Spenden für Ogrosens Feldsteinkirche reißen nicht ab

"Ein älterer Herr in Mönchengladbach spendet jeden Monat von seiner kleinen Rente für die Sanierung unserer Kirche", erzählt Christel Paulick von der Ogrosener Kirchengemeinde gerührt. Eine Berlinerin, die gegen ihre Krankheit ankämpft, hat einen größeren Betrag gespendet. Die Ogrosener Jugend überreichte unlängst 500 Euro, damit die alte Feldsteinkirche gerettet werden kann. 187 682,90 Euro seien bisher zusammengekommen.

Und es sollen mehr werden, denn der Kalender für den Frühling und den Sommer steckt voller hochkarätiger Veranstaltungen zugunsten der Kirchensanierung.

Am 13. Juni heißt es "Musikschulen öffnen Kirchen". Zum Haydn-Jahr wird die Nelsonmesse von Joseph Haydn erklingen. Es spielen und singen das Kammerorchester und der Kammerchor der Musikschule des Oberspreewald-Lausitz-Kreises sowie der Ökumenische Kirchenchor Senftenberg unter der Leitung von Ulrich Stein. Beginn ist um 17 Uhr.

Bereits gute Freunde der Ogrosener sind Carola Fischer, Katharina Dittmer, Hans-Joachim Schröpfer und Peter Wing rich vom Staatstheater Cottbus. Sie wollen ihrem Publikum am 5. Juli ab 17 Uhr einen Mozartabend bieten. Zum ersten Mal in der Kirche, die aus dem 15. Jahrhundert stammt und die seit dem Jahr 1986 unter Denkmalschutz steht, ist die TheaterNative C unter der Leitung von Gerhard Printschitsch. Mit "Die Wirtin" wollen auch diese Schauspieler einen Beitrag zur Sanierung des Ogrosener Gotteshauses leisten am 12. Juli ab 18 Uhr.

Ein Liebhaber der Orgel in der Ogrosener Kirche ist Prof. Oskar Gottlieb Blarr aus Düsseldorf. Gemeinsam mit Orgelbaumeister Lukas Fischer hatte er im vergangenen Sommer eine Woche in dem kleinen Vetschauer Ortsteil verbracht und das Kircheninstrument wieder zum Klingen gebracht. "Frauen aus dem Dorf haben die beiden bekocht", erzählt Christel Paulick. Zum Abschied habe der Düsseldorfer ein Konzert gegeben. Mit seiner koreanischen Schülerin Esther Kim wird Prof. Oskar Gottlieb Blarr am 13. und 14. August "Die Kunst der Fuge" von Bach aufführen. Einen Tag später, am 15. August, lassen sie Tänze und Volkslieder für Klavier von Schumann, Dvorak, Herzogenberg und Blarr erklingen. "Dafür haben wir heute schon in Ogrosen herumgehorcht, wer ein Klavier hat. Mit dem Professor werden wir vor dem Konzert zu den Leuten fahren und schauen, welches Klavier für dieses Konzert infrage kommt", so Christel Paulick schmunzelnd, aber voller Stolz und Hochachtung, dass sich so viele, auch bedeutende Künstler der Ogrosener Spendenaktion anschließen. Der August schließt mit dem traditionellen Mittelalterfest am 29. August ab 13.30 Uhr an der Kirche ab. "Alle Veranstaltungen tragen Benefizcharakter und helfen uns, der Sanierung der Kirche stückweise näherzukommen", versichert die Ogrosenerin. Seit dem Jahr 2003 werde intensiv dafür gesammelt. Im Monatsspruch Februar 2009 beschreibt Pfarrerin Marita Lersner aus der evangelischen Kirchengemeinde Rixdorf, wie wichtig der Glaube an das Gute ist. Sie selbst war eine zeitlang Pfarrerin unter anderem in Ogrosen. Sie schreibt: "Von den Ogrosenern habe ich gelernt, nicht allein nach Sachzwängen und Machbarkeit zu fragen, sondern der Hoffnung Raum zu geben. Und sie haben mir gezeigt, dass Glaube wie die Fliegen sein kann: Wo ein paar sich sammeln, werden viele andere mit angezogen." Die Unterstützung für die Sanierung der Dorfkirche habe inzwischen große Kreise gezogen, von der Frau des Bischofs, Kara Huber, bis zu Behindertengruppen im Johannesstift. "Ja, sogar in England und den USA haben sich schon Spender gefunden", so die Pfarrerin.

Doch die Kirche wäre keine Kirche, wenn nicht auch Gottesdienste darin abgehalten würden. "Einmal im Monat findet er in Ogrosen statt", sagt Pfarrer Stephan Magirius. Am Pfingstsonntag sei Konfirmation in der Ogrosener Kirche. Zuvor, am Himmelfahrtstag, werde von der Kirchengemeinde eine Radtour von Altdöbern bis Ogrosen unternommen, so Magirius. Spannend wird es am 28. Juni. Ab 11 Uhr wird Goldene Konfirmation gefeiert, kündigt der Pfarrer an. Christel Paulick ergänzt: "Wir haben fast 70 Einladungen verschickt an Frauen und Männer, die 1957 bis 1961 hier konfirmiert wurden. Eine Frau aus Berlin hatte uns dazu angesprochen, die 1945 hier ihre erste Heimat nach der Vertreibung gefunden hatte. Ihre Schwester lebt in Amerika und will ebenfalls nach Ogrosen kommen, wenn es ihre Gesundheit erlaubt."

Hannelore Kuschy

Lausitzer Rundschau vom 24. April 2009

Zum Weiterlesen:
Dorfkirche des Monats Februar 2007
Broschüre Offene Kirchen 2009, S. 12: Das Wunder von Ogrosen von Kara Huber
Lausitzer Rundschau vom 11. September 2007: Ogrosener wollen ihre Kirche im Dorf behalten
Lausitzer Rundschau vom 19. Mai 2008: Ogrosener sammelten bisher fast 50 000 Euro für ihre Kirche

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