DENKMAL: Ein Volltreffer mit Folgen

Das Mauerwerk der Altthymener Kirche müsste dringend saniert werden / Ortschef hofft auf Konjunkturprogramm

ALTTHYMEN - Nachdem die russischen Soldaten im Mai 1945 in Altthymen angekommen waren, soll aus dem feindlichen Geschütz nur ein einziger Schuss abgefeuert worden sein. Es war ein Volltreffer. Die Granate hinterließ im Dach der örtlichen Kirche ein stattliches Loch, das mit den Jahren immer größer wurde.

Heute steht das Kirchenschiff gänzlich ohne Dach da und erinnert in seiner offenen Art ein wenig an die Himmelpforter Klosterruine. Das nach oben hin freiliegende Mauerwerk des vom Schinkel-Schüler Buttel entworfenen Gotteshauses wurde vor Jahren schon mit Planen abgedeckt, um es vor eindringender Feuchtigkeit zu schützen. An einigen Stellen aber hat sich das Provisorium aus der Verankerung gelöst. Altthymens Ortsvorsteher Stephan Rudat befürchtet, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sich auch die ersten Steine lösen und herunterfallen.

An den Wiederaufbau des Kirchendachs, dem sich seit Jahren auch ein Verein widmet, glaubt Rudat aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht so richtig. Nicht in absehbarer Zeit. Aber bevor in Fürstenberg das "Konjunkturpaket" beschlossene Sache ist, möchte der Ortschef dann doch daran erinnern, dass die Kirche Eigentum der Kommune ist und womöglich findet sich für die notwendigen Sicherungsmaßnahmen ja ein Platz auf der Prioritätenliste. Einer groben Kostenschätzung zufolge würde es rund 40 000 Euro kosten, das Mauerwerk nach oben hin abzuschließen, um es vor Witterungseinflüssen zu schützen und damit einen Beitrag für die Rettung der seit 1993 unter Denkmalschutz stehenden Kirche zu leisten.

Ein Anziehungspunkt ist das Ensemble mit Kirche und Friedhof allemal. Die wenigsten Touristen, die sich auf dem Eiszeitradweg durch Altthymen bewegen, kommen an dem trotz seiner Lücken imposanten Bauwerk vorbei. Darüber hinaus beschäftigt die Altthymener derzeit besonders ihre oft viel befahrene Ortsdurchfahrt. Ein Teil der Straße ist bereits Tempo-30-Zone. Und wenn es nach den Anwohnern geht, gilt die Geschwindigkeitsbeschränkung bald für die gesamte Ortslage. Viele Autofahrer würden laut Stephan Rudat die Straße als "Schleichweg" zwischen Fürstenberg und Neustrelitz betrachten. Leider würden nur die wenigsten im Ort den Fuß vom Gas nehmen. "Wenn da mal ein Kind auf die Straße läuft, ist es passiert", sorgt sich der Ortsvorsteher um die Sicherheit besonders der jungen Einwohner. Grund dazu hat er. Immerhin gibt es in Altthymen mittlerweile wieder 15 Kinder. Für Zuwachs hat erst kürzlich eine sechsköpfige Familie gesorgt.

Dieser positiven Entwicklung möchten die Altthymener mit dem Bau eines Spielplatzes Rechnung tragen, den der Ortsvorsteher am liebsten gemeinsam mit den Kindern planen wollen würde. Eine passende Fläche dafür gebe es am Ortseingang. (Von Cindy Lüderitz)

Märkische Allgemeine vom 25. April 2009

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