Rund 6,6 Millionen Euro in Herzberger St. Marien verbaut

Herzberg Vor der Herzberger Kirche St. Marien stehen Fahrzeuge einer Zimmerei. Das ist nicht ungewöhnlich. In den vergangenen Jahren gehörten Handwerker ständig zum Bild im Inneren der Kirche. Rund 6,6 Millionen Euro sind an dem Gotteshaus seit 1991 verbaut worden, und die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Bis zum Brandenburgischen Sommerkonzert am 11. Juli gibt es noch jede Menge zu tun.

 
Christian Holz, Zimmermann bei Heinze Bau, ist in diesen Wochen mit dem Rückbau einzelner Sitzreihen beschäftigt.
Fotos: Sven Gückel
Dieser Blick auf den Altar der Kirche Herzberg ist sonst nur dem Organisten vorbehalten

Pfarrerin Renate Timm wirkt etwas angespannt. Sie hatte gehofft, es in diesem Jahr in "ihrer" Kirche nicht wieder ständig mit Handwerkern zu tun zu haben. Aber die Hoffnung erfüllt sich noch nicht. "In einem solchen Bauwerk hören die Arbeiten wohl nie auf", muss sie erkennen.

In diesem Jahr stehen vor allem die hölzernen Bestandteile im Mittelpunkt. Die Treppenaufgänge werden aufgearbeitet, fehlende Streben am Geländer ersetzt. An einigen Stellen hat der Holzwurm deutlich seine Spuren hinterlassen. Deshalb muss auch der Handlauf erneuert werden. Überall, wo sich im Holz Fehlstellen abzeichnen, wird bearbeitet und retuschiert. Auch die Deckenbalken werden gereinigt. Zusätzlich muss die Empore nach Auflagen der Berufsgenossenschaft mit einer Brüstungsstange versehen werden.

Wer in diesem Sommer nach langer Zeit das Kirchenschiff betritt, dem wird schnell auffallen, dass es irgendwie anders wirkt. Das liegt daran, dass einige Teile der Bestuhlung fehlen. Die Zimmerer sind derzeit dabei, Teile der Bestuhlung zu entfernen. Diese waren erst nach der Restaurierung 1864 angebracht worden. Auch einige Pfeiler waren durch die Bänke regelrecht eingebaut. Sie werden derzeit freigestellt.

Behindertengerecht

"Besonders am Herzen liegt uns, dass die Kirche endlich einen behindertengerechten Eingang erhält", sagt Renate Timm. Ohne Stufen zu überwinden, kann man nicht ins Kircheninnere gelangen. Wenn es gelingt, Fördermittel dafür zu bekommen, soll ein Seiteneingang möglichst noch in diesem Jahr behindertengerecht hergerichtet werden.

Die Gedenktafeln für die Teilnehmer am Ersten und Zweiten Weltkrieg, die bisher an den Säulen im Schiff angebracht waren, finden künftig ihren Platz auf die Turmebene. "Wir möchten auch diese Ebene für die Besucher der Kirche dauerhaft zugänglich machen", so Pfarrerin Timm.

Und noch eine Neuerung wird es demnächst in der Herzberger Kirche geben. In den Turmbereich, der bisher dunkel war, und von dem aus der Blick in den Turm verborgen blieb, wird eine Glasscheibe eingebaut. Durch sie kann man den gesamten Turmbereich einsehen.

Die Zeit drängt, denn alle Bauarbeiten, die Staub und Schmutz verursachen, müssen bis zum 8. Juni abgeschlossen sein. Dann beginnt die Firma Orgelbau Voigt aus Bad Liebenwerda mit einer kompletten Reinigung der Orgel. Anschließend wird sie intoniert, damit sie zum Brandenburgischen Sommerkonzert am 11. Juli bestens klingt. Zu diesem Konzert ist der Staats- und Domchor Berlin unter der Leitung von Dirigent Kai-Uwe Jirka in der Herzberger Kirche zu Gast. Er wird begleitet von Trompeter Joachim Pliquett und Organist Arvid Gast. 600 Besucher werden zu dem Konzert in Herzberg erwartet.

Das ist aber nicht das erste Konzert in der Herzberger Kirche in diesem Jahr. Am 13. Juni spielt das junge Leipziger Blechbläserquintett "en Brass ment" in der Kirche. Einen weiteren Höhepunkt wird es am 12. September im Rahmen des Abiturjubiläums mit der Aufführung des "Elias" geben.

Noch kein Ende

Für die Bauarbeiten in St. Marien stehen in diesem Jahr rund 167 000 Euro zur Verfügung. Die Mittel, die seit 1991 in die Sanierung geflossen sind, kommen von vielen Geldgebern. Dazu gehören die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, das Land Brandenburg, das Bundesverwaltungsamt, die Bundesstiftung Umweltschutz, die Landeskirche, die Evangelische Kirche Deutschlands, der Landkreis und die Stadt Herzberg. Es sind aber auch viele Fördermittel aus dem GfG- oder Städtebauprogramm geflossen, ebenso Patronatsmittel, viele Einzelspenden und Eigenmittel der Kirchengemeinde. "Das zeigt uns, dass die Kirche bei uns einen geachteten Stellenwert hat", freut sich Renate Timm, auch wenn sie es kaum erwarten kann, dass die Bauarbeiten endlich beendet sind.

Architekt Onno Folkerts hat aber noch einige Projekte in Arbeit. "Alles, was die Restaurierung und Reinigung der Kanzel und des Altars sowie anderer Kunstgegenstände betrifft, muss noch etwas warten. Dafür benötigen wir ungefähr noch 488 000 Euro, für die die Finanzierung noch nicht steht." Aber zum Reformationsjubiläum 2017 sollen auch diese Arbeiten abgeschlossen sein.

Von Birgit Rudow

Lausitzer Rundschau vom 20. Mai 2009

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