Mit Sandsack auf der Suche nach Spenden

Von Steffen Göttmann

Mit Sandsack auf der Suche nach Spenden 

Neulietzegöricke (MOZ) Noch in diesem Jahr soll die Sanierung der Kirche in Neulietzegöricke beginnen. Doch die Gemeinde Neulewin, zu der Neulietzegöricke seit 2003 gehört, und die evangelische Kirche benötigen 60 000 Euro Spenden, um den Eigenanteil von 170 000 Euro schultern zu können.

"Alle Beteiligten ziehen an einem Strang", freut sich Pfarrer Hans-Peter Nitsch. Daher ist er sich sicher: "Wir schaffen das." Denn rund 300 000 Euro Fördermittel wolle das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Verbraucherschutz und Umwelt in Fürstenwalde für die Sanierung des Gotteshauses zur Verfügung stellen, erklärt Gisela Sommer, Kirchenälteste in Neulietzegöricke. Das sind 63 Prozent der Gesamtbausumme, die auf 467 000 Euro geschätzt wird. Die Fördermittel werden über die nächsten drei Jahre verteilt. In dieser Zeitspanne müssen die Neulietzegöricker die Restsumme des Eigenanteils aufbringen. "Wir dürfen uns diese einmalige Chance nicht entgehen lassen", appelliert der Pfarrer.

Die Fördermittel bekommen die Neulietzegöricker aber nur, weil das Gotteshaus nicht nur allein von der Kirchengemeinde für Gottesdienste, Trauungen und Trauerfeiern, sondern auch von der weltlichen Gemeinde für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird, betont Horst Wilke, langjähriger ehrenamtlicher Bürgermeister von Neulietzegöricke und jetzt ehrenamtlicher Bürgermeister der Großgemeinde Neulewin. Dem offiziellen Fördermittelantrag, den die Kirchengemeinde heute an das Landesamt schickt, sei auch eine Nutzungsplanung und ein Nutzungskonzept beigefügt, den kirchliche und weltliche Gemeinde vertraglich vereinbart haben, sagt Gisela Sommer. Die Veranstaltungen dürfen die Würde der Kirche nicht verletzen.

Horst Wilke setzt sich schon sehr lange für die Sanierung der Kirche ein. "Die letzte Innensanierung war 1909", so der Bürgermeister, der sich gut in der Geschichte des Gotteshauses auskennt, weil er immer wieder Touristen führt. Den Erlös daraus spende er stets für die Kirche. So habe ihm der Besuch der Oldtimer am vergangenen Wochenende 75 Euro eingebracht. Überhaupt sei die weltliche Gemeinde sehr aktiv. "Wir veranstalten seit drei Jahren regelmäßig Konzerte in der Kirche", so Horst Wilke. Die Einnahmen fließen in den Topf, aus dem die Sanierung finanziert wird.

Gisela Sommer hat jetzt alle großen Unternehmen der Region angeschrieben und sie um Spenden für die Kirche gebeten. Frühlingsfest und Kirchenkonzert am kommenden Sonntag sollen weitere Gelder in die Kasse spülen. Das Konzert startet um 14.30 Uhr mit dem Kirchenchor Neulewin/Neulietzegöricke. Und um 15.30 Uhr beginnt ein Frühlingsfest mit Trödelmarkt vor dem Gotteshaus. Dort werden auch erstmals die kleinen Sandsäcke verkauft, die Gisela Sommer und weitere Frauen aus dem Dorf aus Stoffresten genäht haben. Versehen sind sie jeweils mit einer Keramik-Plakette, die Heidi Köhler aus Güstebieser Loose hergestellt und bemalt hat. "Jede Plakette ist anders", sagt Gisela Sommer. Der Sandsack habe im Oderbruch seit 1997 eine ganz besondere Bedeutung von Gemeinschaftsgefühl gewonnen, so die Kirchenälteste.

Vor allem die Außenhülle der Kirche bedarf einer dringenden Sanierung, der Putz ist abgeblättert. Auch Dach und Dachstuhl müssen erneuert werden. Von den Schallluken am Glockenstuhl - eine Art Jalousien - fehlen Teile und müssen ersetzt werden. Die Steine des Fußbodens im Innenraum müssen aufgenommen und neu verlegt werden. Bei dem 1840 gebauten Gotteshaus handelt es sich um eine Fachwerkkirche, die nach außen fest verblendet wurde.

Ansprechpartnerin für Spenden ist Sylvia Hecht, Sekretärin der Kirchengemeinde, 033457 404

Märkische Oderzeitung vom 14. Mai 2009

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