BAUEN: Liebe auf den ersten Blick

Stiftung unterstützt weitere Sanierung der Kaniner Wehrkirche

Von Norbert Stein

KANIN - Zum Abschluss der jahrelangen umfangreichen Sanierung der Dorfkirche Kanin hatte die Kreuz-Kirchengemeinde Bliesendorf gestern zu einem Festgottesdienst eingeladen. Die Erneuerung des Gotteshauses wird seit über 16 Jahre vom Berliner Architekt Joachim Tost begleitet. Nun können weitere Vorhaben in Angriff genommen werden, denn finanzielle und materielle Unterstützung von Sponsoren ist zugesagt. Damit kann die älteste Wehrkirche in der Mark Brandenburg im Mitteldorf der drei bis 1815 sächsischen Dörfer Kanin, Busendorf und Klaistow weiter vervollständigt werden. Die Banksitzheizung bewährte sich bereits. Weitere Restaurationen der von Hans Herzlieb 1696 aufgebrachten Ornamente an der Holzdecke werden in diesem Jahr abgeschlossen. Das hat sich jedenfalls Restaurator Wieland Geipel vorgenommen. Um den Innenraum und vor allem die bemalte Decke gegen Witterungsunbilden noch besser zu schützen, bot der Baufachmann Michael Thrams sein Können beim Einziehen einer Zwischendecke unter den Ziegeln auf.

Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz fand gestern nach seiner Predigt eine dankbare Festgemeinde vor. "Die Dorfschönheit von Kanin braucht aber ständig die treueste Pflege. Dann wird sie auch in weiteren 600 Jahren ein Kleinod – und vor allem eine Kirche sein, die genutzt wird, wo Gebet und Andacht im Gemeindezentrum möglich sind."

Die einstigen Berliner Klaus und Leonore Witzel nahmen eine rund 670 Kilometer Anfahrt gern auf sich. "Bald nach der Wende suchten wir in Verbindung mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz eine Kirche im Brandenburgischen, an der wir etwas für ihren Erhalt beitragen können", sagt Leonore Witzel. "Es war Liebe auf dem ersten Blick, obwohl wir bei scheußlichem Wetter diese Kirche besuchten." Sie richteten bei der Stiftung Denkmalschutz eine Stiftung ein, von deren Zinsen die Deckenmalerei bezahlt werden soll. Der wohltätigen Hand von Vera-Irene Rottmann aus Berlin ist die Sitzheizung zu verdanken.

Eigentlich feierte die Gemeinde schon 2002 den Abschluss der Sanierung, bevor der damalige Pfarrer Gerhard Ruckert in den Ruhestand ging. Die Gemeinde hatte seinerzeit Glück. "Über das Engagement von Herrn Hennig aus dem Bauamt gelang der Kontakt zur Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die unserer Kirchengemeinde gleich nach der Wende unter die Arme griff", erinnert sich Ruckert. Dem im 17. Jahrhundert errichteten und völlig morschen Holzturm sowie dem Dach des Saalbaus rückten Bauarbeiter zuerst zuleibe.

Nach und nach ermöglichten es Gelder unter anderen von der Stiftung, der Landeskirche, vom Land, vom Kirchenkreis und aus kommunalen Geldtöpfen, dass das Feldstein-Gotteshaus wieder zu einem Schmuckstück gestaltet werden kann.

Kanzel und Altar mit dem Bild des Heiligen Abendmahls stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Während der vorigen Sanierung 1926 baute die Firma Schuke eine kleine Orgel ein. Bei den weiteren Arbeiten traten Wandbilder wie der Einzug Jesus’ auf einem Esel nach Jerusalem sowie Heiligenbilder und Weihekreuze aus dem 13. Jahrhundert zutage. Es ist anzunehmen, dass die Kaniner Kirche in diesem Jahrhundert gebaut wurde. Chronisten schreiben von 1138. Die Jahreszahl 1640 in Verbindung mit dem Namen Martin Schalm belegt den Einbau von Empore und Gestühl.

Die Evangelische Kreuz-Kirchengemeinde hat vor, dieses Gotteshaus, das zu den wertvollsten Baudenkmalen dieser Gegend zählt, einer vielfältigen Nutzung zuzuführen. "Dafür erarbeiten wir ein Leitbild unserer Kirchengemeinde", sagte der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Manfred Gärtner. Pfarrer Andreas Uecker denkt an Konzerte. Lothar Knappe an der Orgel und Hornist Gisbert Näther gaben zum Festgottesdienst einen Vorgeschmack. (Von Wolfgang Post)

Märkische Allgemeine vom 16. März 2009

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