgesichert, dass die Besucher zum 200. Todestag von Königin Luise im Jahre 2010 ein komplett restauriertes Gotteshaus vorfinden. Möglich sein soll dann auch die Verknüpfung standesamtlicher Trauungen im Vestibül des Schlosses und kirchlicher Trauungen in der Kirche. (Von Wolfgang Balzer)

Märkische Allgemeine vom 11. März 2009

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