DENKMALSCHUTZ: Der Zeiger ist schon bezahlt, der Turm folgt

Regionale Fördervereine sind für die Sanierung ihrer Dorfkirchen im Einsatz, den jüngsten Vorstoß macht Halbe

HALBE /WERNSDORF /SCHULZENDORF - Ab Mai besiegelt eine himmelblaue Emailleplakette den Denkmalstatus der Dankeskirche Halbe. Ihr Förderverein hat sich dafür eingesetzt. Die 13 Mitglieder starke Gruppe, die erst neun Monate alt ist, will das Gotteshaus sanieren. Die Kirche bleibt im Dorf, was sie war.

Halbe ist einer von 17 Vereinen, die sich in diesem Jahr um eine Anschubfinanzierung beim Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg bewerben. Die Ausschreibung endet heute. Fünf regionale Fördergruppen können auf einen Zuschlag hoffen. Bedingung: Ihre Gründung darf höchstens zwei Jahre zurückliegen. Perfekt für die Halber. "Die Bevölkerung zieht richtig toll mit", erzählt Vereinsvorstand Eckart Köthe. In ihrem jetzigen Zustand sei die Dankeskirche ein Schandfleck; Zeit, dass sie wieder zum kulturellen Mittelpunkt der Gemeinde werde, erinnert sich Köthe an Gespräche mit Bürgern. Dem Förderverein gehören neben elf Einheimischen zwei Hannoveraner an, die Tochter des ehemaligen Pfarrers mit Mann. Auch ihnen ist am Erhalt des Baus gelegen. "Zuerst wird der Turm saniert", erläutert Eckart Köthe, "wenn alles klappt, ist die Dankeskirche zu ihrem 100. Geburtstag 2014 wieder hübsch." Sponsoren will die Gruppe aber erst ansprechen, wenn der Architekt die Kostenschätzung vorlegt. In ein paar Wochen ist es soweit.

Das Wernsdorfer Kirchlein hat sich schon zum Schmuckstück gemausert, Förderverein sei Dank. "Was wir momentan machen, dient alles dem Erhalt der Kirche", sagt Vorstand Peter Janz. Voriges Jahr hat die Gruppe ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. 30 Aktive gehören dem Verein an, unermüdlich haben sie Kulturveranstaltungen zugunsten der Kirche organisiert, Spenden gesammelt, Sponsoren geworben und Förderanträge gestellt. 250 000 Euro hat die Sanierung der Kirche insgesamt gekostet. Wie in Halbe war auch in Wernsdorf die Turmsanierung dringend nötig. Peter Janz erinnert sich: "Der baufällige Turm war lange gesperrt, das Geläut durfte nicht betrieben werden, es war zu gefährlich." Janz, 1998 Bürgermeister der Gemeinde, machte die Kirchsanierung zur Chefsache doch nicht nur er: Ein anonymer Spender stellte 30 000 Mark bereit, "damit die Glocken wieder läuten", stand auf dem Überweisungsschein.

Inzwischen steht die Kirche wieder so da, wie sie 1899 erbaut worden war. Sogar die Farbgebung von einst hat der Denkmalschutz ermittelt. Vor drei Jahren setzte sich der Förderverein mit dem Einbau einer Sitzheizung gegen die Denkmalpfleger durch. "Man kann doch keine Konzerte genießen, wenn die Kirche eiskalt ist", rechtfertigt Peter Janz. Das aber sollen die Wernsdorfer zu jeder Jahreszeit können. "Wenn so ein Gebäude nicht genutzt wird, geht es kaputt", sagt der Vereinsvorstand.

Die brandenburgischen Dorfkirchen sind Berühmtheiten geworden. Der Förderkreis Alte Kirchen tourt mit einer Ausstellung über die schmuck auferstandenen, märkischen Gotteshäuser seit fünf Jahren quer durch Deutschland. Im Mai macht die Schau Station in Gütersloh. Sie wirbt für die steinernen Zeitzeugen und Kleinodien, auch wenn sie längst nicht mehr alle für Gottesdienste genutzt werden.

Ein solches Beispiel ist die Patronatskirche Schulzendorf. Ihr Förderverein kann 2009 auf zehn Jahre erfolgreiches Schaffen zurückblicken. Ende des Jahres sind deshalb eine kleine Chronik und eine Jubiläumsausstellung vorgesehen. Obwohl der markige Backsteinbau gut dasteht, "gibt es noch genug zu tun", sagt Fördervereinschef Wolfgang John. Bis 2011 reichen die Pläne. In diesem Jahr schauen die 26 Vereinsmitglieder auf die Fertigstellung der Uhr. Die Patronatskirche besitzt eine seltene Einzeigeruhr, die nur einen Stunden-, keinen Minutenzeiger hat. Ihn und das Zifferblatt haben die Schulzendorfer schon erneuern lassen. Nun müsse noch das elektrische Werk gekauft und installiert werden, schildert John. Zudem brauchen der halbkreisförmige Anbau (Apsis) an der Vorderseite der Kirche und das Luther-Fresko im Innern einen Neuanstrich. Letzteres ist nur noch in Konturen erhalten.

Dass die Patronatskirche zügig saniert wurde, hat die Gemeinde Schulzendorf durch einen Erbbaurechtsvertrag mit der Kirchengemeinde, ihr gehören Grundstück und Gotteshaus, erreicht. Bis zum Jahr 2100 können Amt und Förderverein die Geschicke der Kirche bestimmen, kulturell, sozial und baulich. Allein der Verein hat bislang 64 000 Euro zur Sanierung aufgebracht.

Ein solches Kulturzentrum wünschen sich auch die Halber, nicht nur der Förderverein der Dankeskirche. Ein sehr konkretes Hilfsangebot hat Eckart Köthe schon erhalten: "Ein Bürger sagte, wenn wir die Kirche machen, zahlt der die Zeiger der Uhr." (Von Tanja Kasischke)

Märkische Allgemeine vom 30. April 2009

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