DENKMALPFLEGE: Neue Farbe für den Altar

Kirchengemeinde Halenbeck will endlich die umfangreiche Kirchensanierung abschließen

HALENBECK - Vor knapp 20 Jahren stemmte die Kirchengemeinde Halenbeck (Amt Meyenburg) ein Vorhaben, bei dem andere schon von vornherein abgewinkt hätten: Sie ließen ihre Kirche sanieren. Der Fachwerkbau war Wind und Wetter ungeschützt ausgesetzt, das Dach marode, die Fenster kaputt und sogar die Gefache kamen an einigen Stellen bereits aus dem Mauerwerk. Heute ist die kleine Kirche in Saalform ein schmuckes Kleinod, nachdem sie zwischen 1992 und 1998 vom Architektur- und Planungsbüro Dünkel und Partner denkmalgerecht saniert wurde.

Nun soll der letzte Schritt getan werden: Die Kirchengemeinde möchte möglichst noch in diesem Jahr den frühbarocken Kanzelaltar restaurieren und an die Farbgebung im Inneren des Gotteshauses anpassen lassen. "Das haben wir damals nicht mehr geschafft, das Geld war alle", sagt der zuständige Pfarrer Christian Ruch aus Freyenstein angesichts der enormen Kosten für die Kirchensanierung. Der Altar hebt sich mit seiner rostroten Farbgebung deutlich vom Inneren der Kirche ab: Sie wurde bei der Sanierung in Weiß und zartem Graublau gestrichen. Besonders hübsch kommen die farblich abgesetzten Kassetten an der Empore zur Geltung. "Der Altar soll nun auch hell gestrichen werden", bestätigt Erhard Witte, stellvertretender Vorsitzender des Gemeindekirchenrates.

Der rotbraune Anstrich, der heute nur noch den hölzernen Kanzelaltar schmückt, war in den 1950er Jahren im gesamten Innenraum der Kirche verwendet worden. Schon 1998 hatte man darüber nachgedacht, die Erstfassung des Altars freizulegen, die sich "in blaugrauem Gewand" zeigt und damit durchaus zur heutigen Gestaltung passen würde. 2004 baute die Firma Michael Godau aus Halenbeck die neue Kanzel-

treppe ein schon mit Blick auf eine spätere Altarsanierung mit der typischen Kassettenform an der Balustrade. Bis dahin hatte der Altar keine begehbare Treppe und war somit völlig funktionslos.

Der Kanzelaltar wirkt in dem hellen, freundlichen Innenraum wie ein Fremdkörper. Deshalb bemüht sich die Kirchengemeinde auch um die farbliche Neugestaltung. "Wir haben dafür zwei Kostenangebote bekommen, eines mit 25 000 Euro und eines mit gut 8000 Euro." Letzteres kommt von der Restauratorengemeinschaft Zimmermann und Kobelius, die in Heiligengrabe und Potsdam tätig ist.

Zwar war die Denkmalbehörde zunächst mit der gewünschten Farbgebung nicht ganz einverstanden, konnte aber schließlich doch noch überzeugt werden. "Eine Kirchengemeinde muss auch das Recht haben, eine eigene Farbgestaltung vorzunehmen", sagt Pfarrer Ruch. Am 11. März waren Vertreter des Landesdenkmalamtes und der Unteren Denkmalbehörde des Landkreises Prignitz zu einem Ortstermin in Halenbeck. Sie erteilten der Kirchengemeinde auf Grundlage des Kostenangebotes für 8353,91 Euro die Erlaubnis, die Altarsanierung so vorzunehmen.

Für die Sanierung des Kanzelaltars, die vor Ort erfolgen würden, hat die Kirchengemeinde laut Pfarrer Ruch bereits einen Antrag auf Fördermittel gestellt. "Und wir wollen noch bei weiteren Institutionen Anträge stellen." Da die Maßnahme "eine relativ kleine Sache" sei, geht Christian Ruch davon aus, dass die Kirchenbaustiftungen sie nicht unbedingt berücksichtigen. "Diese fördern eher größere Maßnahmen", meint der Pfarrer.

Erst die Sanierung machte das Kirchengebäude wieder in vollem Umfang für die Kirchengemeinde Halenbeck nutzbar. Alle 14 Tage finden in der Kirche Gottesdienste statt, der Altenkreis trifft sich einmal im Monat. Kinder und Jugendliche finden sich hier für den kirchlichen Unterricht ein und es gibt Konzerte und Chorproben. Im Winter können die Gemeindemitglieder die beheizbare Winterkirche nutzen.

Für den Beginn der Restaurierungsarbeiten am Kanzelaltar hat die Kirchengemeinde den Monat September anvisiert. Ob das klappt, hängt vom Erfolg der Fördermittelanträge ab. Erst mit der Sanierung des Kanzelaltars könne man laut Pfarrer Ruch von einer vollständig abgeschlossenen Sanierung dieser Kirche reden. (Von Beate Vogel)

Märkische Allgemeine vom 25. März 2009

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