Der Wurm in Niebendorfs Kirche

Niebendorf Von außen unscheinbar, besitzt die Niebendorfer Kirche in ihrem Innern eine prunkvolle barocke, mit Malereien versehene Holzeinrichtung. An der jedoch nagt der Holzwurm. Von Gemälden blättern die Farben ab. In einem ersten Bauabschnitt soll möglichst noch in diesem Jahr der Altar restauriert werden. Dafür hofft die Kirchengemeinde auf Förder- und Spendenhilfe, wie Pfarrer Dr. Joachim Boekels erklärt.

Innenausstattung des Niebendorfer Gotteshauses 
Ins Schwärmen gerät Pfarrer Dr. Joachim Boekels (r.), wenn er den Niebendorfern Gertrud Lehmann, Dr. Gerhard Niklowitz, Ingeburg Ulrich und Almut Niklowitz (v. l.) die wertvolle barocke Innenausstattung des Niebendorfer Gotteshauses erläutert.
Foto: Harald Friedrich

Almut Niklowitz vom Gemeindekirchenrat erklärt, der Erhalt des Gotteshauses bewege Christen und Nicht-Christen im Dorf gleichermaßen. Neben Gottesdiensten gebe es dort beispielsweise Konzerte des Niebendorf-Heinsdorfer Chores. Dann seien die Bänke bis auf den letzten Platz besetzt. Zudem liege die Kirche in der Nähe der Fläming-Skate und sei deshalb auch touristisch interessant, sagt sie.

Altar zum Auftakt

Als ersten Schritt wollen die Niebendorfer möglichst noch in diesem Jahr die Restaurierung des hölzernen Altaraufsatzes aus dem 18. Jahrhundert in Angriff nehmen. Doch eigene Mittel der Gemeinde seien knapp, legt Pfarrer Boekels den Finger auf die Wunde.

19 000 Euro soll laut Gutachten dieser erste Bauabschnitt kosten. Dabei würden Holzteile ausgebessert, abbröckelnde Malereien wieder ergänzt und im Anschluss mit einer Schutzschicht versehen, nennt der Pfarrer Aufgaben. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege habe Unterstützung durch Sachleistungen im Wertumfang von 5000 Euro zugesagt. Weitere Förderung sei beim Landkreis Teltow-Fläming sowie bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse beantragt worden. Zudem wolle sich die Gemeinde an den Kirchenkreis Zossen-Fläming wenden, erklärt der Seelsorger. "Ich werde mit Leib und Seele für die Kirche kämpfen", kündigt er an.

Gertrud Lehmann ergänzt, im Dorf soll für die Restaurierung gesammelt werden. "Wenn es um die Kirche geht, ist auf die Leute Verlass", sagt sie und berichtet von einem Großeinsatz im vergangenen Herbst. Der Boden sei entrümpelt worden. "Wir sahen aus wie Mumien, voller Staub", erinnert sie sich. Der Einsatz habe es möglich gemacht, dass eine neue Dielung aufgebracht und ein maroder Dachbalken instandgesetzt werden konnte. Doch nicht nur das.

Schätze auf dem Boden

Wie Pfarrer Boekels erklärt, seien auf dem Dachboden Schätze zutage gekommen. "Zwei Taufengel wurden gefunden, von denen einer sich früher offenbar in unserer eigenen Kirche und einer wahrscheinlich im inzwischen abgerissenen Gotteshaus von Heinsdorf befunden hatte." Die hölzernen Figuren, die einst über dem Taufstein von der Decke schwebten, müssen für eine lange Zeit in der Versenkung verschwunden gewesen sein, äußert der Pfarrer eine Vermutung. "Nicht einmal die ältesten Dorfbewohner konnten sich an sie erinnern." Jetzt liegen sie im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und warten ebenfalls darauf, in die Kur genommen zu werden. Das soll laut Pfarrer in einem zweiten Bauabschnitt zusammen mit der Kanzel-Sanierung geschehen. In der Folge seien die Restaurierung der Empore und des Patronatsgestühls geplant. "Jedes Teil für sich ist ein Kleinod mit vielen besonderen Details", sagt Ingeburg Ulrich und gerät ins Schwärmen. Sie zeigt eine an der Kanzel angebrachte Sanduhr, die den Pfarrer früher animierte, sich kurz zu fassen. "Die Uhr lief eine Stunde", schmunzelt sie.

Malerei unter Kalk

Almut Niklowitz ergänzt, besonders spannend werde der letzte Bauabschnitt. Unter dem Putzkalk der Wände hätten die Denkmalpfleger barocke Malereien gefunden, die freigelegt werden sollen.

Einwohner Dr. Gerhard Niklowitz ist überzeugt, dass sich all der Aufwand lohnen wird. "Von außen wirkt die Kirche ganz unspektakulär. Als ich vor gut zehn Jahren zum ersten Mal ihr Inneres gesehen habe, hat mich der unerwartet prunkvolle Eindruck deshalb fast erschlagen", erinnert er sich an seine erste Begegnung mit dem Gotteshaus.

Von Carmen Berg

Lausitzer Rundschau vom 05. Mai 2009

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